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Bambus – der schnelle Brüter

Jakob Stantejsky

Steigende Bevölkerungszahlen, die Gier der ersten Welt nach immer noch mehr Kleidung in noch kürzerer Zeit, der Drang der Modeindustrie sich selbst zu überholen – all dies verlangt nach Ressourcen, die sich schnell regenerieren.

Text: Alex Pisecker / Foto: Getty Images

Bambus ist einer dieser Rohstoffe. Er wächst auf allen Erdteilen außer in Europa und der Antarktis. Man zählt etwa 1.500 Bambusarten ­(Unterfamilie der Süßgräser) – am besten gedeiht er in tropischen und subtropischen Gebieten.


Der Bambus hat in Fernostasien überaus große ökologische, ökonomische und auch kulturelle Bedeutung und bildet dort Lebensgrund­lage für ungefähr 1,5 Milliarden Menschen. Das Riesengras ist als Brenn- und Baustoff (seine Zugfestigkeit erreicht den 2,5-fachen Wert von Stahl) und zur Herstellung von Nahrungsmitteln, Papier, Kosmetika, Textilien sowie Waffen verwendbar.

Manche Sorten erlangen innerhalb eines Monats eine Höhe von zehn Metern, der Stamm weist einen Durchmesser von bis zu zehn ­Zentimetern auf. Als besonders erwähnenswert gilt, dass Bambus keiner künstlichen Bewässerung bedarf. Auch der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden ist nicht nötig, da die Pflanze extrem widerstandsfähig ist. Das macht sie gegenüber der Baumwolle ökologisch enorm attraktiv.

Die im Bambus enthaltene Zellulose dient als Basis zur Herstellung von regenerierten Chemiefasern der zweiten Generation, wozu auch die Viskose zählt. Bambus wird zerkleinert und chemisch aufbereitet, bis eine zähflüssige Masse entsteht, die anschließend durch Düsen gepresst wird und als Fäden in einem Fällbad landet. Danach werden die Fäden zu Garnen und Stoffen weiter­verarbeitet.

Bei der chemischen Aufbereitung sind Natronlauge und andere ­Lösungsmittel im Spiel. Transportwege und damit verbundener ökologischer Fußabdruck sind ebenfalls in Betracht zu ziehen. Nach der ­Verarbeitung zur Viskose ist nicht mehr feststellbar, welcher Rohstoff die ursprüngliche Grundlage war.

Die Nachhaltigkeit ist lediglich im Verhalten der Pflanze betreffend Wachstum, Bewässerung und ­Widerstandsfähigkeit gegenüber Schädlingen und Düngung zu ­bemessen.

Wobei man auch erwähnen muss, dass es etliche Unternehmen gibt, die durchaus offen für Innovationen sind und sich mit alternativen Ausgangsmaterialien zur Garnherstellung aus Milch, Schwämmen, Krabbenschalenresten, Tofu- und Maisabfällen oder Ähnlichem ­beschäftigen.