Südafrika: Kap der guten Weine

Vom Kap der guten Weine.

Die Republik Südafrika (RSA) ist ein wenig ins Hintertreffen geraten, wenn man die Vinotheksregale und Weinkarten ansieht. Wie ein Ein-Mann-Gallierdorf hält dem Weinland am Kap aber Heinz Kammerer ehern die Treue. Der Wein&Co-Gründer hielt sogar eine eigene Verkostung zu diesem Thema ab. Bei insgesamt 103 Proben blieben wir beim Weißweinglas und wurden mehrfach fündig. Erwähnt sei noch, dass die momentane Schwäche des Rand gegenüber dem Euro auch echte Schnäppchen ermöglicht.

Gleich der erste Vorbote des Weinjahres 2013 (für Geo-Deppen: die Südhalbkugel hat bereits geerntet) gehört in die Kategorie. „First Stell“ ist der Einsteigerwein aus der unkomplizierten Linie des Giganten Stellenrust in der bekannten Anbauregion Stellenbosch. Sortentypische grüne Paprika, Stachelbeere und etwas Cassis machen klar, dass es hier um einen jungen Sauvignon geht. Im Mund erinnert das gute Frucht-Säurespiel an gelbe Paprika und Tomaten (für Köche: Peperonata schmeckt ähnlich), vor allem aber tragen sie den animierenden Wein bis ins Finish. Toller Apéro, der nicht mehr scheinen will, als er ist.

Ebenfalls aus der Stellenbosch-Region stammt ein Preis-Leistungs-Sauvignon von der Thelema-Winery aus dem Jahr 2010. Melone, Gras und Stachelbeere deuten die Sorte im Gegensatz zu vielen „lauten“ Vertretern eher nur an. Am Gaumen hingegen kommt die grüne Aromatik durch, zunächst als eher saftige Kiwi und unreife Melone, ehe im Finish ein Hauch von Basilikum für grüne Würze sorgt. Ganz fein gemacht und ein Blick zurück, warum wir vor einigen Jahren so gerne Sauvignons vom Kap und Neuseeland tranken.


Wo wir bei den Paradesorten in Sachen RSA-Weisswein sind, auch beim Chenin blanc gab es Beachtliches in „Kammerers Kap-Wonderworld“. 40 Jahre alte Reben liefern bei De Morgenzon die Basis für die neun Monate dauernde Barriquelagerung, wobei der Holzeinsatz überaus gekonnt erfolgte. Honigmelone, Zwiebelkonfit und Kiwi im Duft verraten noch nichts von der Komplexität am Gaumen. Hier matchen sich viel Tropenfrucht (Papaya und Maracuja vor allem) mit den runden und reifen Eindrücken Marzipan, Biskuit und Vanilleplunder. Gegen Ende dreht die Reserve aber noch einmal auf und feuert einen säurigen Frischeakzent hinterher, kaum dass man sich an die anschmiegsame Art gewöhnt hätte. Momentan großartig, wer gerne Kalb isst (z. B. mit Morcheln), sollte den Chenin blanc mal dazu testen.

Der persönliche Favorit stammte aber von Abrie Bruwers Winery in der westlichen Provinz Robertson. Von „Springfields“ rarem Chardonnay mit wilder Hefe gibt es nur Halbliter-Flaschen, doch der 2009er spielt alle Stückerln. Ananas, Karamell, Orange und Honigmelone zeugen von der Reife und Saftigkeit bereits in der Nase. Am Gaumen hätte man ihn blind vielleicht für einen Roten Veltliner gehalten. Denn neben rotem Apfel, Maracuja und etwas Marzipan erinnert er auch an die Mandelgebäck-Note der Weißweine vom Wagram („Amarettini“). 13 Monate auf der Feinhefe haben neben diesem Intensivgeschmack auch für eine cremige Note gesorgt, die sich in schöner Länge des „Wild Yeast“ äußert. Trotz Rand-Schwäche kein Schnäppchen, aber eine gute Investition!

Bezugsquelle:

Stellenrust „First Stell“ 2013, EUR 5,99;
Thelema Winery, Sauvignon blanc „Sutherland“ 2010, EUR 9,99;
De Morgenzon, Chenin Blanc Reserve 2011, EUR 19,99;
Springfield Winery, Chardonnay „Wild Yeast“ 2009 , EUR 18,99 – alle bei Wein&Co, www.weinco.at