Wo Löwen eine zweite Chance bekommen
Das Shamwari Private Game Reserve im südafrikanischen Ostkap verbindet Fünf-Sterne-Safari mit Artenschutz für Nashörner, Raubkatzen und Geier. Zwei Lodges, drei Schutzprojekte und ein Anreiseweg über Gqeberha machen aus dem Urlaub eine Rettungsgeschichte.

Wer bei der Zeile „I bless the rains down in Africa“ zuerst ans Autoradio denkt und erst danach an ein Nashorn, ist in guter Gesellschaft. Der Toto-Ohrwurm hat Generationen eine Sehnsucht eingeimpft, die selten hält, was sie verspricht: staubige Pisten, ein Fernglas, das ständig verrutscht, und ein Guide, der die Elefantenherde leider erst nach der Kaffeepause findet.
Im Shamwari Private Game Reserve, gut 80 Kilometer nördlich von Port Elizabeth, das inzwischen offiziell Gqeberha heißt, sieht diese Sehnsucht anders aus. Auf 25.000 Hektar malariafreiem Buschland, in dem fünf der neun südafrikanischen Ökosysteme aufeinandertreffen, leben die Big Five in freier Wildbahn. Und ein gutes Stück des Geländes gehört nicht den Gästen, sondern jenen Tieren, die ohne das Reservat längst tot wären.
Zwei Lodges, ein Charakter
Long Lee Manor spielt die Rolle des Herrenhauses: ein historisches Gebäude mit weitem Blick über die Ebene, gemütlichen Sitzecken vor dem Kamin und einem Pool, der groß genug für einen ganzen Nachmittag ohne Pirschfahrt ist. Eagles Crag, eine von insgesamt sechs Unterkünften plus Explorer Camp, wirkt dagegen wie zwischen die Felsen geworfen: Die Suiten schmiegen sich an den Stein, jede mit eigener Terrasse und einem Blick, der jedes Hotelzimmer-Panoramafoto alt aussehen lässt. Zwei unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage, wie sich Luxus in einer Landschaft unterbringen lässt, die eigentlich niemandem gehören sollte.
Long Lee Manor und Eagles Crag: zwei Gesichter des Shamwari Private Game Reserve. © Shamwari Private Game Reserve
Wo Schutz zum Konzept wird
Was das Shamwari Private Game Reserve von der klassischen Safari-Lodge unterscheidet, zeigt sich abseits der Suiten. Im Rhino Haven kümmert sich ein eigens ausgebildetes Anti-Wilderer-Team um Nashörner, die in Südafrika trotz sinkender Wildereizahlen allein 2024 noch immer zu 420 Tieren zum Opfer fielen, gejagt für ihr Horn. Die Born Free Big Cat Sanctuaries geben geretteten Löwen und Leoparden aus Zirkussen, Privatgehegen oder gescheiterten Zuchtstationen ein Zuhause, das ihrem Wesen wenigstens nahekommt. VulPro at Shamwari päppelt bedrohte Geierarten auf, die als vermeintliche Aasfresser wenig Sympathien genießen, für das Ökosystem aber unverzichtbar bleiben. Und das Wildlife Rehabilitation Centre versorgt verletzte, kranke oder verwaiste Wildtiere mit dem einzigen Ziel, sie später wieder auszuwildern.
Rhino Haven, Born Free und VulPro: drei Schutzprojekte im Shamwari Private Game Reserve. © Shamwari Private Game Reserve
Anreise ab Gqeberha
Wer hinreisen will, landet meist am Flughafen von Gqeberha, von dort sind es noch rund 80 Kilometer Fahrt ins Reservat. Alternativ verbindet der neue Shamwari Air Shuttle das Gelände in rund eineinhalb Stunden direkt mit Kapstadt oder Johannesburg, ganz ohne Umsteigen auf dem Landweg. Buchbar ist das Haus, das zur Rare-Finds-Kollektion von Kerzner International gehört, unter anderem über TUI Österreich, wo es als Fünf-Sterne-Unterkunft mit Vollpension plus geführt wird. Ähnlich exklusiv, nur mit Kamin statt Löwenrudel, präsentiert sich das One&Only am Balkan, über das der WIENER kürzlich unter dem Titel „Klein-Kanada, aber mit Kamin“ berichtet hat. Wer den afrikanischen Vergleich sucht, wird eher bei der Traumdestination Mauritius fündig, dort allerdings ohne Nashörner vor der Terrasse. Mehr zum Reservat selbst gibt es auf der offiziellen Seite von Shamwari.
Der Refrain läuft noch einmal durch den Kopf, nur bringt der Regen diesmal draußen tatsächlich etwas: frisches Gras für ein Nashornkalb, das gerade seine ersten unsicheren Schritte übt. Mehr Africa geht schwer.







