AKUT

Löcher die man lieben muss: Das Café Malipop

Sarah Wetzlmayr

Der Dunstkreis des Café Malipop

Plattenbau

Schmuseverbot und Spaßpolizei. Die Hausordnung im Café Malipop unterliegt Frau Margits strenger Beisl-Politik. Und dennoch geht man immer wieder hin – woher rührt dieser Spelunken-Masochismus?

von Sarah Wetzlmayr


Das Café Malipop liegt am unteren Ende der schluchtartigen Ungargasse. Es ist der Endpunkt – nicht nur dieser Gasse, sondern auch der vieler Abende, denn wer sich einmal in dieser Klang- und Rauchwolke befindet sieht so schnell kein „Exit“-Zeichen mehr. Oder am tatsächlichen Ende, nach dem letzten von fünf Fluchtachterl, sieht man dann vielleicht sogar zwei und weiß dann trotzdem nicht mehr aus oder ein, und bleibt dann einfach auf einem der Lederstühle sitzen und wartet bis sich der Rauch und der Verstand wieder klären.

Das Malipop lebt von einer Person, obwohl es eigentlich von den Menschen lebt, die darin Bier und Wein konsumieren – von der Frau Margit. Sie schmeißt den Laden nun schon seit einigen Jahren alleine und hat auch schon Marco Michael Wanda aus dem Malipop geschmissen. Im Malipop herrscht nämlich eine strengere Hausordnung als im Prückel – und im Gegensatz zum Prückel wird diese dort kommentarlos zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Zu lautes Lachen und Gerede verträgt Frau Margit nicht, genauso wenig wie Füße auf ihren Lederstühlen und -bänken. Ganz aus der Gnade der grauhaarigen Gastgeberin fällt man, wenn man seinen Hauswein umschüttet oder den Aschenbecher nicht, oder nur halb trifft. Außerdem muss Frau Margit wohl einen sechsten Sinn dafür gehabt haben, dass 70 % der Wanda- Songs aus den Worten „Bussi“ oder „Baby“ bestehen werden, als sie den Sänger mit ihrem eiskalten Blick aus dem Lokal beförderte – im Malipop herrscht nämlich Schmuseverbot. Aber im Gegensatz zum Prückel ist das dort einfach in Ordnung.

Wer davor noch nicht geraucht hat, der wird im Malipop vermutlich damit anfangen – einfach nur um sich als Teil dieses Dunstkreises zu fühlen. Ärger und Alltag verrauchen also im Malipop im wahrsten Sinne des Wortes. Das hängt aber auch von der Musik ab, die Frau Margit von Hand selektiert. Für die musikalische Beschallung im Café Malipop zieht sie nämlich jedes Mal eine Schallplatte aus ihrem Schallplattenregal hinter der Bar und spielt diese vom ersten bis zum letzten Song ab, während sie den Standard vom ersten bis zum letzten Wort liest. Ganz oder gar nicht gilt hier: Entweder man unterwirft sich Frau Margits strenger Ordnung, oder man geht besser wieder. Wer hier an Eskalation denkt, sollte besser wieder die Rolltreppe zum Ubahn-Bahnsteig nehmen. Und irgendwie muss man sich, wenn man erstmal dort ist, auch eingestehen, dass Hauswein und Hausordnung manchmal besser zusammenpassen, als man eigentlich denkt.

Foto © Elke Christiansen