Doppelt frittiert, einfach nur okay
Mit „Golden Frites“ eröffnete in Wiens Neubaugasse das erste Lokal, das ausschließlich auf doppelt frittierte Pommes im niederländischen Stil setzt. Eine Portion „Hot Cheese“ mit Trüffelmayo und Cheddar kostet ab 5,90 Euro, serviert wird ausschließlich zum Mitnehmen.

Amsterdam kennt das Ritual: Freitagabend, eine Papiertüte Frites, viel zu viel Mayo, und der erste Bissen schmeckt nach Verheißung, noch bevor er nach Kartoffel schmeckt. Rui Chen, Mitgründer der Wiener Ebi-Lokale, hat sich dieses Ritual bei Aufenthalten in den Niederlanden abgeschaut und sich gefragt, warum es in Wien nichts Vergleichbares gibt. Die Antwort steht jetzt in der Neubaugasse 48–50: ein schmaler, lichtdurchfluteter Take-away-Laden mit zentralem Tresen, in dem Kartoffeln aus den Niederlanden zweimal durchs heiße Öl wandern, bevor sie im Papiersackerl landen. Diesen Sommer ist Wien ohnehin streetfood-lauter geworden, auch die Pratersauna setzt bei ihrer Rückkehr als Urban Pool Club auf frittierten Snack statt Speisekarte.
Was kostet eine Portion Frites?
Nach dem Prinzip „Build Your Frites“ wählen Gäste zunächst zwischen den Größen Mini, Regular und Grand und kombinieren dazu Saucen und Add-ons wie Parmesan, Cheddar oder Jalapeños. Wer sich nicht selbst zusammenstellen will, greift zu einer der vier Signature-Kombinationen: „Hot Cheese“ mit Samurai-Sauce und Cheddar kostet je nach Größe 5,90 bis 7 Euro, „Dutch Style“ mit Original-Frites-Sauce, Curry-Sauce und roten Zwiebeln 5,60 bis 6,70 Euro. Dazu kommen holländische Snackklassiker: Kalbfleisch-Kroketten um 4,50 Euro, das vegetarische Käsesoufflé um 4,20 Euro. Geöffnet ist täglich von 12 bis 20 Uhr.
Zweimal ins heiße Öl
Die frisch geschnittenen Kartoffelspalten werden zunächst bei niedriger Temperatur sanft gegart, ruhen anschließend, bis die Oberfläche trocknet, und kommen dann bei hoher Hitze zurück ins Fett. Durch die Maillard-Reaktion soll eine krosse, goldbraune Kruste entstehen, die das Fett nicht ins Innere zieht, kombiniert mit einem weichen, cremigen Kern. Das Ergebnis ist ein Snack, der bewusst nicht als Beilage gedacht ist, sondern als Hauptdarsteller – anders als das Langos, das sich am Christkindlmarkt seit jeher mit der Rolle des Sattmachers zufriedengibt.
Fast wie in Antwerpen
Ganz uneingeschränkt begeistert zeigte sich die Wiener Gastro-Kritik nicht. Der Falter verglich die Fritten mit jenen, die es „bislang nur im Frankfurter Bahnhofsviertel“ gibt, und vermisste die Handschrift, die frisch geschnittene, in Rinderfett gebackene Pommes etwa in Antwerpen auszeichnet. Die vorgeschnittenen, aus den Niederlanden importierten Kartoffelspalten schmecken demnach „eh okay“, aber eben nicht nach dem großen Belgien-Versprechen, das der Markenname weckt. Ein Urteil, das zum minimalistischen, hell gestalteten Lokal passt: Golden Frites Wien zelebriert nichts, was nicht zur Take-away-Logistik passt, auch nicht den Anspruch ans Handwerk.
Golden Frites
Neubaugasse 48–50, 1070 Wien
Täglich 12–20 Uhr
Preise: 4,20 € (Cheese Soufflé) bis 7 € (Hot Cheese, Grand)
instagram.com/goldenfrites.co
Ob die Neubaugasse dadurch tatsächlich ein Stück Amsterdam wird, sei dahingestellt. Aber ein Papiersackerl Fritten zum Vorbeigehen hat Wien jetzt auch ohne Grachten.





