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Wenn Spanien ins Töpfelhaus einkehrt

Sieben aufstrebende spanische Weingüter geben sich im ältesten Weinhandelshaus Wiens ein Stelldichein. Am 16. und 17. September 2026 öffnet das Töpfelhaus in Wien-Penzing seine Pforten zur Verkostung, der Unkostenbeitrag liegt bei 40 bis 50 Euro.

Von Redaktion · 1. September 2026 · 4 Min. Lesezeit
Spanische Weingüter im Wiener Töpfelhaus: Weingut Otazu in Navarra
Spanische Weingüter im Wiener Töpfelhaus: Weingut Otazu in Navarra
Kunst zwischen den Rebzeilen: das Weingut Otazu in Navarra, eines von sieben spanischen Häusern zu Gast im Töpfelhaus. © Bodega Otazu

Wer die Penzinger Straße entlangschlendert, vermutet hinter der Fassade der Hausnummer 34 eher ein stilles Bürohaus als eine jahrhundertealte Weinhandelsadresse. Die Urkunden sprechen eine andere Sprache: Bereits 1499 wechselte hier, in einer „wehausten halben hofstat Weingartten“, Wein den Besitzer. Die Türken zerstörten das Haus 1683, ein gewisser Pompeius Widernuz baute es mit seiner Frau Catherina wieder auf, und während in Schönbrunn das große Schloss wuchs, bekamen Fassade und Hof des Töpfelhauses ihre barocke Ausstattung. Eigentümer Wolfgang Wainig hat darin heute eine kleine Pop-up-Vinothek eingerichtet und bezieht Weine, Sekte, Champagner und Crémants direkt ab Hof. Am 16. und 17. September macht sich Spanien für ein paar Tage darin häuslich.

Auch das passt ins Bild: Erst deckten zwei Winzer den Tisch in Langenlebarn, jetzt kommen gleich sieben Weingüter aus ganz Spanien nach Wien-Penzing. Die Hauptstadt hat offenbar Lust auf Winzerbesuch.

Kunst statt Kellergeruch

Wer bei spanischem Wein zuerst an staubige Kellergewölbe denkt, sollte sich Otazu ansehen. Das Weingut aus Navarra, offiziell D.O.P. Pago de Otazu und damit eine der wenigen eigenen spanischen Herkunftsbezeichnungen für ein einzelnes Gut, tritt unter dem Motto „Kunst trifft Wein“ an: In den Kellern hängen zeitgenössische Werke neben den Barriquefässern, draußen zwischen den Rebzeilen. Buezo aus der Region Arlanza bei Burgos setzt den Kontrapunkt zur Gegenwartskunst: Hier reifen die Spitzenweine, ehe sie das Haus verlassen, gerne 15 Jahre in der Flasche. Wer nach Wien-Penzing kommt, verkostet damit auch ein Stück spanische Geduld.

Vino de Pago, made in Spanien

Neben Otazu bringt auch Finca Río Negro aus Guadalajara den seltenen Status Vino de Pago mit, die spanische Antwort auf die Idee der geschützten Einzellage. Auf der anderen Seite des Landes, in Katalonien, sitzen Josep Foraster und Clos Montblanc in der D.O. Conca de Barberà. Josep Foraster setzt auf einheimische Rebsorten und Spontanvergärung, verzichtet also auf zugesetzte Hefen und lässt den Wein seinen eigenen Weg finden. Clos Montblanc bringt 300 Jahre Familientradition in dieselbe Denomination und beweist, dass alte Reben und neue Ideen einander nicht ausschließen müssen.

Weinberge des Weinguts Josep Foraster in der Conca de Barberà, Katalonien
Weinberge des Weinguts Josep Foraster in der Conca de Barberà, Katalonien. © Josep Foraster

Ein Ozean aus alten Weingärten

Vi d’Auba kommt von der Baleareninsel Mallorca, aus der Region Pla i Llevant, und setzt auf einen feingliedrigen Ausdruck seiner Weine, die Etiketten sind dabei selbst kleine Kunstwerke. UKAN wiederum stammt aus der Rioja Alavesa, dem baskischen Teil der Rioja, und beschreibt die eigene Arbeit gerne so: Man schöpfe aus einem „Ozean kleiner uralter Weingärten“. Sieben Häuser, sieben Handschriften, ein gemeinsamer Nenner: Sie alle zählen zu den Rising Stars ihrer jeweiligen Herkunft, ohne die Reserva-Tradition zu vergessen.

Wer kommt wann ins Töpfelhaus?

Am Donnerstag, dem 17. September, gehört der Vormittag dem Fachpublikum: Von 11 bis 13 sowie von 13:30 bis 15:30 Uhr präsentieren sich die Weingüter einzeln, inklusive Lunch, dazu läuft von 11 bis 17 Uhr eine Tischpräsentation. Am Abend öffnet das Töpfelhaus dann für alle: Am 16. und 17. September wird jeweils von 17 bis 20 Uhr an den Tischen verkostet, Anmeldung und Unkostenbeitrag vorausgesetzt. Wer zwischen den Terminen noch mehr Wiener Trinkkultur sucht, wird bei der Sip n’ Snack Tour durch Wien fündig.

Termine, Ort, Preis

  • Fachpublikum: Donnerstag, 17. September 2026, 11–13 und 13:30–15:30 Uhr Einzelpräsentationen inkl. Lunch, 11–17 Uhr Tischpräsentation
  • Publikum: 16. und 17. September 2026, jeweils 17–20 Uhr Tischpräsentation
  • Unkostenbeitrag: 40 Euro für einen Tag, 50 Euro für zwei Tage
  • Ort: Töpfelhaus, Penzinger Straße 34, 1140 Wien
  • Anreise: U4 Kennedybrücke, rund 10 Minuten zu Fuß
  • Anmeldung: Sylvia Petz, office@sylvia-petz.at
  • Web: toepfelhaus.at

Fünfhundert Jahre, nachdem hier zum ersten Mal Wein den Besitzer wechselte, tut das Töpfelhaus also wieder das, wofür es gebaut wurde, nur mit spanischem Akzent. Die „wehauste halbe hofstat Weingartten“ von 1499 hätte sich wohl keine bessere Gesellschaft wünschen können.

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