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Porno-Ethik. Bist du ein fairer Wichser?

Du musst deine Wichsvorlage nicht lieben wie dich selbst, aber: Pay for Porn verbessert deinen Pornogenuss. Meint die fulminante Indie-Pornografin Erika Lust im WIENER-Talk über Piraterie im Porno und die Zukunft der Branche.

Interview: Manfred Sax / Fotos: Erika Lust

Zur Lage. Porno-Darsteller haben kein Sicherheitsnetz. Die Regierungen zahlen keine Arbeitslose, die Banken geben keinen Kredit. Ohne Arbeit kein Einkommen. Aber auf den freien Pornoportalen sind millionen illegale Piratenvideos ihrer Arbeiten unterwegs, sie gefährden die Existenz der Darsteller und Produzenten, deren Arbeit auf diese Weise gestohlen wird. Alle in die Industrie verwickelten Leute wissen es, niemand will daran denken oder gar für die Rechte der Darsteller aufzeigen. Eine untragbare Situation, findet Erika Lust, unabhängige schwedische Porno-Produzentin mit Sitz in Barcelona.


Erika Lust: Mit dem Social Distancing stieg der Pornokonsum weltweit dramatisch. Klar, die Leute wollten sich unterhalten, und Selbstbefriedigung ist ein großartiger Zeitvertreib. Aber gleichzeitig verlieren Sex-Darsteller – das Rückgrat unserer Industrie – mangels Arbeit ihr Einkommen. Und Unmengen von Raubkopien ihrer Arbeiten sind auf Portalen wie YouPorn, RedTube und Pornhub gratis konsumierbar. Viele dieser Freeporn-Sites gehören der kontroversiellen Firma Mindgeek.

WIENER: Wie funktioniert das? Die Mindgeek-Macher verweisen doch auf Kontrollsysteme, die Piraterie vehindern sollen …
Das Problem ist, dass der Content schneller raufgeladen wird, als die Studios verlangen können, dass er gelöscht wird. Ob man bei Mindgeek weiß, dass der Content auf ihren Portalen gestohlen ist? Keine Ahnung. Aber es passiert laufend. Meine Filme werden ständig gestohlen und können dort gratis konsumiert werden, ohne Credits, ohne meine Zustimmung, oft mit sexistischen oder rassistischen Titeln. Es braucht Zeit und Geld, um einen Film zu machen. Das enttäuscht mich maßlos.

Was ist der Unterschied zwischen einem Giganten wie Pornhub und Indie-Porno Marke Erika Lust?
Der wesentliche Unterschied zwischen Indie-Porno und Mainstream-Porno ist, dass ich stets meinen Namen und mein Gesicht zeige, und meine Werte mit der Öffentlichkeit teile. Die Menschen wissen, wer den Film macht, und wie er gemacht wird. Für mich ist Porno politisch – die Frauen haben Kontrolle über ihre Körper, die Männer sind nicht nur Schwänze. Und alle Mitarbeiter werden fair bezahlt!

Wie stellt sich also fairer Porno-Konsum für Sie dar?
Während des Lockdowns haben sich die Menschen weltweit dem digitalen Porno-Entertainment zugewandt, das unterstreicht die Wichtigkeit unserer Arbeit für die Gesellschaft umso mehr. Aber die Sexarbeiter – das Rückgrat unserer Industrie! – verlieren ihre Jobs und ihr Einkommen. Auch kriegen sie kein Arbeitslosengeld. Diese Periode der Isolation sollte uns zu denken geben, wie denn die Rückkehr zu einer neuen Normalität aussehen soll. Für mich und mein Team geht es auch darum, wie die Gesellschaft in Zukunft Porno konsumiert. Wir wollen, dass Pay for Porn zum Neuen Normal gehört. Ich habe daher diesen 3-Minuten-Clip produziert, in welchem 24 Sexarbeiter über ihr Leben als Pornoprofis reden, und darüber, wie Social Distancing ihr Leben beeinflusst hat.

WIENER presents: Pay for Porn – the New Normal. By Erika Lust.

Info
Dokumentation Sex & Love in the Time of Quarantine; Teaser: https://bit.ly/2M8re6h
Erika Lust: https://erikalust.com/