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Yes We Can: Cate Blanchett & die koreanische Waljagd

Manfred Sax

Cate Blanchett und die Frage: Warum kommt die Jury-Präsidentin von Cannes so atemberaubend jugendlich rüber? Was? Stammzellenkur? Vom Abfall der „Waljagd“ koreanischer Kinder? Geddoudahere!

Text: Manfred Sax

Es war von vornherein klar: Cate kann es in Cannes. Jury-Präsidentin Blanchett strahlte jugendlich und glitzerte starmäßig und repräsentierte respektabel. Sie gab sich gerührt, als sie dem japanischen Regisseur Kore-eda Hirokazu die Goldene Palme überreichte (Film ”Shoplifters“, check diesen TRAILER), sie blieb, seit es alle sind, nun auch beharrlich unwirsch in Sachen Weinstein, der u.a. den Film ”Carol“ (2015), der in Cannes debütiert hatte, mit ihr produziert hatte, du weißt, Cate und Rooney Mara im Bett, also ehrlich, diese Kunst kann nicht oft genug gewürdigt werden.


Wo waren wir? Ach ja, bei Weinstein, also bei #metoo, und beruhigend außerdem, dass „wir nicht zurück zu Ground Zero“ (Blanchett) gehen, obwohl, mittler Weile kommt die Sache gefühlt wie ein Hauch von altem Landleben rüber, wie der letzte Sermon des Priesters beim sonntäglichen Gottesdienst, den man so irgendwie erduldet, um dann quasi priesterlich gesegnet zum Frühschoppen abzuhauen. Den knapp vor die Überreichung der Goldenen Palme angesetzten Sermon-Part übernahm diesmal die Actrice Asia Argenta, die … nun, das weiß jeder. Wenn nicht, check diesen Clip aus Cannes. Bewegend: der Übergang der Grimasse des japanischen Regisseurs von der eines geprügelten Hundes in die eines Siegerlächelns.

Aber zurück zu Ms Blanchett. Warum eigentlich sieht die 48jährige 2fache Oscar-Gewinnerin so verdammt jung aus? Hat sie ein Geheimnis? Ja, hat sie. Das heißt: gehabt, weil, sie hat es ausgeplaudert. Es führt uns nach Korea.

In Korea ist übrigens auch grad Hochfrühling. Da ist es halbwegs verheilt. Wenns jetzt noch weh tut, dann im Kopf. Die „Waljagd“, deren Veteranen sie jetzt sind. „Waljagd“ ist ein zwiespältiges Wort in Korea, es kann auch „Vorhaut“ bedeuten. Wenn ein 10jähriger koreanischer Bub nach der langen Winterpause an die Schule zurückkehrt und nicht sonderlich gut drauf ist, bedeutet das zumeist, dass er auf „Waljagd“ war. Soll heißen, er wurde beschnitten. Am Höhepunkt dieser Marotte, in den 80er Jahren, waren über 90% der koreanischen Männer auf Waljagd, heute sind es laut Informantin unten knapp 75%. Im Übrigen eine relativ junge Praktik, importiert vom US-Militär anno Koreanischer Krieg. Medizinische Gründe; no sexual diseases, please. Aber erklär das mal einem 10jährigen. Aber hey, wo sind wir eigentlich? Ach ja, beim neuen Beauty-Trend aus Hollywood. Cate Blanchett soll mit Freundin Sandra Bullock „auf ein Penisfacial“ gewesen sein. Erzählte sie der Australischen Vogue. Was den Bedarf mächtig ankurbelte, jetzt will plötzlich jede Jungbleibenwollende so ein Penisfacial – was ist das eigentlich, doch nicht etwa das, was wir denken? Aber nein, sondern Injektionen mit ”epidermal growth factor“ (EGF) genannten Stammzellen-Serum. Das aus der Vorhaut koreanischer Kinder kultiviert wird. Hält angeblich jung. Und ist eh irgendwie Recycling, oder? Na dann. Wo ist denn hier der nächste Hashtag?

Foto: Cate Blanchett by Thore Siebrands, Lizenz: CC BY 2.0