Film & Serie

Underwood for President

Sarah Wetzlmayr

Pflicht, Wahl, oder Wahrheit…

WHITE HOUSE (OF CARDS)

Flucht in Serienwelten ist ein sehr bekanntes Motiv von zumindest Teilzeit-Realitätsverweigerern. Ob es auch ein gutes Wahlmotiv ist wird sich zeigen. Pünktlich vor Beginn der neuen Staffel schickt Netflix nämlich Frank Underwood ins Rennen um das weiße Haus. 

von Sarah Wetzlmayr

Mit dem Wahlkampf für die US-Präsidentschaft ist etwas seltsames passiert: die Grenze zwischen Realität und Filmwelt ist so durchlässig geworden wie eine rosa Zuckerwatte vom Jahrmarkt (der ja in gewissen Zügen dem Wahlkampf auch sehr ähnelt – selten wird so viel Kurioses ausgestellt und auch noch lautstark beworben). Dabei war bislang noch nicht einmal ein Schauspieler mit im Rennen, aber Donald Trump eben, das etwas angsteinflößendere Pendant zu unserem Mörtel Lugner.


Die Stufe Ronald Reagan und Arnie Schwarzenegger wurde jetzt aber übersprungen um gleich zu noch mehr Verwirrung der Seinsebenen aufzubrechen: Netflix schickt nämlich einen ganz und gar fiktionalen Charakter in den Wahlkampf, einen aus dem Netflix-Universum eben. Politstar Frank Underwood, verkörpert von Kevin Spacey, aus der US-Erfolgsserie „House of Cards“ ist mal kurz aus der fiktionalen Serienwelt in die nicht weniger absurde Realität herübergewechselt. Die in der wir alle leben – ich, du und leider auch dieser Donald Trump. Was er hier tun soll ist Wahlkämpfen, seine republikanischen Kollegen Ted Cruz und Donald Trump ausstechen und ganz nebenbei die Werbetrommel für die vierte Staffel „House of Cards“ bei Netflix rühren. Aber nur so ganz nebenbei. Spaceys Antwort auf die Frage was passieren würde, wenn Trump bei einer Debatte auf Underwood treffen würde, lässt das Netflix Paralleluniversum plötzlich noch ein wenig realer erscheinen: „Er würde gar nicht hinkommen. Auf dem Weg würde es einen schrecklichen Unfall geben. Schrecklich und sehr traurig.“

Netflix hat bei diesem Coup alles richtig gemacht, die Kampagne in Greenville gestartet, in dessen Nähe auch Underwood aufgewachsen ist. Ein Wahlkampfstand wurde aufgebaut. Eine Kulisse zwar, aber auch das ist nichts neues denn die Kulisse die Trump um sich herum errichten ließ soll zwar nicht seine Fiktionalität aber seine Dummheit verschleiern. Gelingt aber nur mäßig gut. Und schon bildete sich eine Schlange vor dem scheinbaren Portal ins Netflix-Paralleluniversum – die Menschen konnten gar nicht genug „FU“-Sticker und T-Shirts bekommen. Der Wahlkampf ist vielversprechend angelaufen. 

Zur Abrundung der Marketingstrategie wurde auch die Webseite FU2016.com erstellt, die eigentlich nur dazu da ist, den Zuschauern die wohl wichtigste Information zu geben: das Startdatum der neuen Staffel. Auch auf Twitter ist Underdog schon aktiv:https://twitter.com/Frank_Underwood?lang=de. Kein Kanal wird ausgelassen um die Menschen das draußen, in der Primärrealität zu erreichen.