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Seidenweich

Seide ist eine feine Endlosfaser (Filament), die aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen wird. Ursprünglich aus China stammend, gilt sie auch heute noch als Luxusprodukt.

Text: Alex Pisecker / Foto: Getty Images

Der Seidenspinner ist ein kleiner Schmetterling, der eine Vielzahl von Eiern legt. Aus diesen schlüpfen Raupen, die sich nach etwa einem Monat in Kokons verpuppen. Sie bestehen aus einem einzelnen durchgehenden Faden von bis zu 3.000 Metern Länge. Nach knapp 20 Tagen würde der Seidenspinner den Kokon durchbeißen und den kostbaren Seidenfaden vernichten. Das gefällt jedoch den Seidenzüchtern nicht besonders, und sie verhindern das, indem sie die Kokons mit heißem Wasserdampf behandeln, der die Tiere tötet. Anschließend werden die Kokons in ein Wasserbad gelegt, um den Seidenleim, der sie zusammenhält, zu lösen. Danach wird der Faden abgewickelt. Die Seide ist das einzige Filament, das in der Natur auftritt.


Durch das Kochen im Wasserbad verliert die Seide ihre vom Leim verursachte gelbliche Ver­färbung, die Fäden werden dünner und glänzender. Es gibt etliche Methoden, um das Material chemisch zu veredeln, durch diese entstehen etwa Chiffon, Brokat, Taft, Plissee oder auch Seidenpulver, das als Zusatzstoff in der Kosmetik verwendet wird. 3.000 Kokons wiegen etwa ein Kilo und ergeben circa 250 Gramm reinen Seidenfaden.

Unter den bekanntesten Seidenarten befinden sich Haspelseide (feinste und glänzendste Seidenart) Bouretteseide, die als minderwertig gilt, da sich durch die Kürze der Fasern immer Kokonreste im Gewebe vorfinden, und Thussa­seide, die eine unregelmäßige Struktur aufweist.

Seide ist vor allem so begehrt, weil sie bei Hitze kühlt und bei ­Kälte wärmt, außerdem ist sie schmutzabweisend, geruchs­unempfindlich, schnelltrocknend und knitterarm.