Die Einwilligung, die keine war
Der Fall Vanessa Springora kommt als Film ab 10. September auf DVD, Blu-ray und digital nach Österreich. „Die Einwilligung“ erzählt, wie der Pariser Kulturbetrieb den jahrelangen Missbrauch einer Vierzehnjährigen deckte.

Im Herbst 2023 passierte in Frankreichs Kinos etwas, das kein Verleih eingeplant hatte. Ein Drama über einen literarischen Missbrauchsfall aus den Achtzigern startete unauffällig, mit rund 59.000 Zusehern in 195 Sälen, wie so viele kleine Autorenfilme. Eine Woche später waren es schon 142.000, in mehr Kinos, mit weiter steigender Tendenz. Ausgelöst hatten das nicht die Kritiken, sondern Teenager auf TikTok, die sich nach der Vorstellung weinend filmten und die Clips online stellten. Bis Jänner 2024 hatte „Le Consentement“ mehr als 600.000 Menschen ins Kino gezogen, ein Nischenstoff, den plötzlich eine ganze Generation sehen wollte, mehr als ein Jahrzehnt nachdem der Ursprung von #MeToo gelegt wurde. Regulär angelaufen ist der Film damals nur in Frankreich und Belgien, jetzt kommt er über den Heimkino-Weg auch nach Österreich.
Wer war Gabriel Matzneff?
Bis 2020 war Gabriel Matzneff in Paris ein gefeierter Schriftsteller, dessen Bücher offen von sexuellen Beziehungen zu Minderjährigen erzählten, unwidersprochen, sogar dekoriert: 2013 bekam er den Prix Renaudot, einen der bedeutendsten französischen Literaturpreise, für sein Gesamtwerk. Verlegerin Vanessa Springora war vierzehn, als der damals fast Fünfzigjährige sie in eine Beziehung drängte, die er selbst literarisch verwertete. Sie beschreibt es 2020 in ihrem Buch „Le Consentement“. Wenige Tage nach Erscheinen zog sein Hausverlag Gallimard, der ihm dreißig Jahre lang die Treue gehalten hatte, sämtliche Bücher aus dem Handel. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren, das mangels Verjährung ohne Anklage endete. Moralisch war die Sache trotzdem entschieden, ein Vorgang, der in der #MeToo-Debatte seither immer wieder als Lehrbuchfall zitiert wird.

Vom Bestseller zum Kinophänomen
Springoras Buch wurde zum Skandal und Bestseller zugleich: über 380.000 verkaufte Exemplare allein in Frankreich, Übersetzungen in 32 Länder. Drei Jahre später verfilmte Regisseurin Vanessa Filho den Stoff mit Kim Higelin als junger Vanessa und Jean-Paul Rouve als Matzneff, Laetitia Casta spielt die Mutter, Élodie Bouchez die erwachsene Springora im Jahr 2013. Higelin gewann dafür beim Filmfestival Tallinn Black Nights den Preis als beste Darstellerin, der Film selbst holte zwei César-Nominierungen, für die beste Adaption und für Higelin als beste weibliche Nachwuchsdarstellerin.
Ab wann, wo, wie teuer?
Ab 10. September bringt die deutsche Busch Media Group „Die Einwilligung“ im Vertrieb der Alive AG fürs Heimkino heraus, auf DVD, Blu-ray und digital, mit deutscher und französischer Tonspur in DTS-HD 5.1 sowie deutschen Untertiteln, dazu Wendecover und Trailer als Bonus. Die Blu-ray ist in Österreich unter anderem beim Händler medienversand.at für 14,99 Euro vorbestellbar (Stand 10.08.2026), FSK-Freigabe ab 16 Jahren, Laufzeit 119 Minuten. Für die DVD und die digitale Fassung liegt noch kein bestätigter Österreich-Preis vor.

Dass ausgerechnet ein Heimkino-Termin die Fortsetzung einer Debatte ist, die vor sechs Jahren mit einem Buch begann, hat etwas fast Beruhigendes. Die Teenager, die 2023 weinend aus französischen Kinosälen kamen, sind heute erwachsen genug, um sich den Film zu Hause noch einmal anzusehen, diesmal ohne Eile. Der Titel bleibt trotzdem ein Widerspruch in sich: eine Einwilligung, die keine war.
