P.S.Hunter und die Dune Buggies: Desert Action

Letzthin schickten wir unsere US-Korrespondentin P.S.Hunter ins nordische Sylt um den neuen VW Beetle Dune Concept zu testen. Lust und Laune dafür tankte sie bereits in Kalifornien mit weitaus brachialerem Gerät.

Eine riesige Sandkiste

Die Glamis Imerpal Sand Dunes im Süden Kaliforniens liegen direkt an der Grenze zu Arizona und Mexico und sind mit ihren beinahe 65 Kilometern Länge sowie durchschnittlich um die 10 Kilometer Breite das größte Sand Dünen Areal in den Vereinigten Staaten. Ein absoluter Traum also für jeden Outdoor-Fan und ein regelrechtes Mekka für Motoren-Freaks und ihre „Big Guns“. Ein Freizeitvergnügen für die ganze Familie, wobei Daddy meist den größten Spaß dabei hat den Sand in alle Richtungen fliegen zu lassen. Sonnenschein wird sowieso das ganze Jahr über serviert und im Hochsommer lassen Spitzentemperaturen von 50° plus Gemüter und Maschinen ordentlich heiß laufen.

Wer braucht schon eine Straße?

Das Free Riding macht hier seinem Namen alle Ehre, denn im Unterschied zur alpinen Heimat, wo es sowieso mal keine Sanddünen gibt und selbst wenn es welche gäbe, man sie unter keinen Umständen frei befahren dürfte, fährt man hier einfach seinen ganz eigenen Weg. Natürlich birgt das auch einiges an Gefahren und Unfälle sind sowieso vorprogrammiert, aber das macht ja auch ein wenig den Nervenkitzel aus. If you want blood…

Die brachialen Sandwalzen haben ihren Preis

In den letzten Jahren haben sich in den Staaten einige Anbieter, oft kleine Familienunternehmen, die eine Faszination fürs Schrauben und Basteln haben, am Dune Buggie Markt platziert. Eines haben die Buggies alle gemeinsam, fette Motoren und ordentlich Schub, der die Sand Tires mit Paddles vorantreibt und dazu bringt, sich  ihren Weg in die Dünenlandschaft hineinzuschaufeln.


Die beiden irren Gefährte, mit denen ich die Landschaft unsicher machen durfte, liefern jedenfalls weit über 600 PS jeweils und sind sogar Einzelanfertigungen. Man sollte denken, eines dieser Spielzeuge wäre genug des Guten, denn unter 100.000 Dollar kommt man in diesem Fall pro Stück nicht davon, aber wenn Geld keine große Rolle spielt, dann ist es meiner Meinung nach in Motoren immer gut investiert. Tja, Money talks.

Und was steckt drinnen?

Der 6.3l 383 GM Stroker Nitrous Oxide Motor des grünen 2011er Extreme Superfly Buggies hat zwar mit 630PS ein paar Pferde weniger als sein grauer großer Bruder, aber er ist im Gegensatz zu ihm auf der Geraden nicht zu bremsen. Unfreiwillige Wheelies sind bei dem Leichtgewicht auch keine Seltenheit und die knackige 4-Gangschaltung liegt so nah nebeneinander, dass die Gänge nur so in der Gegend herum fliegen. Ein Anschluss für den MP3-Player (mit AC/DC drin) machen mein Offroad-Wüstenabenteuer zu einer absolut explosiven T.N.T.-Mischung.

(Highway to) Hell yeah

Beim ersten Ritt im grauen Custom Buggy hätte ich das Sandmonster fast rollenderweise auf’s Dach gelegt, denn Richtungswechsel in letzter Sekunde verträgt er nicht so besonders gut. Diese Aktion wäre aber ordentlich teuer geworden, denn jedes Teil in diesem Gefährt ist speziell dafür angefertigt, das meiste sogar per Hand und selbst der Body  einzigartig und somit nicht ersetzbar. Der LS2 GM Motor bringt mit seinen 6.4l Hubraum beachtliche 750 Pferdchen auf die Sandstraße, dafür muss man die Gänge des sequentiellen 6-Ganggetriebes aber beinahe hineinprügeln. Kein besonders schönes Geräusch, wenn man mich fragt, aber leider nicht zu vermeiden.

Die Nacht ist nicht zum Schlafen da

Für kurze Zeit wird es still in der Wüste und es liegt Lagerfeuer-Atmosphäre in der Luft, die mit herrlichem BBQ Düften gewürzt ist. Have a drink on me, denn selten schmeckte mir ein eiskaltes Bier besser als nach diesem Tag. Aber nur ein Einziges, denn die Promille Grenze ist ein absolutes Muss. Die Ruhe hält nicht lange an, schon starten Adrenalin-Junkees ringsherum wieder ihre Motoren. Obwohl die Buggies mit besonders starken Scheinwerfern ausgestattet sind, kann man sich in der Dunkelheit schnell am schmalen Grad eines Dünengipfels befinden. Dort oben geht es dann meist ordentlich steil bergab und der feine Sand verwandelt sich bei einem Sturz aus dieser Höhe in eine steinharte Landefläche – oder wie AC/DC sagen würden: Hard as a Rock.

Challenge: Accepted!

Inmitten all der Sandmassen wächst eine noch höhere Monsterdüne dem Himmel entgegen – der Competition Hill. Hier geht es nicht wirklich um einen Wettkampf mit anderen Fahrern oder Fahrzeugen, der Kampf gilt allein dem Sandberg und stellt das Material ordentlich in Frage. Am Fuße finden sich die einzelnen Fahrer mit ihren Dune Buggies, Sand Rails, Quads, Off-Road Fahrzeugen und Motorrädern ein. Die amerikanische Autoverrücktheit findet hier definitiv ihren Gipfel.

It’s a long way to the top und bevor ich selbst mit lautem Karacho dem vor mir liegenden Gipfel entgegensteuere, muss ich nochmals tief Luft holen und mir zwei Dinge in Erinnerung rufen. Warum genau ich das jetzt nochmal mache und noch viel wichtiger, dass ich auf keinen Fall meinen Fuß vom Gas nehmen darf, ansonsten rumple ich den ganzen Weg im Waschmaschinen-Schleudergangnach wieder unten. Daher zählt am Competetion Hill nur Eines: Put the pedal to the metal!

Apropos Schleudergang

Vor einer Sache sollte bei all der Euphorie jedoch gewarnt sein: Vor dem vielen Sand. Und damit meine ich den Sand, den man unfreiwillig mit nach Hause nimmt. Überall findet man das lästige Zeug, vor allem an Plätzen, wo man nun wirklich keinen Sand haben möchte. Jedes einzelne Teil wandert in die Waschmaschine, selbst wenn es nicht einmal die Reisetasche verlassen hat. Nach der ersten langen Dusche fühlt man sich jedoch wie neu geboren und weiß genau, dass das nicht das letzte Dune Adventure war.

Ride on. P.S.Hunter