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Die 23 offiziellen Bezirksuniformen

Die Wiener könnten oft unterschiedlicher kaum sein, je nachdem aus welchem Bezirk sie stammen. Die Hautevolee aus dem 13. würde sich etwa niemals mit den Proletariern in Simmering abgeben. Damit ihr im Zweifelsfalle gleich auf den ersten Blick feststellen könnt, ob das Gegenüber Freund oder Feind ist, haben wir offizielle Bezirksuniformen für ganz Wien gestaltet.

Text: Jakob Stantejsky

01. Innere Stadt
Im Herzen Wiens ist man gesellschaftlich natürlich nur akzeptiert, wenn man im feinsten Zwirn unterwegs ist. Dabei ist es völlig egal, ob man nur einkaufen oder zum Opernball geht. Frack und Mascherl sind daher die offizielle Uniform der inneren Stadt und demonstrieren optimal die Überlegenheit gegenüber den Ringauswärtigen.


02. Leopoldstadt
Im zweiten Wiener Gemeindebezirk haben sich die Hipster in letzter Zeit stark vermehrt. Allerdings liegt auch der wunderschöne Praterstern mit seinem einzigartigen Charme in diesem Bezirk. Als Bezirksbekleidung kommt daher nur eine edle Kombination aus Beaniemütze, Holzfällerhemd und Adidas-Trainingshose in Frage.

03. Landstraße
Der Stadtpark sowie das Wiener Linien-Zentrum in der Erdbergstraße sind die primären Sehenswürdigkeiten des dritten Bezirkes. Die Uniform besteht daher aus einer Umhängetasche, in der sowohl Rauschmittel als auch Fahrkartenentwerter Platz finden, zerknitterten Jeans und einer grauen Wiener Linien-Jacke mit roten Applikationen.

04. Wieden
Hier wimmelt es nur von TU-Studenten, die besonders in der Prüfungszeit wie Untote durch die Straßen ziehen. Außerdem findet sich mit dem Theresianum eine der bekanntesten Privatschulen Wiens im Vierten wieder. Als Uniform empfiehlt sich daher ein Ensemble aus Baggypants, mit viel Stauraum für all die technischen Instrumente, maßgeschneidertem Hemd und Moncler-Jacke.

05. Margareten
Der Matzleinsdorfer Platz und die dreiseitige Umrahmung des Bezirkes durch Ubahn-Linien verpflichten: Einzig die gute alte Jogginghose (idealerweise etwas versifft) kann als Repräsentationsmittel dienen, wobei obenrum aufgrund der Nähe zum Stadtzentrum durchaus noch Wert auf Stil gelegt wird. Hier ist ein normaler Pullover oder Ähnliches ideal.

06. Mariahilf
Wer sich auch nur in die Nähe der MaHü begibt, ohne fesch gekleidet zu sein, hat schon verloren. Der sechste Bezirk besitzt daher eine Uniform mit jugendlichem Flair, wie etwa Skinnyjeans, modisches Printshirt und klassischen Chucks. In Richtung Westbahnhof dürfen dann auch schon leichte Trägerleiberl-Einschläge zu sehen sein.

07. Neubau
Die Hochburg der Hipster. Das und nichts Anderes ist der siebte Bezirk in Wahrheit. Dementsprechend bestehen die Bezirksuniformen aus Hüten, Hornbrillen, Holzfällerhemden, Skinnyjeans und bunten Socken. Wer noch einen Turnbeutel mit sich trägt, rundet das Gesamtbild perfekt ab.

08. Josefstadt
Der achte Bezirk ist gefühlsmäßig jener mit dem höchsten Altersschnitt. Die Einwohner geben sich daher mit Stoffhosen zu erkennen, die bis zum Bauchnabel gezogen sind. Davon abgesehen sind kurzärmlige Hemden oder weiße Blusen die richtige Wahl. Eine Lese-, eine Fern- und eine Mitteldistanzbrille sind außerdem Pflicht.

09. Alsergrund
Hier rennen wohl so viele Studenten herum wie sonst nirgends in Wien. Die einzig mögliche Uniform ist daher ein viel zu großer Pullover, der aus Waschmittelmangel vor drei Monaten das letzte Mal gewaschen wurde, sowie ausgeleierte Jogginghosen und ab spätestens März: Flip Flops.

10. Favoriten
Jeder von euch hat jetzt ein Bild im Kopf. Und es ist immer dasselbe, da hilft kein Leugnen. Aber gut, wir sprechen es aus: Ein gefälschter Adidas-Trainingsanzug mit Streifen an Armen und Beinen zusammen mit knallbunten Sneakers und einer Baseballcap mit einem Schirm von mindestens einem halben Quadratmeter Oberfläche.

11. Simmering
Die Hochburg des klassischen Wiener Proletariats gewandet sich in Blauzeug und zerschlissene Laufschuhe, optionalerweise kann man hier auch oben ohne auftreten. Eine Dose Schwechater in der Hand ist allerdings Pflicht!

12. Meidling
Zwischen den Bezirksuniformen von Simmering, Meidling und den anderen Bezirken von 14 bis 17 können nur wahre Kenner unterscheiden. Die Grundausstattung ist stets dieselbe, einzig die Accessoires variieren. In Meidling muss, statt auf die Dose, auf die Sprache geachtet werden, ein herzhaftes „llllllllllllll“ klärt jeden Zweifel auf.

13. Hietzing
Im 13. Bezirk wohnen nur die Schönsten der Schönsten und die Reichsten der Reichsten. Dementsprechend trägt man hier Markenjeans, maßgeschneiderte Hemden, Burberry-Schals und möglichst teure Sonnenbrillen. Idealerweise lässt man das Preisschild für jeden sichtbar heraushängen.

14. Penzing
Der 14. Bezirk ist zerrissen wie kaum ein anderer. Villen am Stadtrand und Gemeindebau in Richtung Zentrum. Hier sind die Trainingsanzüge daher hochwertige Markenstücke und werden mit Ray Ban-Sonnenbrillen aufgepeppt.

15. Rudolfsheim-Fünfhaus
Der 15. Wiener Hieb besteht zu ca. 90 Prozent aus der Kleingartensiedlung auf der Schmelz, was auch Auswirkungen auf die hiesige Uniform hat: So zeigen Fünfhausener mit Arbeitshosen, Ruderleiberln und erdigen Handschuhen ihre Zugehörigkeit überdeutlich.

16. Ottakring
Uniform: siehe Simmering, nur ist die Schwechater-Dose schleunigst gegen Ottakringer 16er-Blech einzutauschen, sonst wird man innerhalb von Sekunden eindeutig entlarvt.

17. Hernals
Uniform: siehe Simmering, doch hier steht die Wahl des Bieres frei. Außerdem kann in den Gebieten am Stadtrand auch zu Polohemden mit aufgestelltem Kragen gegriffen werden. Denn wer in Wien in einem Einfamilienhaus lebt, muss zeigen, was er hat.

18. Währing
Hier gilt Ähnliches wie in Hernals, jedoch sorgt die Nähe zu Döbling für Ausschläge in die Nobelrichtung. So gehören hier auch schon Jeans in die Garderobe, anstatt ausschließlich Trainingshosen. Entlang der Währinger Straße kann man sich außerdem schon seriös kleiden, ohne schief angeschaut zu werden.

19. Döbling
Der 19. Bezirk wird oft mit dem 13. verglichen…Villen, Reichtum und viel Grün. Doch der Unterschied liegt im Detail: So kleidet man sich in Döbling nach Möglichkeit in traditionellen Gewändern wie Trachtenanzügen und Lederhosen, wobei aber allerhöchste Qualität Pflicht ist.

20. Brigittenau
Durch die Nähe zur Leopoldstadt entwickelt sich auch hier schön langsam ein krudes Hipster-Modebewusstsein. Da sich Selbiges vor Ort jedoch noch in der Anfangsphase befindet, besteht die Uniform aus komplettem Trainingsanzug mit Beaniemütze und/oder Hornbrille.

21. Floridsdorf
Die beiden Bezirke nördlich der Donau gleichen sich weitestgehend bei ihren Bezirksuniformen. So ist in Floridsdorf der Trainingsanzug zwar populär, doch auch die Arbeitshose und das Blauzeug finden ihren Platz in eigenwilligen Kombinationen.

22. Donaustadt
Im Westen des 22. Hiebes gilt durchaus dasselbe wie in Floridsdorf. Doch im Osten liegt eine weitgehend unerforschte Landfläche, über die lediglich Mythen kursieren. Wir vermuten, dass es dort überhaupt keine Kleidung gibt, sondern die eventuell hier wohnhaften Menschen sich als Jäger und Sammler in Felle hüllen.

23. Liesing
Was fällt uns zum 23. Wiener Gemeindebezirk ein? Nicht viel, um ehrlich zu sein. Kaum ein Nichtanrainer findet je seinen Weg in dieses Gebiet und die hier ansässigen tendieren weit auseinander in ihrer Uniformwahl. So gibt es die Jogginghosenfraktion an der Grenze zu Meidling und Favoriten, doch stadtauswärts herrschen ähnliche Verhältnisse wie in Hietzing.