Wie fühlt sich schnell an?
Polestar und Oxford haben zwölf Testfahrende vermessen, um zu klären, was Performance im Kopf auslöst. Die Pilotstudie zeigt: Der stärkere Polestar 4 fühlt sich deutlich besser an, obwohl er kaum schneller ist.

Jeder kennt das. Man sitzt in einem Auto, das auf dem Papier langsam ist, und fühlt sich wie auf der Schnellstraße zum Mond. Und dann gibt es Wagen mit Leistung für drei, in denen man sich trotzdem verloren vorkommt. Der Tacho sagt dazu nichts, der Bauch sagt alles. Genau diesen Bauch haben Forschende des SDG Impact Lab der University of Oxford gemeinsam mit Polestar nun an Elektroden gelegt.
Zwölf Fahrer auf Gotland
Zwölf Testfahrende absolvierten auf der schwedischen Rennstrecke Gotland Ring ruhige und dynamische Runden, in zwei Varianten des Polestar 4: dem Rear Motor mit 200 kW (272 PS) und dem Dual Motor mit Performance-Paket und 400 kW (544 PS). Gemessen wurde alles, was sich messen lässt: Fahrzeugtelemetrie, Herzfrequenz, Eye-Tracking, dazu psychologische Bewertungen und Interviews. In den dynamischen Runden blinzelten die Teilnehmenden seltener, ihre Pupillen weiteten sich, und sie hielten den Blick länger auf einem Punkt. Die Forschenden lesen das als erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration.
Stärker, aber ruhiger
Bei vergleichbar schnellen Runden brachte der Dual Motor eine um 32 Prozent höhere Spitzenbeschleunigung auf die Strecke und verlangte dabei 15 Prozent weniger Lenkaufwand als der Rear Motor, bei nahezu identischen Rundenzeiten. Auch die Querbeschleunigung lag höher. Die Testfahrenden bewerteten Performance und Fahrdynamik der starken Variante mit 89,2 von 100 Punkten, die schwächere kam auf 67,7. Beim Gesamteindruck lag es 93,0 zu 77,9. Die Mehrheit stimmte in beiden Kategorien für den Performance-Polestar.
Die kontrollierte Achterbahn
Spannender als die Zahlen sind die Interviews. Die Testfahrenden sprachen von einem Zusammenspiel aus körperlicher Intensität, Vertrauen ins Fahrzeug, Kontrolle und höchster Konzentration. Mehrere verglichen es unabhängig voneinander mit einer „kontrollierten Achterbahnfahrt“. Ein Teilnehmer sagte: „Das Auto gibt einem das Gefühl, ein besserer Fahrer zu sein, als man tatsächlich ist.“ Max Klapow, Doktorand am Oxford SDG Impact Lab, formuliert es nüchterner: Entscheidend sei, den Fahrenden durch vorhersehbare Reaktionen Sicherheit und Kontrolle zu geben.
Einordnen muss man das trotzdem. Es ist eine Machbarkeitsstudie mit zwölf Teilnehmenden, entstanden in Kooperation mit dem Hersteller, und die Forschenden selbst betonen, dass es für belastbare Aussagen größere Stichproben braucht. Dass der Wagen mit der doppelten Leistung besser abschneidet, überrascht kaum. Bemerkenswert ist eher der geringere Lenkaufwand: Mehr Kraft heißt hier offenbar nicht mehr Arbeit, sondern mehr Ruhe am Lenkrad.
Und in Österreich?
Wer das selbst nachprüfen will, braucht keine Sensorhaube, sondern eine Probefahrt. Polestar hat seinen Österreich-Sitz in Wien und nennt 11 Standorte für Beratung, Probefahrten und Kauf sowie 32 Servicepartner. Wie sich ein Polestar auf langer Strecke anfühlt, hat Motorblock bereits beim Polestar-3-Test in Istrien beschrieben.
Der Tacho misst, wie schnell man ist. Den Rest erledigt der Bauch, und zum ersten Mal gibt es dazu Daten.


