AKUT

Museen des Todes: Grabsteine

Sarah Wetzlmayr

Grabsteine aus der ehemaligen Sowjetunion zeigen Verstorbene von ihrer schokoladigsten Schokoladenseite.

von Sarah Wetzlmayr

„Heite grob ma Tote aus“ singt Voodoo Jürgens in der ersten Single aus seinem Debütalbum. In der Ukraine und umliegenden Gebieten der früheren Sowjetunion braucht man die Toten gar nicht auszugraben um sie leibhaftig (naja, fast) vor sich zu haben, denn hier neigt man dazu, sie besonders prunkvoll auf den Grabsteinen abzubilden – in ihrer besten und typischsten Erscheinung. Dass uns viele der auf den Grabsteinen abgebildeten Menschen wie Mafiabosse vorkommen, mag an den kulturellen Unterschieden liegen – oder einfach tatsächlich so sein. Die Grabsteine feiern das wohl lebendigste Lebensgefühl – den Kitsch – ab und sind vom Prestigeobjekt-Faktor genauso zu reihen wie fette Autos. Auf den meterhohen Granitblöcken wird nicht der Tod, sondern das Leben abgefeiert – mit allem was zur einstigen Lebendigkeit des Verstorbenen beigetragen hat. Die Verstorbenen werden genauso abgebildet wie man sie in Erinnerung behalten möchte und das spricht doch eigentlich sehr für den Kitsch …


 

Die Fotoserie ist als Destination Eternity von Eugenia Maximova exklusiv bei Anzenberger erschienen.
Alle Fotos © Eugenia Maxikova