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KULTUR

Schwerkraft, stillgelegt

Ein Fallschirm, der nie mehr fällt, weil er in Harz gegossen ist: Genau das zeigt die Wiener Galerie SUPPAN ab 9. September bei der Kunstmesse Parallel Vienna 2026. Gezeigt werden Clemens Wolf und Michael Ornauer, deren Duo-Schau Malerei und Skulptur zusammenbringt.

Von Redaktion · 2. September 2026 · 2 Min. Lesezeit
Parallel Vienna: Installationsansicht mit Werken von Clemens Wolf und Michael Ornauer bei SUPPAN

Wer die Baumgartnerhöhe kennt, denkt zuerst an die goldene Kuppel der Kirche am Steinhof, an Otto Wagners Jugendstil-Pavillons, an lange, stille Nachmittage im Park. Einmal im Jahr, an einem Septemberwochenende, kommt etwas dazu, das so gar nicht zur Beschaulichkeit des Ortes passt: Parallel Vienna zieht mit hunderten Werken durch die alten Klinikgebäude, und heuer hängt mittendrin ein Fallschirm, der nie mehr geöffnet wird.

Ein Fallschirm, der niemals fällt

Clemens Wolf gießt echte Fallschirme in Epoxidharz auf Stahlrahmen, faltet sie, spannt sie, hält den Moment kurz vor dem Absprung für immer fest. Seine Arbeit „Parachute Painting“ (2026, 78,5 mal 61 Zentimeter) sieht aus wie eine Bewegung, die sich gerade noch entscheiden kann, ob sie überhaupt stattfindet. Bei Parallel Vienna 2026 ist das programmatisch: Wie viel Dynamik lässt sich in ein Material zwingen, das eigentlich zum Fallen gemacht ist?

Clemens Wolf: in Epoxidharz gegossene Fallschirmarbeit bei Parallel Vienna 2026, Installationsansicht SUPPAN
Clemens Wolf gießt Fallschirme in Harz: Bewegung, für immer angehalten. © SUPPAN

Ornauers Farbfelder gegen die Leere

Neben Wolf hängt Michael Ornauer, und der Kontrast ist Programm. Seine großformatigen Acrylgemälde, etwa das 130 mal 100 Zentimeter große „untitled (25153)“ aus 2025, bauen keine Objekte, sondern Räume: mehrschichtige Farbfelder, in denen sich Gestik und Begrenzung die Waage halten. SUPPAN beschreibt das Zusammenspiel der beiden Positionen als Dialog zwischen Oberfläche und Raum, Schwerkraft und Stillstand. Für Wien-Kenner ist das keine Überraschung: Wolf und Ornauer haben schon im Februar gemeinsam in der SUPPAN-Galerie in der Habsburgergasse ausgestellt, unter dem Titel „Entangled Matter“, im April zeigte die Galerie sie bei der Art Brussels.

Michael Ornauer: abstrakte Malerei bei Parallel Vienna 2026, Installationsansicht SUPPAN
Michael Ornauer baut mit Farbe Räume, keine Objekte. © SUPPAN

Wien hat im September noch mehr vor

Parallel Vienna läuft heuer parallel zur neuen Astoria Artshow in der Astoria Garage, zwei Messen an einem Wochenende, ein gemeinsames Publikum. Wer Ornauer danach weiterverfolgen will, muss nicht einmal die Straßenseite wechseln: Ab 23. September zeigt SUPPAN in der Habsburgergasse seine Einzelausstellung „The Quiet Order of Things“, bevor im Herbst der Zyklus mit dem Künstler Aljoscha weitergeht.

Duo-Ausstellung von Clemens Wolf und Michael Ornauer bei SUPPAN, Wien
Malerei und Skulptur im Dialog: die Duo-Schau von Wolf und Ornauer. © SUPPAN

Parallel Vienna 2026: Duo-Ausstellung SUPPAN mit Clemens Wolf und Michael Ornauer, 9. bis 13. September 2026, Otto-Wagner-Areal, Baumgartnerhöhe 1, 1140 Wien. Anschließend: Michael Ornauer, „The Quiet Order of Things“, 23. September bis 24. Oktober 2026, SUPPAN Galerie, Habsburgergasse 5, 1010 Wien.

Der Fallschirm über der Baumgartnerhöhe wird heuer nicht aufgehen. Bei Lichte betrachtet ist das, künstlerisch gesehen, das Beste, was ihm passieren konnte.