Interview

„Peymann, also na gut …“ – Franz Morak im großen WIENER-Interview

Franz Morak, der ehemalige Schizo-Punk, Burgtheaterstar und Staatssekretär für Kultur und Medien im schwarz-blauen Kabinett von Wolfgang Schüssel, hat eine neue Platte aufgenommen. Im Gespräch mit dem WIENER erinnert er sich an alte Zeiten und blickt aus dem Weltall herunter auf die winzige Erde.

Interview: Manfred Rebhandl / Fotos: Maximilian Lottmann

Herr Morak, wir machen fünf, sechs Seiten über Sie anlässlich der Präsentation Ihrer neuen Platte …
Bin dafür. Dann darf ich gleich anfangen? Begonnen hat die Arbeit an meiner neuen Platte damit, dass ich ein Bild gesehen habe, wie 2013 die Sonde Casini durch die Ringe des Saturn die Erde fotografiert hat, nur mit einem Pfeil markiert erkennbar. Wir sind sehr klein, sehr verwundbar. Und die Angst, die wir mit uns ­herumtragen, die ist grundgelegt. Der zweite Punkt war diese Finanzkrise. Diese große Wichtigkeit der Finanzmärkte hat mich dazu angestachelt, aus diesen beiden Komponenten einen neuen Bibeleinstieg zu machen. Es geht um das Goldene Kalb, das nun eine Kuh ist. Die Platte ist aufgebaut wie ein Theaterstück, zu Beginn hören wir diese Drum’n’Bass-Nummer: Gott hat diese Welt ­begründet auf Geld.

Im Ernst? Sie werden doch nicht etwa an ihn glauben?
In meinem Fall ist es der Fall. Ich habe das Leben eines normalen Österreichers meiner Generation hinter mir, ich war in einem Gymnasium in Graz, wo die Kirche sehr wesentlich war. Wir hatten ­einen Religionslehrer, der hat noch gefragt, welche Farbe der Pfarrer getragen und welches Evangelium er vorgelesen hat.

Was beschäftigt Franz Morak, worüber denkt er nach? Foto: (c) Maximilian Lottmann

Selbst mir hat die Kirche noch Angst gemacht, das muss ja dann bei Ihnen noch viel stärker ge­wesen sein.
Ich glaube, dass die Angst ein ständiger Begleiter eines jeden Menschen ist. Ob zugegeben oder nicht zugegeben.

Für einen Gottgläubigen singen Sie auf Ihrem neuen Album recht ausführlich über die Verwendung von ­Sexspielzeug, Sie haben sich über den Vibratorenmarkt erkundigt. Wie geht’s Ihnen eigentlich?
Mir geht’s eigentlich recht gut. Und wenn ich dieses Projekt ­hinter mir habe, dann wird es mir sehr gut gehen.

Wie lange haben Sie daran ­gearbeitet?
Eigentlich sehr lange. Weil die Leute, denen ich vertraue, der Helnwein

… ein guter Freund …
… seit Menschengedenken. Ich kenne den noch, da hat er sich verbunden am Naschmarkt ins Rinnsal hineingelegt, vorher hat er die Zeitung angerufen, aber kein Mensch ist gekommen. Also, der Helnwein, der Dolezal, der Kolonovits, alle diese Leute haben einen vollen Terminkalender, je ­älter wir werden, desto voller. Ich habe die Plattentexte ja vor drei Jahren schon fertig gehabt. Der Kolonovits hat dann drei ­Monate an der Musik gearbeitet.

Man sagt, Sie seien ein einfacher, weil professioneller Kunde.
(lacht) Na ja, es war insofern spannend, als ich das so lange nicht mehr gemacht habe. Es hat mich erinnert an meine Zeit nach der Politik, als ich selber wieder Auto fahren lernen musste, selber wieder Adressen aufsuchen musste. Ich musste schauen, wie die Parkplatzsituation ist. Ähnlich ist es mir im Studio ergangen, dort habe ich möglicherweise die Geduld des Christian Kolonovits
ein bisschen überstrapaziert …

Aber Sie haben sich nicht absichtlich blöder angestellt, als Sie sind?
(lacht) Nein, nein, das nicht.

„Ich habe bei Schüssel noch nie eine Fastensuppe gegessen, weil ich bei Schüssel überhaupt noch nie gegessen habe.“

Sie mussten nach der Politik wirklich wieder Auto fahren lernen?
Ich verstehe jeden Fußballer, dem alles abgenommen wurde. Und mit 28 steht er dann da und weiß nicht, wie eine Banküberweisung funktioniert …

Und bei Ihnen war dann die Frage: Wohin mit dem ganzen Schotter? Zwei üppigste Pensionen – eine vom Burgtheater, eine von der ­Politik …
(lacht) Nein, das war ja leider vorbei, Politikerpensionen gibt es seit 1994 nicht mehr. Wir haben eine ganz normale Pension. Du zahlst deinen Pensionsbeitrag bei einer privaten Versicherung ein, und wenn du Glück hast, kriegst du ­sogar ein Geld heraus.

Sie vielleicht ein bisserl mehr als ich. Die Angst … Es gibt viele, die sagen, dass wir bewusst unter Stress und Angst gesetzt werden, damit man alles mit uns anstellen kann. Klassische neoliberale Politik, die Sie ja damals mit Kanzler Schüssel als Staatssekretär mitgetragen haben.
Also, wenn einer sagt, bei den ­Sozialsystemen, die wir in Mitteleuropa haben, das ist eine neo­liberale Politik, der weiß nicht, wovon er redet. Wir haben funk­tionierende Systeme …

Da müssen wir mal die ganzen Armen fragen, ob die das auch so sehen. Sie beschrieben damals schon die Gesellschaft als Schlagzeilengesellschaft. Was wäre die Gesellschaft dann heute für eine?
Wir haben das Beispiel Trump, der nur mehr in der Schlagzeile lebt.

Im Burgtheater litt der Schauspielstar unter einer „Verengung der Ästhetik“, die ausgerichtet war auf „das deutsche Feuilleton“. Nun denkt er oft daran, wie klein und verwundbar wir sind. Foto: (c) Maximilian Lottmann

Erinnern Sie sich noch an ein paar Schlagzeilen? Vielleicht über Sie und Peymann?
(seufzt) Peymann, also gut: Das Thema, das wir, das Ensemble, verfolgt haben, konnten wir nie in die Zeitung bringen, wie es wirklich war …

Gab es Fake-News?
Dass es auf der einen Seite ein Problem … also … Es gab ein ­Ensemble von 100 bis 120 Leuten, und es kam ein neues Ensemble dazu, das plötzlich alles Wesent­liche gespielt hat …

Und alle waren Deutsche!
Moment. Das ist ja auch eine Frechheit gewesen damals, weil das Burgtheater immer bestanden hat aus 50 % Deutschen und 50 % Österreichern. Vieles aus der Theaterliteratur lässt sich ja mit Österreichern gar nicht spielen, der ganze Hauptmann zum Beispiel. Aber 50 % waren Österreicher, weil du einen Nestroy ohne Österreicher nicht spielen kannst. Das zu verengen – und das meine ich jetzt mit Schlagzeile – auf Österreich gegen Deutschland, also ich bitte Sie! So war es nicht!

Die Krone war ja eh auf Ihrer Seite. Wenn wir heute reden, dass die Leute sich so unversöhnlich gegenüberstehen – in der Rückschau: Wie passiert es, dass man sich so ineinander verkrampft und verbeißt wie Sie in den Peymann?
(nachdenklich) Schauen Sie, wie die Bayern in Deutschland rezipiert werden: „Tiefste Provinz!“, heißt es über sie. „Lächerlich!“, heißt es über sie. Einen ähnlichen Reflex gibt es wohl mit Deutschland und Österreich.

Minderwertigkeit?
Ösis. Das ist auch eine Realität. Aber so war es nicht gemeint.

Ignaz Kirchner ist gerade ge­storben, ein Peymann-Mann …
Noch einmal: Dass der Voss ein großer Schauspieler war, das ist ja eh klar! Der Ignaz Kirchner – eh klar!

Und der Peymann war auch nicht ganz deppert und hat seine Gaudi mit euch Ösis gehabt.
Peymann ist ein großer Werbemann, keine Frage. Aber noch ­einmal: Es gab eine Verengung der ­Ästhetik, ausgerichtet auf das deutsche Feuilleton. Das war ich bis dahin nicht gewohnt. Die bestimmen den Schauspielmarkt, den Regiemarkt, den Direktionsmarkt. Aber was das Burgtheater leisten konnte, war das Echo auf das, was einmal die österreichisch-ungarische Monarchie war. Es hat diese große Rundschau durch die europäische Theaterszene gegeben, und die wurde durch Peymann verengt auf die deutsche Ästhetik.

„An mich wurde halt alles drangehängt, was die Leute mit Schwarz-Blau verbunden haben.“

So klagt das österreichische Bildungsbürgertum … Sie selbst haben einmal beklagt, dass Sie Ihren Sohn nicht mehr ins Burgtheater schicken können, weil er dort Schiller und Goethe nicht mehr richtig vermittelt bekommt. Nennt man das heute „Elite“? Oder sind das einfach die „Hietzinger Regimenter“ in der ÖVP, die sich ja immer dagegen wehren, dass auch der Burschi aus dem Gemeindebau eine Ahnung vom Schiller und Goethe kriegt, Stichwort: Das Gymnasium muss das ­Gymnasium bleiben.
Na, das ist ja nicht so schlecht. Ich glaube ganz einfach, dass wir verschieden angelegt sind in den Talenten.

Eh. Aber warum soll man mit diesen verschiedenen Talenten nicht die gleichen Chancen haben? Die ÖVP zementiert seit Menschen­gedenken diese von ihr gewünschte Ungleichheit, sonst hätten ja längst alle die gleichen Chancen.
Die Chancen beginnen zu Hause. Ich lerne zum Beispiel gerade Italienisch. Aber ich werde selbst bei großem Erfolg nicht lernen, was ein italienisches Kind einfach von Kindesbeinen an lernt … Kinderlieder, Märchen, alles, was im Grunde Italien ausmacht. Wenn ich in einem Haushalt bin, in dem über Bildung, über Bücher geredet wird, das sind Informationen, die möglicherweise einem türkischen Kind nicht möglich sind. Das heißt, ich habe verschiedene Startmöglichkeiten …

… Und nach dem Start schicken wir sie alle mit sechs in die gleiche Schule, damit dort alle die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben und auch der Üzgür den Schiller und den Goethe kennenlernt. Wie wärs?
Meine Frau unterrichtet in einer Schule im Prater mit 80 % ausländischen Kindern, die größtenteils nicht Deutsch können …

Die verteilen wir auf die Volksschulen in Hietzing, Döbling und Klosterneuburg, dort lernen sie auch ein sehr schönes Deutsch mit den Bürgerstöchterln.
Schauen Sie, noch einmal: Schiller und Goethe sind einfach …

Franz Morak beim Videodreh für sein neues Album „Leben frisst rohes Fleisch“ in der Albertina Passage. Hinter der Bar: Produzent Christian Kolonovits. Foto: (c) Maximilian Lottmann

Was?
Ich meine, es wäre gut, wenn wir ins Theater gehen könnten, und wir erleben das Stück. Und nicht das, was ein Regisseur aus einem Stück macht. Das mit meinem Sohn war eine Replik auf Zadek, der damals den Kaufmann von ­Venedig inszeniert hat, und da hat er die Charaktere von Shylock und dem Kaufmann getauscht. Warum macht er das? Weil er das Stück zum sechsten Mal inszeniert. Aber mein Sohn, der hineingeht, sieht es zum ersten Mal.

Meine Güte. Er hat ja eh den Papa daheim!
Er hat es sogar noch viel besser: Er kann sich den Kortner herunterladen aus dem Internet, und der erklärt ihm das Stück. Es gibt halt etwas, wo wir sagen, es ist eine ­tradierte Kultur, und ein Teil der Leute geht darauf zu, und ein anderer Teil nicht. Aber das muss ja kein Fehler sein. Man kann ja was anderes machen …

Wenn man die Chance hat, sich zu entscheiden! Sie kannten ja Schüssel sehr gut. Sie waren ­sicher mal bei ihm zu Hause und haben Fastensuppe gegessen.
Ich habe bei Schüssel noch nie eine Fastensuppe gegessen, weil ich bei Schüssel überhaupt noch nie gegessen habe.

Na gut, aber Sie waren die ganze Zeit bei ihm im Büro als sein Staatssekretär von 2000 bis 2007.
Das ist auch nicht wahr. Aber wenn Sie meinen …

Dann bin ich ein bisserl ungerecht wie unsere ungerechte Gesellschaft, die ja sehr stark von Leuten wie Schüssel festgeschrieben wurde. Kann man sagen, dass er der unsympathischste Politiker der letzten 40 Jahre war?
Nicht für mich.

Bei der Angelobung damals in der Hofburg: Wie beurteilen Sie als Profi Bundespräsident Klestils Leistung als Schauspieler, ­Stichwort: Pokerface?
(lacht) Ich würde ihn nicht engagieren.

War er ein bisserl angedüdelt?
Das weiß ich nicht.

„Also, wenn einer sagt, bei den Sozialsystemen, die wir in Mitteleuropa haben, das ist eine neoliberale Politik, der weiß nicht, wovon er redet. Wir haben funktionierende Systeme.“

Minister Strasser im Häf’n, Minister Grasser vor Gericht, Minister Krüger hat nach 28 Tagen auf­gehört, die Minister Sickl und Haupt, na gut, lassen wir die zwei. Kann man sagen: Ihr wart ein schöner Haufen?
Dafür ist der Verzetnitsch frei, der Gusenbauer ist frei …

Der Ex-Politiker, der abgleitet ins Feiste, ins Gierige, ins Nehmende …
… Ich nenne nur ein Beispiel: Der seinerseits zurückgetretene Michael Graff mit Doppel-F, der war ein sehr, sehr guter Anwalt, ohne den hat in Österreich, wurscht unter welchem Justizminister, kein Gesetz stattgefunden, das er nicht abgenickt hat. Der ist nach diesem unsäglichen Sager „Wenn er nicht sechs Juden eigenhändig erwürgt hat, ist er für mich unschuldig“, ­zurückgetreten. Am nächsten Tag kam er in seine Kanzlei, die war vollkommen leer. Keine Klienten, nichts. Deswegen ist es für einen Frei­berufler schwer, in die Politik zu gehen, darum gibt es in der ­Politik so viele Beamten.

Der bunte Vogel Busek hat gewusst, welch bunten beamteten Schauspielvogel er sich da ins Boot holt?
Davon gehe ich aus! Und ich habe es auch gerne gemacht!

Vielleicht waren Sie sogar ein ­wenig überambitioniert?
Das Problem hat jeder, der etwas verändern will. An mich wurde halt alles draufgehängt, was die Leute mit Schwarz-Blau verbunden haben. Wir haben dann aber ab einem gewissen Zeitpunkt ­gesagt: Okay, die „anderen“ sind an einem Dialog nicht interessiert, also wir machen unsere Sachen, aus die Maus.

Die Depperten sollen sich schleichen?
Noch einmal: Die waren an einem Dialog nicht interessiert! Beispiel: Nach der dritten Preisverleihung an einen Künstler, Teil meiner Aufgabe, liest der schon wieder ein Dokument vor, in dem er gerade die Welt neu erfindet. Das hörst du dir an, hakst es ab, Nächster. Das war sinnlos.

Geschämt haben Sie sich nie, dass Sie da dabei waren?
Entschuldigung. Wenn Ihnen die Möglichkeit geboten wird, das zu machen, dann sagen Sie nicht Nein! Mir hat weder ein Herr Schüssel noch ein Herr Haider ­jemals dreingeredet.

Herr Haider, heuer auch schon zehn Jahre tot, hat sich um die Kultur verdient gemacht, als er im Kärntner Trachtenjopperl auf einen Balkon stieg und ein ­Kärntner Volkslied trällerte …
Ich habe den Herrn Haider beim Singen nie ertappt, aber wenn ich manchmal in Kärnten bin und es kommt ein Chor und singt Kärntner Lieder …

Dann wird es Ihnen ganz ­„einwändig“?
Das muss man einmal erlebt ­haben!

Auf seinem neuen Album verhandelt Morak den Lärm der Zeit, ihre Gier, ihre Ängste und Einsamkeit. Foto: (c) Maximilian Lottmann

Aus erster Hand können wir jetzt vielleicht endlich erfahren: Wie ist es, durch diesen Tunnel in die Hofburg zu gehen? Gibt es da irgendwelche Versorgungsstationen? Ein Schnapserl alle zehn Meter?
Nein, gar nichts. Das ist ein Tunnel, der sehr wenig genutzt wird.

Ist es wenigstens spooky?
Ich weiß nicht. Ich bin dort zuvor nicht gewesen, ich bin einmal dort gewesen, ich muss es nicht noch einmal erleben.

Leute wie Erhard Busek hätten heute keine Chance mehr in der ÖVP, bei den ganzen Haifisch­kragenträgern?
Kulturpolitik ist etwas, das mit Vordenken zu tun hat, und so gesehen hat der Busek exzellente Arbeit geleistet. Er war für mich immer ein Ansprechpartner. Wir verbringen die Salzburger ­Festspiele zusammen.

Was schaut’s euch an?
Hauptsächlich Musik.

Ihr könnt es euch leisten.
Ich investiere dort immer 2.000 Euro. Das ist im Grund ein ­schöner Urlaub.

Sie wohnen in der Stadt?
Nein, bei einem wunderbaren Wirt in Eugendorf.

Mir gefällt Ihre ehrliche Begeisterung.
Na sicher! Schauen Sie, ich hatte immer eine große Begeisterung fürs Theater, jetzt habe ich eine große Begeisterung für die Oper. Ich war sogar in der Oper in Muskat …

… Muskat ist eine von 84 Städten, die Sie in Ihrem Song „Ratten“ nennen. Sind Ihnen die alle selbst eingefallen oder mussten Sie im Internet nachschauen?
Im Internet.

„Ich bin einmal dort gewesen, ich muss es nicht noch einmal erleben.“ Franz Morak über den Tunnel, durch den die Regierung Schüssel I zu ihrer Angelobung ging.

In einem Text verwenden Sie auch die schöne Formulierung „oversexed and underfucked“. Wie war es als Schauspieler im Burgtheater, waren Sie ein ­Ladies Man in der Kantine?
Sagen wir so: Ich habe mich mit Frauen immer gut verstanden.

Aber Schauspielerinnen ­insgesamt waren nicht Ihr Beuteschema?
Beuteschema als Begriff hasse ich, damit kann ich überhaupt nichts anfangen.

Nicht jeder Schauspieler ist in die ruhigen Bahnen einer Ehe mit einer Lehrerin geraten …
(begeistert) Und das seit meinem 21. Lebensjahr.

Und das glücklich?
(lacht) Ich schon. Und sie ist ­bisher auch immer nach Hause gekommen.

In jenes Haus, über das man im Internet liest, der Architekt ­Roland Rainer sei beim Bauen so unglücklich gewesen, weil Sie ihm dauernd dreingeredet haben.
Also, das ist so ein kompletter Blödsinn! Dieses Gerücht ist ­entstanden bei einer der ersten Donnerstagsdemos, wo die ­Leute mit Schlüsseln in der Hand herumgegangen sind …

Ich war dabei!
Es sei Ihnen unbenommen. Und einer der Journalisten hat den Rainer angerufen und ihn inqui­sitorisch gefragt, ob er denn ­wirklich so wahnsinnig war, dem
Morak ein Haus zu bauen? Und der Rainer, der ein Problem mit seiner Vergangenheit hat, er war ja nach dem Krieg Stadtbaumeister des Roten Wien, hat ein bisschen defensiv geantwortet: Na ja …Aber was wirklich wahr war: Ich habe mir Tisch und Küchenkasten von einem anderen Architekten bauen lassen, weil ich auch was anderes drinhaben wollte …

… als das Gesamtpackage vom Rainer?
In seinem letzten Buch nimmt mein Haus sechs Seiten ein, so unzufrieden kann er also damit nicht gewesen sein.

Zieht’s ein bisserl herein?
(lacht) Es zieht immer herein!

Wenigstens südseitig mit ­Weinbergen vor der Tür?
Südseitig mit einem Wald vor der Tür. Der gehört mir …

Heute investiert man eben in ­einen Wald …
Nein, nein. Meine Frau hat den geerbt. Der Großvater meiner Frau hat dort viel besessen, hat ­alles verklopft, und zwei Hektar blieben übrig. Die haben sich die Kinder aufgeteilt, so kam das zu meiner Frau.

Und jetzt stehen Sie selbst öfter mit der Hacke draußen im Wald und hauen Bäume um?
Na sicher.

Franz Morak

wurde 1946 in Graz geboren. Der viel­seitige Künstler ist Ensemblemitglied am Wiener Burg­theater, wo er sich mit Direktor Claus Peymann legendäre Schar­mützel lieferte, und erlangte einige ­Berühmtheit als „Schizo“-Punk­sänger. Von 2000 bis 2007 war er Staatssekretär für Kunst und Medien im schwarz-blauen ­Kabinett von Kanzler Schüssel. Er ist ­verheiratet und hat einen Sohn.

Die Platte

Auf seinem neuen Album „Leben frisst rohes Fleisch“ verhandelt Franz Morak den Lärm der Zeit, ihre Gier, ihre Ängste und ihre Einsamkeit. Er singt gewohnt scharf und tiefgründig, ebenso sperrig wie eingängig über „das Wägbare als das Ausweglose, die Ausnahme als Zustand, die Dinge als Maß“. Das Album ist Teil der CD-Box „morak/alles“, das sein musikalisches Gesamtwerk umfasst, inklusive seiner Punk-Nummern. Dazu gibt es eine DVD mit seiner legendären Lesung der „Walpurgisnacht“ sowie ein umfangreiches Booklet samt Fotos, Text­passagen und Kommentaren über den Künstler.

Franz Morak – Leben frisst rohes Fleisch, CD 14,99 Euro, LP 19,99 Euro
Franz Morak – morak/alles, Booklet mit Texten u. a. von Rudolf Burger, Gottfried Helnwein, Peter Weibel. CD-Box 49,99 Euro
Alles erschienen auf dem Label Partisan Sternstaub
Mehr Infos: franzmorak.at