Kabarett

Mike Supancic: Erinnerungen an die Zukunft

Franz J. Sauer

Mike Supancic geht ab Jänner 2024 mit einem neuen Kabarettprogramm auf Tour. In „Zurück aus der Zukunft“ serviert er Wuchteln, Lieder und Parodien im Alleingang. Sehr schräg und quer gedacht. Die Zukunft ist eben auch nicht mehr das, was sie früher einmal war.

von Georg Biron

„In meinem neuen Kabarettprogramm bin ich ein Zeitreisender, fast wie der Bruce Willis im Blockbuster ‚Twelve Monkeys‘, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren“, erzählt Mike Supancic mit einem Augenzwinkern.

Selbstverständlich ist die Zukunft die Fortsetzung des laufenden Schwachsinns und treibt so manche heutige Perversion auf die Spitze. So hält man beispielsweise für die Zeitgenossen ein künstliches Gewissen bereit, das die Leutchen im Zaum hält. Als Prime-Time-Unterhaltung gibt‘s einen Raiffeisen-Reibeisen-Songcontest. Der grassierende Gesundheitswahn führt zu einer Jugendrevolte, die mit der Hymne „Ganz Wien … ist heut‘ auf Protein“ ihre Ideologie unterstreicht. Der gebeutelte Supancic lässt sich vom siebensüß lächelnden Social-Media-Investmentpunk durch die Hypermegainflation coachen und plant bereits seinen verdienten Lebensabend im Pflegekompetenzzentrum Rockressort Rensenbrink. „Und zu allem Überfluss werde ich auch noch im eigenen Land aus dem Zug geworfen“, grinst der Steirer. „Mit einer Malakofftorte in der Hand.“

© Lukas Beck

Selbstverständlich ist der Zeitreisende mit seiner Klampf‘n unterwegs und spielt sich mit seinen sechs Saiten die Finger wund. Das Publikum darf sich jedenfalls freuen – auf den fetzigen Antiblues Blues, das lässige Dürüm-Langos-Asianudeln-Maronistand-Medley sowie „zahlreiche Songs über Themen, über die noch nie Songs geschrieben worden sind. Beziehungsweise worden sein werden.“

3,6 Millionen YouTube-Aufrufe

Die Musik ist das Markenzeichen von Mike Supancic. Im Frühjahr 2016 nahm die von ihm und Hannes Vogler geschriebene Originalfassung des Lagerhaus Reggae auf YouTube die 2-Millionen-Hürde und steht heute mit allen Versionen bei mehr als 3,6 Millionen Klicks. Damit ist diese Nummer der am häufigsten angeklickte Kabarett-Song aus Österreich. Er stammt aus dem Programm „Mike Supancic und die Knechte des Lasters“. Reich sind die Verfasser damit aber nicht geworden.

Weitere beliebte Supancic-YouTube-Hits sind: Riding on an ÖBB-Train, Leberkäs, Türkendisco, Im 10. Bezirk, Furzen im Lift oder auch Schwiegermutter, stirb amoi.

Meine persönlichen Favoriten sind Moonlight Brothers und Apokalypse, die Mike mit der Formation Los Cravallos für eine CD eingespielt hat.

Bei Mike Supancic hat sogar das Lachen einen flotten Rhythmus. Shake it, Baby! Er ist für mich the one and only österreichische Musik-Kabarettist. Denn, was er auf der Bühne treibt, das treibt sonst keiner. Egal, ob er auf einer Kleinkunstbühne steht oder in einer Mehrzweckhalle sein Bestes gibt: Er wirft Pointen, Parodien und Songs ins Publikum. So als wären es Würfel auf einem Poker-Brett. Straight Flush. Full House. Drilling. Das geht alles sehr schnell und ist verblüffend. Ohne political correctness. Ohne Anpassung an den Markt. Ohne Kniefall vor dem Fernsehen. Ohne Bühnenschnickschnack und Videobeamer. Bewaffnet nur mit einer Gitarre.

Der Supancic ist ein vagabundierender Alleinunterhalter mit einer großen Gosch’n, die schneller ist als das Hirn und rund um die Uhr geöffnet hat. Eigentlich kann er über alles reden. Die ganze Welt besteht aus dem Stoff, aus dem die Witze sind. Das werden die CERN-Physiker mit ihrem Teilchenbeschleuniger aber nie rausfinden. Wenn sie nur nach Big Bang suchen und nicht auch nach Gang Bang.

Das nur nebenbei.

Er ist aber auch ein verspielter nachdenklicher Musikant, der sich als Solist weit aus dem Fenster lehnt, wenn er im neuen Programm seine unsichtbare Entourage ins Licht der Scheinwerfer zerrt.

© Lukas Beck

Ein Mann wie eine Brettljausn

Die Menschen zum Lachen zu bringen und sie gleichzeitig zum Nachdenken zu bewegen, ist kein Spaziergang, sondern seit fast 40 Jahren ein harter Knochenjob. Sein letztes Programm vor der Corona-Pandemie hat Mike in einem einzigen Jahr mehr als 100 Mal gespielt. Er ist ständig auf Achse. Immer mit dem Zug. Er liebt die Eisenbahn. Riding on an ÖBB-Train … Auch weil er keinen Führerschein hat. Und weil ein Tourbus mit Chauffeur ja doch nur Geld kosten würde. Er kennt jeden Saal in Österreich und jedes Theater, in dem Kabarett gespielt wird. Und er kennt sie alle, die einsamen grindigen Gasthofzimmer neben den Kirchen am Hauptplatz und die coolen Design-Hütten mit den vier Sternen, die am Stadtrand stehen und einen eigenen Wellness-Bereich haben, den der Mike aber nicht benützt. Lieber verbringt er die einsamen Stunden nach seinen Auftritten in kleinen Cafés und abgeschabten Gasthäusern.

Zu Hause ist er so selten, dass er dort mittlerweile am liebsten ist. Mit seiner Frau Karin und dem gemeinsamen Sohn Fynn. Fernsehen mit Großbildschirm, Grillen auf der Terrasse, Zigarre rauchen, Rum trinken, kiloweise Bücher lesen. Und, ja, natürlich, in Gesprächen mit Freunden stundenlang das Leben filettieren.

„Ich bin wie eine Brett’ljausn: vielfältig, würzig, nahrhaft und ehrlich“, erklärt der schmaläugige Steirerman, der in der Schule die Lehrer parodiert hat und für die Mitschüler den schrillen Kaschperl und das pralle Krokodil in Personalunion gegeben hat. Zwischendurch hat er in der steirischen Hügellandschaft verschossene Golfbälle gesucht, die er im Wald aufgespürt und aus Teichen gefischt hat, um sie den Golfern mit dem schiefen Handicap zum Sonderpreis zurück zu verkaufen.

Schließlich hat er sich auf die Bretter, die die Kleinkunstwelt bedeuten, getraut und erste Programme vom Stapel gelassen. Schnell sprach es sich herum, dass hier ein neuer an den Start ging, der das Publikum begeisterte – was ihm auch die ersten Preise einbrachte: den „Grazer Kleinkunstvogel“, den „Österreichischen Kabarett-Preis“ und schließlich sogar den „Salzburger Stier“.

Den Hochsommer 2023 hat Mike Supancic dazu genutzt, das neue Programm zu entwickeln: „Es war heiß, die Lebensmittel waren knapp, der Benzinpreis war hoch und der Sex selten. Und ich dachte mir: Was wird die Zukunft bringen?“

Infos und Tickets: supancic.at