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In vollen Zügen: 9 klassische Raucherlokale in Wien

Sarah Wetzlmayr

In Wien kann man das Leben als Raucher (im Vergleich zu vielen anderen europäischen Städten) weiterhin in vollen Zügen genießen. Manche Lokalitäten und Kaffeehäuser haben dieses Privileg schon immer gepachtet.

Wien ist ein Raucherparadies. Wer Raucher ist und schon einmal eine andere europäische Stadt – für einen netten Wochenendtrip zum Beispiel – besucht hat, der wird das in vollen Zügen mitbekommen haben. Auch wenn das alles sehr paradiesisch klingt, wollen wir das natürlich nicht verherrlichen. Aber die Ereignisse 2018 machen klar, dass diese Haltung Methode hat. Wir packen daher die klassischen Raucherlokale der Stadt in eine Liste. Wert auf Vollständigkeit haben wir natürlich keinen gelegt – auf ganz andere Dinge allerdings schon. Aber: Man lese am besten selbst.

_01. Café Malipop. Im Malipop muss man rauchen. Natürlich gibt es kein Gesetz, das das anordnet (obwohl es im Malipop natürlich sehr viele ungeschriebene Gesetze gibt), aber um sich als Teil dieses einzigartigen Malipop-Dunstkreises zu fühlen, führt beinahe kein Weg am blauen Dunst vorbei. Empfohlen wird die Lektüre dieses Artikels, denn der Verhaltenskodex im Malipop ist strenger als der der Tanzschule Elmayer.


Irene S. | YELP

_02. Bendl. Das Bendl ist ein Urgestein der Wiener Kaffeehauskultur und einer der wenigen Orte an denen man das Gefühl hat, die Decke fällt einem deshalb nicht auf den Kopf, weil sie von all den Kulturplakaten aus vielen, vielen Jahrzehnten noch dort oben gehalten wird. Es ist eine Tropfsteinhöhle, in der Ideen, Zeit und Spritzwein-Ausdünstungen von der Decke tropfen und sich gemeinsam mit dem kalten Zigarettenrauch zu einer einzigartigen Beisl-Duftmischung vermengen.

_03. Das Torberg. Hier erwarten euch 45o verschiedene Gin-Sorten, aber gefühlt nur 4,5 Stühle um sich einen solchen auch zu genehmigen. Das Torberg ist klein und beengend, öffnet aber den Geist. Beziehungsweise tut das der Gin hier – den man auf Wunsch mit dem passenden Tonic serviert bekommt. Rein rechnerisch gesehen, kann man hier 31 Jahre lang jeden Tag einen anderen Gin Tonic trinken. Zur Lebensaufgabe sollte man sich das zwar nicht machen, aber faszinierend ist das allemal.

Gabriele W. | Yelp

_04. Café Glaser. Wer etwas gegen rauchende Studenten hat – oder auch nur was gegen Rauch oder gegen Studenten – der sollte das Café Glaser meiden. Alle, bei denen das nicht so ist, oder die möglicherweise beides sogar gern haben, die sollten mal im Glaser vorbeischauen.

_05. Café Stein. Das Stein ist in der Studentenwahrnehmung der große Bruder des Glaser. Hier werden Vormittage zu Nachmittagen und Nachmittage zu Abenden. Und das Vormittagsgewand zum Abendgewand – und dieses im Laufe des Tages rauchiger als das Gewand eines Rauchfangkehrers. Früher mal Szenelokal, ist es heute ziemlich groß in der Wiener Studentenszene.

_06. Café Kafka. In eine der schwarzen Ledercouches versunken lässt es sich hier erstklassig versumpern. Vielleicht, um ein Gedicht zu schreiben, ein gutes Gespräch zu führen oder einfach nur einen Spritzer zu trinken. Der intellektuelle Spirit des Cafés lässt diesen vielleicht sogar den einen oder anderen Geistesblitz entzünden, wenn man es denn zulässt, sich ein wenig kafkaesk zu fühlen.

_07.  Das Zipp. Inmitten von Cafés, die sich dazu verpflichtet fühlen, den Glutenanteil ihrer Produkte auf einer großen Schiefertafel in Prozent anzugeben, huldigt man im Café Zipp einzig und allein der Promillezahl. Und dem Glimmstängel – denn kaum ein anderes Lokal feiert die Zeit bis zu einem langfristig kaum vermeidlichen Rauchverbot so sehr wie das Zipp. Wen der Wunsch treibt, sich wie ein Stück Selchfleisch zu fühlen und dazu ein wenig soliden Rock bei ebenso soliden Getränkepreisen zu genießen, der sollte im Zipp vorbeischauen.

Nina K | Yelp

_08. Café Ritter. Alt-Wienerkaffeehauskultur lässt so manchen Kaffeehausgänger alt aussehen, wenn er sich bei seinem großen Braunen keine anzünden darf. Im Café Ritter ergattert man mit ein wenig Glück auch einen Platz im Raucherbereich und kann dieser Symbiose aus Koffein und Nikotin in Ruhe frönen. Bei einer Tageszeitung zum Beispiel.

_09. Kaffeerestaurant Weidinger. Das Weidinger schaffte den Sprung vom Epizentrum für etwas subtilere Drangler zum Hotspot dieser neuen Wiener Szene, rund um Sargnagel und Voodoo Jürgens. Nach hemmungslosen Shopping-Eskapaden und generellem Lebens-Eskapismus in der gegenüber gelegenen Lugner City empfiehlt sich ein Besuch hier ganz besonders, auch um wieder etwas Ruhe zu finden.