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Die Garage wird zur Galerie

Drei Kunstmessen an einem Wochenende: Astoria Artshow, curated by und PARALLEL Vienna bespielen von 9. bis 13. September 2026 gemeinsam die Wiener Kunstszene, vom historischen Garagen-Bau bis zum Otto-Wagner-Areal.

Von Redaktion · 5. August 2026 · 3 Min. Lesezeit
Die historische Astoria Garage in Wien wird im September 2026 zur Astoria Artshow

Zwischen 1923 und heute liegt vor allem eines: Benzingeruch. Die Astoria Garage in Wien-Josefstadt war Europas erste und größte Hochgarage, sechs Stockwerke, eine spiralförmige Rampe, eine gläserne Kuppel über der ehemaligen Tankstelle. Fast hundert Jahre lang parkten hier Autos. Ab 10. September parkt dort etwas anderes: mehr als zehntausend Quadratmeter zeitgenössische Kunst.

Möglich macht das die Astoria Artshow, die erste Ausgabe einer neuen Wiener Kunstmesse. Sie ist auch eine Antwort auf eine Lücke: Nach dem Ende von viennacontemporary und der heurigen Absage der SPARK Art Fair Vienna füllen 35 Wiener Galerien, organisiert als Verein VAU – Vienna Art United, den freien Platz im Kalender gleich selbst. Zeitgleich laufen mit curated by und PARALLEL Vienna zwei etablierte Formate, die sich schon länger als fixer Termin für Wiens Kunstszene eingespielt haben. Macht zusammen: ein Wochenende, drei völlig unterschiedliche Zugänge zu zeitgenössischer Kunst.

Die neue Messe in der Garage

Auf vier Ebenen zeigen bei der Astoria Artshow vom 10. bis 13. September 70 österreichische und internationale Galerien jeweils ein Highlight aus ihrem Programm, in den lichtdurchfluteten Hallen der Garage nach rein ästhetischen Gesichtspunkten platziert. Bezahlt wird nach einem Solidaritätsmodell: Die Teilnahmegebühr richtet sich nach Umsatz und Größe der Galerie, nicht nach der Standfläche. „Es ist augenscheinlich, dass das traditionelle Kunstmesse-Modell an seine Grenzen gestoßen ist und neu gedacht werden muss“, sagt Markus Peichl, Obmann von VAU – Vienna Art United und Chef der Galerie Crone Wien. Die Ambition reicht über den September hinaus: 2027 soll aus der Preview-Edition eine große, internationale Wiener Kunstmesse werden.

Die Astoria Garage in Wien, Europas erste und größte Hochgarage aus dem Jahr 1923

Der Elefant im Kunstzirkus

Schon eine Nummer größer ist PARALLEL Vienna, die von 9. bis 13. September zur mittlerweile 14. Ausgabe lädt. Seit 2013 bespielt sie vier historische Gebäude des Otto-Wagner-Areals mit über 130 Ausstellenden aus neun Ländern, darunter Galerien, freie Projekte und Institutionen sowie die ARTIST STATEMENTS, in deren Rahmen 30 junge Künstler:innen eine eigene Solopräsentation bekommen. Neu 2026: ein Galerien-Cluster mit 17 Ausstellenden im Jugendstiltheater sowie ein eigener Bereich für Editionen und Fotografie. In der ehemaligen Großküche wird es zudem kulinarisch, die Sondershow „PARALLEL KITCHEN“ widmet sich dem Thema Eat Art. „Die PARALLEL ist der Elefant im Wiener Kunstzirkus“, sagt künstlerischer Leiter Stefan Bidner selbstbewusst über sein Format aus Kunstmesse, Pop-up-Museum und Social Hub.

Stefan Bidner, Künstlerischer Leiter der PARALLEL Vienna

Freier Eintritt, großes Thema

Wer lieber ohne Ticket durch Wien zieht, ist bei curated by richtig: Unter dem Leitthema LOVE lädt das von internationalen Kurator:innen bespielte Ausstellungsfestival vom 11. bis 13. September in ausgewählte Galerien quer durch die Stadt, der Eintritt ist frei. „Über die Jahre hat sich curated by durch die Qualität seines Programms und die Besonderheit seines Formats international etabliert“, sagen die Direktorinnen Attilia Fattori Franchini und Christina Linher. Das Programm läuft insgesamt bis 17. Oktober, das Eröffnungswochenende fällt bewusst mit Astoria Artshow und PARALLEL Vienna zusammen.

Attilia Fattori Franchini und Christina Linher, Direktorinnen von curated by

Ob aus der Astoria Artshow 2027 tatsächlich jene große, zentrale Kunstmesse wird, von der Peichl spricht, entscheidet sich frühestens in einem Jahr. Vorerst genügt es, dass zwischen den Reifenspuren auf dem Betonboden der alten Tankstelle wieder etwas parkt, das bleibt.

Wiener Kunstwochenende – die drei Termine
Astoria Artshow: 10.–13. September, Astoria Garage, Trautsongasse 4, 1080 Wien. Eintritt 15 Euro (ermäßigt 10 Euro), Kombiticket mit PARALLEL Vienna 30 Euro
PARALLEL Vienna: 9.–13. September, Otto Wagner Areal, Baumgartnerhöhe 1, 1140 Wien. Eintritt 25 Euro (ermäßigt 20 Euro)
curated by: 11. September bis 17. Oktober (Opening-Wochenende 11.–13.9.), teilnehmende Galerien in ganz Wien. Eintritt frei

Wien hatte mit der viennacontemporary lange eine fixe Kunstmesse im Kalender, ihr Ende hinterließ die Lücke, die jetzt gefüllt wird. Wer schon vorher Lust auf die aktuelle Galerienszene bekommt, findet sie auch bei der laufenden Schau, in der Improper Walls Schwarze Löcher ins Wohnzimmer holt.