Die Markterei kocht jetzt mit
Die Wiener Markterei eröffnet am 11. September ihre neue Markthallensaison im ehemaligen Wasserbaulabor.

Ab dann gibt es freitags und samstags wieder regionale Produkte direkt von den Erzeuger:innen, neu ergänzt durch die wechselnde „Marktküche“ von Gastronom:innen wie Andreas Hattenberger oder Niklas Kornfeld.
Wo einst die Boku Flusspegel und Wellenschlag simulierte, wird heuer der Krauthobel geschwungen. Das Wasserbaulabor in der Severingasse im neunten Bezirk, ein denkmalgeschütztes Haus, ist seit 2024 das dauerhafte Zuhause der Markterei, jenes Nachbarschaftsmarkts, der 2014 als kleine Nachbarschaftsinitiative begann, mehrere Stationen durchwanderte, unter anderem die Alte Post im ersten Bezirk, und mittlerweile als Wiens einzige echte Markthalle gilt. Am 11. September, einem Freitag, startet dort die neue Saison, mit derselben Mischung aus Einkaufskorb, Achterl und langer Tafel wie eh und je, nur mit einem Zubau, der bisher gefehlt hat: einer eigenen Küche.
Die Küche zieht in die Halle
Neu an dieser Saison ist die Markterei Marktküche. Jeden Freitag verwandeln wechselnde Gastronom:innen die Erzeugnisse der Marktstände direkt vor Ort in saisonale Gerichte, darunter Andreas Hattenberger, Niklas Kornfeld von Kornfeld Pizza und Sebastian Dürauer vom Bistro. Auch die Schüler:innen der benachbarten Modeschule Michelbeuern greifen zum Kochlöffel, mitten zwischen den Marktständen, nicht in einer Lehrküche hinter verschlossenen Türen. Vom Feld auf den Teller, ganz ohne Umweg über den Gastro-Großhandel: Jede Küche bringt ihre eigene Handschrift mit, jeder Freitag wird so zu einer neuen Verkostung, und wer am Vorwoche-Freitag noch Pizza aus dem Steinofen gegessen hat, findet am nächsten vielleicht ein Schulprojekt mit Kürbis und Wild am Teller.
Frühstück ab Hof
Wer es gemütlicher mag, kommt samstags zum Marktfrühstück. Zwischen 10 und 16 Uhr wählt man sich die Lieblingsprodukte direkt bei den Produzent:innen zusammen, von der Buttermilch bis zum Bauernbrot, serviert wird alles auf einer Etagere mitten in der Halle. Wer nach dem Einkaufen noch bleiben will, setzt sich an die lange Tafel und kommt mit dem Standl-Nachbarn ins Gespräch. Nachfragen ist ausdrücklich erwünscht, nicht bloß geduldet, und genau darin unterscheidet sich die Markterei vom Supermarktregal: Hier hat das Gemüse noch ein Gesicht dazu.
Ein Kalender voller Anlässe
Die Markterei denkt in Jahreszeiten, nicht in Wochenenden. Der September steht im Zeichen von Erntedank, im Oktober übernehmen Most und Sturm, dazu kommen das Wärmedankfest der Wien Energie und die Sake Week Vienna. Im März holt der Schwerpunkt Female Chefs zum zweiten Mal Köchinnen vor den Vorhang, im Sommer beschließt der Stadtheurige mit Ab-Hof-Verkauf die Saison. Wien hat ohnehin gerade eine kleine Marktrenaissance: Erst füllte sich das Ballhaus zur Mortadella Totale mit Aufschnitt-Fans, jetzt feiert der Weinhändler Sussitz sein Zehn-Jahres-Fest am Karmelitermarkt. Die Markterei ist bei alledem die Konstante, das Haus mit der längsten Tafel und, ab sofort, mit der am häufigsten wechselnden Küchenmannschaft der Stadt.
Am 11. September also wieder: Freitag, Severingasse, 14 Uhr. Im Wasserbaulabor wird nicht mehr der Pegelstand gemessen, sondern der Suppentopf gerührt, und beides braucht am Ende dieselbe ruhige Hand.






