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Wiener Autofahrer: Die „besseren Verlierer“

Sarah Wetzlmayr

Wirklich auf der richtigen Spur? Wiener halten sich für die besten Autofahrer. 

47 Prozent der befragten Wiener Fahrzeuglenker halten sich für bessere Autofahrer „als die meisten anderen“. Dabei ziehen sie scheinbar aber ihren eigenen, hausgemachten Kriterienkatalog heran. Das geht jedenfalls aus der Befragung durch das IFES, das Institut für empirische Sozialforschung, hervor. Wiener Lenker und Lenkerinnen, die auf regelmäßiger Basis, Autobahnen und Schnellstraßen benutzen, wurden dabei als Informationsquelle herangezogen.

Die Aussage, jedes zweiten Befragten, durchschnittlich besser zu fahren, als „alle anderen“ – ihr wisst schon, besser als dieses große, mysteriöse Andere, das man jetzt, sowohl postkolonial als auch poststrukturalistisch zu definieren versuchen könnte, was wir aber ganz gewiss nicht tun – spießt sich allerdings ein wenig mit dem Rest der Aussagen, die das wienerische Fahrverhalten betreffen. Bei 130 auf der Autobahn gab jeder Zehnte an, einen Abstand von mindestens 2 Fahrzeuglängen einzuhalten. Wir brauchen unsere Nasen nicht wieder in unsere zerflederten Fahrschulbücher zu stecken, um herauszufinden, dass das zu wenig ist. Das sagt uns normalerweise der Hausverstand. Nicht der, der beim Billa zuhause ist, sondern der, den hoffentlich jeder manchmal – angegurtet natürlich –  am Beifahrersitz mit dabei hat. Davon sollte man jedenfalls ausgehen. Ungefähr 52 Prozent gaben zu, dass sie schneller unterwegs sind, wenn sie spät dran sind oder zu einem dringenden Termin müssen. 62 Prozent steigen in der Regel etwas mehr ins Gas, wenn wenig los ist. Wir kennen das. 86 Prozent aller Befragten nehmen es sich hin und wieder heraus, auch mal rechts zu überholen.


Wenn es darum geht, all diese Verletzungen der StVO, besser zu umfahren, als „alle anderen“, dann stimmt die Aussage der Wiener und Wienerinnen vermutlich. Aber vielleicht sollte man dafür doch etwas andere Beurteilungsmaßstäbe ansetzen …

Foto © Getty Images | German Meyer