Wenn Nitschs Blut zur Farbe wird
Die Galerie Suppan Fine Arts in der Wiener Habsburgergasse zeigt noch bis 31. August 2026 rund zwanzig Werke von Hermann Nitsch aus den Jahren 1984 bis 2021. Zu sehen sind Schüttbilder auf Jute und Leinwand, seltene Terragrafien aus der Levitikus-Serie…

Die Galerie Suppan Fine Arts in der Wiener Habsburgergasse zeigt noch bis 31. August 2026 rund zwanzig Werke von Hermann Nitsch aus den Jahren 1984 bis 2021. Zu sehen sind Schüttbilder auf Jute und Leinwand, seltene Terragrafien aus der Levitikus-Serie und das monumentale „Malhemd auf Schüttbild“ von 1991. Von 27. Juli bis 10. August ist die Galerie nur nach Terminvereinbarung geöffnet, danach gelten wieder die regulären Sommeröffnungszeiten.
Wer die Habsburgergasse entlanggeht, zwischen Feinkostläden und antiquarischen Buchhandlungen, könnte an der Galerie Suppan Fine Arts vorbeispazieren, ohne zu ahnen, was hinter der Tür hängt. Keine große Ankündigung, kein Blut auf dem Gehsteig. Drinnen aber wartet, in aller Stille aufgereiht, ein Ausschnitt aus dem Lebenswerk eines Mannes, der mit genau diesem Blut, mit Ritual und Farbe, österreichische Kunstgeschichte geschrieben hat.
Was zeigt die Hermann-Nitsch-Ausstellung in Wien?
„Werke aus den Jahren 1984–2021″ versammelt knapp 20 Arbeiten des 2022 verstorbenen Mitbegründers des Wiener Aktionismus. Der Bogen reicht von einem frühen Ölbild auf Jute aus den 1980er-Jahren bis zu Unikatgrafiken aus 2021. Herzstück ist das „Malhemd auf Schüttbild“ von 1991, ein 200 mal 300 Zentimeter großes Ölbild, auf das ein tatsächlich getragenes, blut- und farbgetränktes Hemd appliziert ist. Dazu kommen Terragrafien der raren Levitikus-Serie, ein Papierwerk aus Nitschs 20. Malaktion in der Secession von 1987 und mehrere der charakteristischen Schüttbilder, bei denen Farbe nicht gepinselt, sondern über die Leinwand gegossen wird.

Warum arbeitet Nitsch mit Blut als Farbe?
Nitsch begriff Malerei nie als Ergebnis, sondern als Spur einer Handlung. Seine Schüttbilder sind Protokolle jener Malaktionen, mit denen er ab den 1960er-Jahren Aufsehen und Prozesse gleichermaßen provozierte. Blut, Fleisch und Kreuz zitieren christliche Liturgie, aber ohne deren Trost. Es geht um das Sinnliche, Körperliche, das die bürgerliche Kunstbetrachtung so gerne wegblendet. Erst ab den 2000er-Jahren rückte Nitsch verstärkt zu Acryl- und Ölfarben, das Blut trat als Malmittel in den Hintergrund. Genau diese Entwicklung, vom drastischen Frühwerk zur ruhigeren Spätphase, macht die Schau bei Suppan Fine Arts zu einem kompakten Nitsch-Überblick auf recht kleinem Raum.
Wann und wo ist die Ausstellung zu sehen?
Die Schau läuft noch bis 31. August 2026 in der Galerie Suppan Fine Arts, Habsburgergasse 5, im ersten Wiener Gemeindebezirk. Wichtig für den Kalender: Zwischen 27. Juli und 10. August ist ein Besuch nur nach telefonischer Terminvereinbarung möglich, die Galerie nutzt die Wochen für interne Termine. Ab 11. August gelten wieder die gewohnten Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag, 11 bis 18 Uhr, samstags nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei, die gezeigten Werke sind auf Anfrage käuflich.
Für alle, die Nitschs eigene Stimme dazu hören wollen: Im großen WIENER-Interview von 2018 sprach der Künstler selbst ausführlich über Alter, Rausch und sein Werk. Und wer den Sommer ohnehin für Galerienbesuche in Wien nutzt: Auch die Steve-McCurry-Schau zeigte zuletzt, dass die Stadt in der warmen Jahreszeit keineswegs kulturelle Pause macht.
Ausstellungsansichten „Hermann Nitsch – Werke aus den Jahren 1984–2021″ bei Suppan Fine Arts. © Suppan Fine Arts / Manuel Carreon Lopez
Ein Hemd als Grabtuch
Am Ende bleibt vor allem das Malhemd hängen, im doppelten Sinn. Ein Kleidungsstück, das getragen, beschmutzt und dann selbst zum Bild wurde, wie ein Grabtuch, das mehr über den Menschen verrät als jedes Porträt. Wer in der Habsburgergasse die unscheinbare Galerietür öffnet, bekommt genau das: keine Inszenierung, sondern die Spur eines Rituals, das langsam zur Malerei wurde.
Ausstellung: „Hermann Nitsch – Werke aus den Jahren 1984–2021″
Ort: Suppan Fine Arts, Habsburgergasse 5, 1010 Wien
Dauer: bis 31. August 2026 (27.7.–10.8. nur nach Terminvereinbarung)
Öffnungszeiten: Di–Fr 11–18 Uhr, Sa nach telefonischer Vereinbarung (+43 1 535 53 52)
Eintritt: frei
Web: suppanfinearts.com









