Design in fünf Trauerphasen
Die Vienna Design Week feiert ihr 20-jähriges Jubiläum mit einem Symposium, das den Designsektor entlang der fünf Kübler-Ross-Trauerphasen befragt.

Am 26. September 2026 diskutiert dazu ein internationales Line-up bei freiem Eintritt in der Festivalzentrale am Hietzinger Kai, drei Tage später folgt ein Professional Breakfast zu neuen Materialien.
Verleugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz: Elisabeth Kübler-Ross hat mit ihrem Modell der fünf Trauerphasen eigentlich den Umgang mit Sterben und Verlust beschrieben, nicht mit Möbelmessen. Genau dieses Modell leiht sich die Vienna Design Week jetzt aus, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Wer zwanzig Jahre lang Stühle, Lampen und Ausstellungskonzepte kuratiert hat, darf offenbar auch einmal fragen, wozu das Ganze eigentlich noch gut ist, wenn Klimakrise und künstliche Intelligenz die Spielregeln längst neu schreiben.
Fünf Stufen der Selbstbefragung
Unter dem Titel „The Stages of Design Grief“ bringt das Jubiläumssymposium der Vienna Design Week fünf Stimmen aus der internationalen Designszene an einen Tisch: die deutsche Kuratorin und Autorin Amelie Klein, den portugiesischen Kritiker und Kurator Mário Moura, den in den Niederlanden lebenden Designer und Researcher Pete Fung, die in Basel lebende Kritikerin Vera Sacchetti und die deutsche Künstlerin Juli Gudehus. Moderiert wird die Runde von Matylda Krzykowski. Es geht um die gesellschaftliche und kulturelle Position von Design in einer Zeit, in der weder Klima noch Künstliche Intelligenz noch die politische Lage sonderlich viel Anlass zum Optimismus liefern – Selbstbefragung statt Leistungsschau, sozusagen.
Kurzfilme statt Kaffeepausen
Zwischen den Redebeiträgen zeigt das Symposium designutopische Kurzfilme, die Studierende des Regenerative Design Lab im Projekt „Design Revolution Now!“ erarbeitet haben, eingebettet in das Festivalformat Debüt. Das Symposium findet am 26. September 2026 von 13 bis 18 Uhr in der Festivalzentrale am Hietzinger Kai 101 statt, der Eintritt ist frei.
Frühstück mit Porsche-Blick
Drei Tage später wird aus der Theorie Networking: Beim Professional Breakfast „New Materials“ treffen Designerinnen und Designer auf Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Die Vienna Design Week veranstaltet das Format zum zweiten Mal, unterstützt vom Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT). Als Keynote-Speaker spricht Henning Rieseler, Design Director von Studio F. A. Porsche, über Materialinnovation aus der Perspektive eines international tätigen Designstudios. Am „Material Circle“ sitzen unter anderem das Wiener Kreislauf-Sneaker-Label issue9 und Cucina Alchimia, ein Lokal, das gemeinsam mit der FH Technikum Wien und der BOKU zeigt, wie sich invasive Signal- und Marmorkrebse zu Lebensmitteln und Rohstoffen verarbeiten lassen. Dazu gibt es Flash-Mentoring-Sessions und einen Workshop zu EU-Regularien für Ecodesign und Kreislaufwirtschaft. Das Frühstück beginnt am 29. September 2026 um 8.30 Uhr, ebenfalls in der Festivalzentrale, Anmeldung ist notwendig, Eintritt frei.
Termine zum Nachlesen
Die reguläre VIENNA DESIGN WEEK läuft heuer von 25. September bis 4. Oktober 2026, mit Pressetour und Festivaleröffnung bereits am 24. September. Wer sich zusätzlich für das Wiener Herbstprogramm rund um Design und bildende Kunst interessiert, findet etwa mit den drei Stadtarbeit-Interventionen der Vienna Design Week oder mit den Schwarzen Löchern im Wiener Wohnzimmer bei LT.art zwei weitere Anlaufstellen.
Ort: Festivalzentrale, Hietzinger Kai 101, Wien
Jubiläumssymposium „The Stages of Design Grief“: 26. September 2026, 13–18 Uhr, Eintritt frei
Professional Breakfast „New Materials“: 29. September 2026, 8.30–11 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
Festival: 25. September bis 4. Oktober 2026
Web: viennadesignweek.at
Ob der Designsektor am Ende bei der Akzeptanz ankommt oder bei der nächsten Ausgabe wieder von vorne verhandelt, wird sich zeigen. Zum Zwanzigsten reicht erst einmal die Erkenntnis, dass man sich die Frage überhaupt stellt.





