Der WIENER zum Anziehen
Der WIENER kommt jetzt auch aus dem Kleiderschrank: siebzehn Motive auf T-Shirt und Hoodie, erstmals als eigene Kollektion. Das Shirt kostet 39 Euro, der Hoodie 69, gedruckt wird erst nach der Bestellung – Versand in Österreich gratis.

In der Straßenbahn schaut längst niemand mehr auf. Zwölf Leute, zwölf Displays, alle wischen. Der Daumen fährt nach oben, es kommt etwas nach, er fährt weiter, es kommt wieder etwas nach. Nach zwei Stationen könnte keiner sagen, was dazwischen war. Der Daumen weiß es auch nicht.
Es gibt eine zweite Handbewegung, und die hat wenigstens ein Ende: das Blättern. Daumen unter die Seite, ein kurzer Widerstand des Papiers, dann liegt die nächste Doppelseite da. Man weiß in dem Moment ziemlich genau, wo man ist. Ungefähr in der Mitte, ein Drittel noch vor sich. Ein Heft hat ein Gewicht, und das Gewicht wandert beim Lesen von rechts nach links.
Über die erste dieser beiden Bewegungen steht seit Kurzem ein Satz auf einem T-Shirt: „Wisch woanders.“

Was steht auf den Shirts?
Siebzehn Motive, zwei Familien. Die eine kommt aus dem Archiv, die andere aus der Gegenwart, und die Gegenwart ist deutlich grantiger. „Papier schlägt Push.“ „Kein Push. Kein Ping. Nur Papier.“ „Mein Akku hält 45 Jahre.“ Das sind keine Kalendersprüche, das sind Feststellungen. Ein Heft braucht keinen Ladebalken, es macht keinen Lärm, und es fragt nicht alle vier Minuten, ob man noch da ist.
Am wienerischsten ist „Grant statt Feed“, weil in diese drei Wörter ein ganzes Lebensprogramm passt: lieber schlecht gelaunt und offline als bestens getaktet und dauerbenachrichtigt. Knapp dahinter liegt „Weniger Feed. Mehr Freud.“ Für ein Magazin aus dieser Stadt lag das Wortspiel eigentlich immer schon bereit, es hat nur 45 Jahre auf den Anlass gewartet. Und dann die trockenste Absage der Serie, „Keine News. Keine Angst. Kein Interesse.“, die man vermutlich nicht in jedem Großraumbüro tragen sollte.
Warum steht 1982 auf einem Hoodie?

Weil es dort hingehört. „Der überforderte Mann“ war keine Erfindung der Merch-Abteilung, sondern eine Cover-Zeile aus dem Jahr 1982. „Oh Mode!“ stand 1981 auf dem Titel, zwei Wörter, ein Seufzer, ein ganzes Jahrzehnt. Und „Programm: Wien“ zitiert den schrägen Balken, mit dem der WIENER in den Achtzigern ankündigte, was in der Stadt los war.
Dass ausgerechnet der überforderte Mann heute noch sitzt, sagt mehr über die Welt aus als über das Heft. 1982 war er überfordert von einer Welt mit drei Fernsehprogrammen. Man stelle sich vor, wie es ihm heute ginge. Wer sehen will, wie gut gealtertes Archivmaterial sonst noch funktioniert, findet das im Rätsel um den Reichsbrücken-Einsturz oder bei Kurt Molzer, der sich selbst interviewt.
Was kosten Shirt und Hoodie?
Das T-Shirt liegt bei 39 Euro, gedruckt auf Bella+Canvas 3001 aus gekämmter Ringgarn-Baumwolle. Der Hoodie kostet 69 Euro, ein SOL’S Stellar aus Bio-Baumwolle, unisex geschnitten, in mehreren Farben und Größen. Gedruckt wird erst nach der Bestellung, es liegt also nichts auf Lager, und am Ende der Saison wird nichts vernichtet, was bei Textilien seltener selbstverständlich ist, als es sein sollte. Ein Prinzip, das auch anderswo trägt, wie 130 Jahre Wittmann zeigen: Was langsam entsteht, hält länger. Der Versand innerhalb Österreichs ist kostenfrei.
Alle siebzehn Motive stehen im WIENER-Merch-Shop.
Infobox
Kollektion: WIENER Merch, 17 Motive
Preise: T-Shirt 39 Euro, Hoodie 69 Euro
Material: Bella+Canvas 3001 (Shirt), SOL’S Stellar Bio-Baumwolle (Hoodie), unisex
Produktion: Print-on-Demand, Fertigung erst nach Bestellung
Versand: in Österreich kostenfrei
Web: wienerabo.at/collections/wiener-merch
Bleibt die Frage, was ein bedrucktes Stück Baumwolle gegen einen Algorithmus ausrichten soll. Vermutlich nichts. Es schaltet ihn nicht ab, und es hält auch niemanden davon ab, in der Straßenbahn weiterzuwischen. Aber es steht dem Gegenüber ins Gesicht geschrieben, und irgendwer liest es. Vielleicht jemand, der gerade den Daumen nach oben zieht und eine Sekunde innehält, weil auf dem Shirt gegenüber etwas steht, das ihn meint. Zwei Handbewegungen. Nur eine dreht eine Seite um.

