STIL

Stilkunde: Das Hemd

Es ist wohl das männlichste aller ­Kleidungsstücke: Mit einem Hemd ist Mann in jeder Lebenslage korrekt gekleidet.

Text: Alex Pisecker

Woraus entwickelte sich das Hemd?
Das Wort leitet man vom ahd. „Hemedi“ ab, das bedeutet „Haut“. 1.000 v. Chr. war es noch bodenlang, wurde über den Kopf gestülpt und hatte keine Knöpfe. Über die Jahrhunderte verkürzte es sich bis zur Hüfte, Kragen und Manschetten waren ab dem Mittelalter abnehmbar. 1863 erfanden die Gebrüder Hönigsberg aus Wien den halbsteifen Hemdkragen aus Doppelstoff, der am Hemd angenäht wird. 1871 wurde die durchgehende Knopfleiste patentiert, man konnte endlich von vorne ins Hemd schlüpfen.


Was macht ein Hemd aus?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Hemden mit Steh- und dem wesentlich popu­läreren Umlegekragen, der in vielen Facetten auftritt. Die gängigsten Varianten sind der Kent-, Haifisch- und Button-down-Kragen, der in Europa ohne Krawatte getragen wird. Die Knopfleiste (die Knöpfe befinden sich rechts) kommt als glatte, aufgesetzte oder verdeckte Leiste vor. Der Ärmel wird mit einer Manschette abgeschlossen. Die einfache Manschette wird lediglich zugeknöpft, die doppelte durch Manschettenknöpfe zusammengehalten. Brusttaschen sowie die Weite des Hemds unterliegen der jeweiligen Mode.

Aus welchem Material ist ein Hemd? ­
Ursprünglich aus Leinen und Hanf, jedoch seit der industriellen Revolution meist aus Baumwolle gefertigt; heute werden auch Gemische mit Polyamid verwendet. Drei Prozent Elasthan gewährleisten einen perfekten Sitz bei Slim-­Fit-Modellen. Die Klassiker finden wir in Webvarianten wie Oxford, Piqué, Popelin (in feiner Form ­Batist) oder „Fil-à-fil“ mit weißem Kett­faden. Schmal gestreifte Hemden gelten als elegant, breiten Streif trägt man ausschließlich zu legeren Anlässen.

Tom Selleck als ‚Magnum, P.I.‘ (1985) in einem lässigen Hawaiihemd. Foto: (c) Getty Images / Silver Screen Collection / Kontributor

Wie trägt man ein Hemd richtig?
Zum Business-Anzug beschränkt man sich vor allem auf weiße und blaue Hemden, die zwingend in der Hose zu tragen sind. Vorzugsweise ist eine Doppelmanschette zu wählen, die etwa zwei Zentimeter unter dem Sakkoärmel hervorschaut. Die Manschette sollte bis zum ersten Drittel der äußeren Handwurzel reichen. Der Krawattenknopf ist mit der Kragenform abzustimmen, verzichtet man auf die Krawatte, wird nur der erste Knopf des Kragens geöffnet. Zum Tragen von ­Freizeithemden gibt es keine Etikette.

Berühmte Hemdenträger?
Albrecht Dürer machte es vor: Er trägt in seinen Selbst­bildnissen lässige Hemden ohne Kragen. ­Gordon Gekko alias Michael Douglas setzte in den 80ern neue Maßstäbe für gestreifte Hemden mit weißen Krägen. Ebenso wie Tom Selleck als PI Magnum, der uns das Hawaiihemd bescherte.

Experten-Tipp
by Marc Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter bei OLYMP Bezner KG ­Germany

Farblich sorgt im SS 2017 frisches Pastell, mitunter in kräftigen Abstufungen, für die richtige Stimmung. Beispielsweise treffen leichtes Rosé und kräftiges Pink auf Violett, Gelb und ein frisches Blau. Streifendesigns, fein oder als Block, dominieren, durch extrem dichte Webeinstellungen wirken sie hochbrillant. Die Silhouette wird nach wie vor von Slim und Superslim dominiert, am beliebtesten in Baumwoll/Stretch-Mischungen. Neben kompakten Kentkrägen treffen wir in dieser Saison auf den Under-Button-down. Mehr Infos unter olymp.com

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