Mode

Mode-Barometer: Guten Appetit!

Jakob Stantejsky

Der Fleischfresser
Die Lederwarenindustrie ist ein dreckiges Geschäft. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gerbereien, die nicht mit natürlichen Gerbstoffen (etwa Enzymen aus den Blättern von Olivenbäumen) arbeiten, sondern mit Chemikalien – und man benötigt die Bösen (Chrom- und Aluminiumsalze, Schwefelsäure und viele mehr), um so ein Häutl zu gerben – verursachen nach wie vor enorme Umweltbelastungen. Bei uns in Europa werden hauptsächlich Häute von Rindern, Schweinen und Wild verarbeitet. Ein weiterer Trost ist es vielleicht, dass hier fast der gesamte Anteil der Häute, die zu Bekleidung verarbeitet werden, aus der fleischverarbeitenden Industrie stammen. Heißt also, die Tierchen müssen nicht fürs Lederjackerl ins Gras beißen, sondern fürs Schnitzerl.

Der Veganer
Wer kein Fleisch isst, kann genau genommen auch kein Leder tragen. Als Alternative bietet sich das wunderbare Polyurethan (PU) an. Es entsteht durch eine Polyadditionsreaktion von Polyolen mit Polyisocyanaten, ist also eine Art Kunsstoffschaum und fällt als ein Nebenprodukt in der erdölverarbeitenden Industrie an. Schaut aus wie Leder, greift sich an wie Leder, riecht aber nicht wie Leder. Abgesehen davon verursacht es bei der Erzeugung relativ viel Umweltdreck – na net – und die Sache mit der Entsorgung ist wie bei allen Polyestern nicht gewiss. Aber nachdem es nicht verrottet, sondern nur in Mikropartikel zerfällt, werden wir die „Fake“-Lederjacke mit Sicherheit im Grillhenderl oder sogar im eigenen Blut wiederfinden.

Das vegetarische Burnhäutl
Wurde wahrscheinlich schon erfunden – ohne mein Wissen –, aber ist eh wurscht. In der Textilindustrie gibt es leider diese Kombination nicht. Entweder handelt es sich um natürliche Fasern oder Chemiefasern. Wer glaubt, Viskose und alle ihre Derivate wie etwa Rayon usw. sei eine Naturfaser, ist leider schief gewickelt. Hier handelt es sich um ein Produkt aus Zellulose, das durch chemische Vorgänge zu einer Faser versponnen wird. In Europa nach einem in Oberösterreich entwickelten Verfahren hergestellt, kann man dieses Material als durchaus nachhaltig bezeichnen. Viskose, die aus Fernost kommt wird als ökologisch zweifelhaft eingestuft. Man merkt also, Veganer und Vegetarier haben es schwer in der Modewelt.


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