Die Galerie atmet durch
In der SUPPAN Galerie Wien hält der Sommer noch einmal inne, bevor der Wiener Kunstherbst reihenweise Termine aufstellt.

Mit der „Summer Selection #2“ schickt das Haus in der Habsburgergasse eine kuratierte Auswahl aus dem eigenen Programm hinaus, von einer lichtdurchlässigen Skulptur Aljoschas bis zu einem kleinformatigen Leinenbild von Julia Brennacher, und kündigt zugleich zwei Solo-Schauen sowie Auftritte bei zwei neuen Kunstmessen im September an.
Mitte August, Mittagshitze, die Habsburgergasse liegt wie ausgestorben zwischen Feinkostladen und Antiquariat. Wer die Galerietür trotzdem aufdrückt, findet drinnen keine Vernissage, kein Sektglas, nur die übliche kühle Stille eines Kunsthandels im ersten Bezirk. Und doch ist gerade jetzt, in der ruhigsten Woche des Jahres, das gesamte Herbstprogramm schon angerichtet: eine Skulptur aus Acrylglas, die im Streiflicht zu schweben scheint, ein Ölbild auf Jute, dessen Farbverlauf wirkt, als hätte ihn jemand mit dem Lineal gezogen, und daneben, fast bescheiden, ein kleines Leinenbild von vierzig mal dreißig Zentimetern. Die Wiener Kunstszene macht gerade Sommerfrische, aber sie packt dabei schon den Koffer für September.
Neun Positionen im Sommer
Die SUPPAN Galerie Wien, 1974 von Martin Suppan gegründet und heute auf rund 400 Quadratmetern zwischen Habsburgergasse 5 und dem Palais Coburg beheimatet, versendet die „Summer Selection #2“ als kuratierten Streifzug durchs eigene Programm. Neun Kunstschaffende sind vertreten: neben Aljoscha, Michael Ornauer und Julia Brennacher auch Linda Berger mit der großformatigen Tuschearbeit „The Garden of Indolence“, Markus Huemer mit einem Öl-und-Marker-Bild mit bewusst sperrigem Titel, dazu Karo Kuchar, Luis Zimmermann, Laura Limbourg und Clemens Wolf. Wer sich für ein Werk interessiert, schreibt der Galerie eine Anfrage, ganz altmodisch direkt, keine Schaltfläche, kein Warenkorb. Noch bis 31. August läuft im Haus außerdem die große Hermann-Nitsch-Schau, die zeigt, dass die Galerie zwischen zeitgenössischer Abstraktion und österreichischer Kunstgeschichte pendelt, ohne dabei aus dem Tritt zu kommen.
Skulpturen, die fast atmen
Aljoscha, in der Ukraine geboren und seit Jahren in Düsseldorf ansässig, baut seine Arbeiten aus pigmentiertem Acrylglas und Silikon, als wären es Organismen, die sich erst noch entwickeln müssen. Bioismus nennt er sein Konzept, eine Art spekulative Biologie in Kunstform: transparente, licht sammelnde Körper, die eher an Zellen oder Sporen erinnern als an klassische Bildhauerei. In der „Summer Selection“ vertreten ist „Neural Dust and Celestial Compassion (01)“ aus 2025, gut anderthalb Meter hoch und mit den organisch verzweigten Formen, die für Aljoscha typisch sind. Erst im Vorjahr bespielte er im Auftrag der Galerie die stillgelegte Schwimmhalle des Wiener Diana-Bads mit einer raumgreifenden Installation in Rosatönen. Ab 29. Oktober bekommt er in der Habsburgergasse seine nächste Einzelschau, bis 26. November.
Kontrolle, Zufall und Farbe
Michael Ornauer, Jahrgang 1979, malt mit einem senkrecht geführten Rakel, Schicht um Schicht, bis Farbverläufe entstehen, die zwischen Absicht und Zufall kaum noch zu trennen sind. Fehler werden nicht übermalt, sondern eingebaut, fast im Sinne des japanischen Kintsugi, wo der Bruch selbst zum Ornament wird. Am Ende dieses Prozesses steht bei ihm oft ein sattes Schwarz, weniger Schlusspunkt als neuer Anfang. Sein in der „Summer Selection“ gezeigtes „untitled (22143)“ von 2022, Öl auf Jute, hängt seit dem 22. September auch in seiner eigenen SUPPAN-Einzelschau „Die leiste Ordnung der Dinge“, die bis 24. Oktober läuft. Julia Brennacher wiederum, 1983 in Innsbruck geboren und an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Herbert Brandl ausgebildet, kuratierte selbst jahrelang am Taxispalais und bringt diese doppelte Perspektive in ihre Malerei ein: rohe Leinwände, in Öl und Acryl geschichtet, die mit dem Vokabular der abstrakten Malerei spielen, ohne es zu wiederholen.
Wiens Kunstherbst startet früh
Dass in der Galerie gerade so viel Ruhe herrscht, hat einen einfachen Grund: Der September wird ohnehin laut genug. Vom 9. bis 13. September bespielt die Astoria Artshow gemeinsam mit PARALLEL Vienna und curated by gleich drei Formate quer durch die Stadt, SUPPAN ist bei beiden großen Messen mit eigenem Stand vertreten, in der historischen Astoria Garage in der Josefstadt ebenso wie im Jugendstiltheater des Otto-Wagner-Areals. Wer also im August durch die stille Habsburgergasse spaziert, sollte sich die Ruhe merken. Sie hält nicht lange.





