Ins Museum, jeden Tag
MAK-Direktorin Lilli Hollein erklärt bei SPARK Art Vienna, warum sie am liebsten jeden Tag ins Museum geht. Im Gespräch verrät sie ihre Pläne bis 2031, während Lobmeyr-Chef Johannes Rath und Hotel-Altstadt-Sammlerin Saskia Wiesenthal von ihrer eigenen Beziehung zur Kunst erzählen.

Unter der Kronleuchterinsel im MAK, den Blick auf den Fries von Margaret Macdonald Mackintosh gerichtet: Das ist, sagt Lilli Hollein, ihr liebster Ort im eigenen Haus. Ein Museum, in dem man mit sich selbst oder einer Museumsbegleitung ins Gespräch kommt, wie sie es nennt. Seit 2021 leitet Hollein das Museum für angewandte Kunst am Stubenring, und ihr Gespräch mit der Wiener Kunstmesse SPARK Art Vienna liest sich streckenweise wie ein Bekenntnis: Sie geht, sagt sie, ohnehin jeden Tag hin. Das Glück, das ihr das bereitet, teilt offenbar auch ihre Familie – sie unterstützt jeden weiteren Museumsbesuch klaglos.

Warum ins Museum gehen?
Die Antwort der Direktorin ist unprätentiös: weil es glücklich macht. Für Hollein sind Museen heute mehr als Häuser der Bewahrung – sie seien aktive Player im digitalen Diskurs, Orte, die gesellschaftliche Entwicklungen dokumentieren und einordnen, ohne dabei ihre Relevanz zu verlieren. Das MAK zeigt seine historische Sammlung deshalb nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern im Dialog mit der Gegenwart, während die Designsammlung öfter nach vorne blickt als zurück. Wer als neue Generation von Sammlerinnen und Sammlern einsteigen will, bekommt von Hollein einen pragmatischen Rat: eine Jahresmitgliedschaft holen und im MAK Shop stöbern.
Der Blick bis 2031
Holleins Vertrag als Generaldirektorin des MAK wurde kürzlich bis 2031 verlängert. Einen Schwerpunkt kündigt sie schon jetzt an: Die Biografien von Frauen sollen im Programm weiter an Gewicht gewinnen, neben der ganzen Bandbreite an Themen und Sammlungsbereichen, die das Haus ohnehin ausmachen. Ihre erste Ausstellung als Kuratorin, 2002 zu Memphis Design, prägt sie bis heute: die Kraft einer Designbewegung, die Debatte zwischen Funktion und Ästhetik – all das habe sie fasziniert und tue es noch immer.

Kronleuchter und Kindheit
Auch andere Wiener Institutionen erzählen bei SPARK Art Vienna von ihrer Beziehung zur Kunst. Johannes Rath, in sechster Generation Geschäftsführer von J. & L. Lobmeyr, erinnert sich an Nachmittage als Kindergartenkind im Hof der Werkstatt: auf allen vieren nach Glasperlen und Rosettenresten suchen, die beim Transport alter Kronleuchter zur Restaurierung herunterfielen. Handwerk werde bei Lobmeyr zur Kunst erhoben, sagt Rath – und das anspruchsvollste Projekt seiner Karriere war ein Kronleuchter-Ensemble über mehrere Stockwerke in einem New Yorker Penthouse, montiert an Wandarmen statt frei hängend, damit im Wind nichts ins Schwanken gerät.

Kunst, die mitwohnt
Im Hotel Altstadt Wien, mitten im Spittelberg, ist Kunst seit 35 Jahren kein Beiwerk, sondern Teil der Einrichtung. Saskia Wiesenthal, Tochter des Hotelgründers Otto E. Wiesenthal, kuratiert die Sammlung heute mit: „Man bringt mit einem Kunstwerk auch eine gewisse Energie ins Haus“, sagt sie. Ihr Rat an Sammlerinnen und Sammler ist entsprechend schlicht: Kunst kaufen, mit der man gern lebt. Über die Plattform Kultursoda gibt Wiesenthal jungen, noch galerielosen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne, drei bis fünf Zimmer im historischen Gründerzeithaus werden jedes Jahr neu gestaltet.

Wohin im Kunstherbst?
Wer sich selbst ein Bild machen will, hat in Wien gerade die Wahl: Das MAK zeigt „Thomas Demand. Rooms That Dream of the Past“ bis 24. Jänner 2027, im mumok läuft parallel „Terminal Piece“, in der Kunsthalle Wien die Gruppenschau „Lebt und arbeitet in Wien“ bis 26. Oktober. Dazu kommt das Kunstwochenende rund um Astoria Artshow und Parallel Vienna Anfang September, sowie die Duo-Schau von Clemens Wolf und Michael Ornauer bei SUPPAN – Wien verwandelt sich dieser Tage ohnehin in eine einzige Ausstellungsfläche.
Im März 2027, von 18. bis 21. März, kehrt SPARK Art Vienna selbst in die Marx Halle zurück. Bis dahin bleibt Lilli Hollein bei ihrem simplen Rezept treu: hingehen, jeden Tag, am liebsten unter der Kronleuchterinsel.






