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UHREN

Ein Wiener Walzer für Genf

Eine Tischuhr aus Wien ist für den Grand Prix d’Horlogerie de Genève 2026 nominiert, den wichtigsten Preis der Uhrenbranche. Das Haus Carl Suchy & Söhne tritt mit der „Table Waltz Tourbillon Mirror Edition“ in der Kategorie Mechanical Clock an, gegen fünf weitere Uhrmacher aus aller Welt.

Von Redaktion · 8. September 2026 · 3 Min. Lesezeit
Carl Suchy & Söhne Table Waltz Tourbillon, für den GPHG 2026 nominierte Wiener Tischuhr

Ein mattschwarzer Messingkörper, ein Zifferblatt aus handgeschliffenem Glas, dazu ein Tourbillon, das seine Unruh sichtbar dreht wie ein Tänzer, der nicht aufhören will. So steht sie da, 25 Zentimeter hoch, aus einem einzigen Block Messing gefräst: die Table Waltz. Der Name ist Programm, und wer genau hinsieht, sieht die Bewegung mitschwingen.

Fünf Wochen bevor die Jury in Genf zusammentritt, hat es die Uhr auf eine Liste geschafft, für die sich Manufakturen aus 194 Ländern beworben haben. Von 320 eingereichten Werken blieben 84 übrig.

Was ist der GPHG überhaupt?

Der Grand Prix d’Horlogerie de Genève gilt in der Branche als das, was der Oscar dem Film ist. Eine 24-köpfige Jury, in diesem Jahr erstmals unter dem Vorsitz von Revolution-Gründer Wei Koh, vergibt am 7. November in Genf 19 Preise. Davor tourt die Auswahl der nominierten Uhren als Ausstellung um die Welt: von Mumbai über Bangkok nach Genf und weiter nach London. Ob die Table Waltz Tourbillon Mirror Edition am Ende die Kategorie Mechanical Clock gewinnt, entscheidet sich erst im November. Für ein österreichisches Haus ist allein die Nominierung ungewöhnlich genug.

Wer steckt hinter dem Haus?

Carl Suchy eröffnete sein Uhrengeschäft 1822, wurde später Hofuhrmacher der Habsburgermonarchie und belieferte den Kaiserhof. Nach Jahrzehnten, in denen der Name nur noch in Sammlerkreisen kursierte, wird die Marke seit einigen Jahren aus Wien heraus neu aufgebaut, mit eigener Werkstatt, eigenem Kaliber und dem erklärten Ziel, dort anzuknüpfen, wo Wien einmal war: mitten in der internationalen Uhrmacherei. Entworfen hat die Table Waltz der mehrfach ausgezeichnete Wiener Designer Rainer Mutsch, das Werk stammt von der österreichischen Uhrmacherin Therese Wibmer. Offene, sichtbare Kaliber liegen dabei im Trend: Erst im August zeigte Czapek mit der Promenade Transparencies Aqua Blue, wie ein durchsichtiges Zifferblatt den Blick freigibt, und auch IWC experimentierte zuletzt mit einer ungewöhnlichen Sonderuhr abseits des Klassischen.

Ein Werk mit über 50 Bauteilen

Das Tourbillon der Table Waltz besteht aus mehr als 50 eigens gefertigten Bauteilen, montiert unter einer facettierten Glasscheibe, die in Zusammenarbeit mit der Wiener Traditionsglaserei J. & L. Lobmeyr geschliffen und graviert wurde. Zur vollen Stunde schlägt eine kleine, feuervergoldete Silberglocke, eine Funktion, die sich bei Bedarf abschalten lässt. Die reguläre Tourbillon-Ausführung der Table Waltz kostet beim Hersteller 66.000 Euro und ist auf zehn Stück limitiert; für die eigens für den Concours gefertigte Mirror Edition nennt das Haus noch keinen Preis.

GPHG 2026 auf einen Blick
Kategorie: Mechanical Clock
Nominiert: Carl Suchy & Söhne, „Table Waltz Tourbillon Mirror Edition“
Preisverleihung: 7. November 2026, Genf
Ausstellungstournee: Mumbai (28.9.–1.10.), Bangkok (15.–18.10.), Genf (29.10.–15.11.), London (18.–23.11.)
Web: carlsuchy.com

Ob am 7. November tatsächlich ein Preis nach Wien geht, weiß derzeit niemand, nicht einmal die Jury hat sich festgelegt. Aber der Walzer aus Messing und Glas dreht sich schon jetzt auf einer Bühne, die sonst La Chaux-de-Fonds und Genf für sich behalten.