Wenn das Kabarett wieder aufsperrt
Das Kabarett Niedermair in Wien eröffnet am 7. September mit dem Aufsperrfest die neue Saison – und legt im Herbst gleich mit drei Premieren nach: Alltagsprolet, Sonja Pikart und Sebastian Hochwallner.

Rund hundert Plätze hat das kleine Biedermeierhaus in der Lenaugasse in der Josefstadt, seit 1983 unter der Leitung von Nadja Niedermair. Zu eng für die ganz große Bühne, genau richtig für das, was hier passiert: Kabarett aus nächster Nähe, wo die letzte Reihe noch mithören kann, wenn vorne die Stimme kippt. Nach der Sommerpause ist das Haus im September so dicht bespielt wie selten – mit bekannten Namen und gleich drei Kabarettist:innen, die zum ersten Mal ihr eigenes Programm zeigen. Das WIENER-Archiv kennt das Niedermair übrigens gut, etwa von Malarina – ernst, aber lustig.
Das Fest zum Auftakt
Den Anfang macht am Montag, 7. September, das traditionelle Aufsperrfest: ein bunter Abend mit gut einem Dutzend Kurzauftritten quer durch die heimische Szene, von Elli Bauer über BlöZinger bis Antonia Stabinger. Karten gibt es ab 29 Euro, die Besetzung kann sich laut Veranstalter noch kurzfristig ändern. Wer noch keinen Herbstplan hat, bekommt hier an einem Abend gleich mehrere Empfehlungen für die kommenden Wochen serviert.
Drei Premieren, drei Stimmen
Am 22. September steht mit „Rausländer“ das erste neue Programm auf dem Spielplan: Alltagsprolet, Wiener mit Wurzeln in Jugoslawien und aufgewachsen in Niederösterreich, erzählt vom Leben zwischen zwei Zuschreibungen, weder ganz „jugo“ noch ganz österreichisch. Einen Tag später, am 23. September, folgt Sonja Pikart mit „Stark“, einer Abrechnung mit dem heimischen Superlativ-Wahn, vom höchsten Schaukelstuhl der Welt bis zum Kraftprotz im Fitnessstudio. Den Reigen schließt am 29. September Sebastian Hochwallner mit „Einzelmännchen“, einem Solo über Männer, die sich selbst nicht mehr ganz geheuer sind.
Wiederkehrer mit Neuem
Auch wer schon öfter im Niedermair war, kommt nicht zu kurz: Gunkl bringt mit „Apropos übrigens“ ein komplett neues Programm (21. und 28.9.), Andreas Rebers verhandelt unter dem Titel „I bleibat jetzt do“ seine Wahlheimat Österreich (17., 20. und 27.9.), und FLONA erzählt am 15. September in „Selfmade Feminist“ von Flucht aus Syrien, Jugend im konservativen Bayern und Ankunft als queere Frau in Wien.
Das Aufsperrfest ist ein Ritual, das man in Wien seit Jahren kennt: Der Vorhang geht auf, die Szene versammelt sich, und man ahnt schon am ersten Abend, wer im Herbst noch für Gesprächsstoff sorgen wird. Heuer sind es gleich drei neue Namen auf einmal – Grund genug, sich den September im Kalender freizuhalten.





