Heimspiel für den Circusdirektor
Fünfzig Jahre nach seiner ersten Vorstellung kehrt Bernhard Paul mit Roncalli an den Wiener Rathausplatz zurück, wo für ihn alles begann.

Bis 11. Oktober steht die Jubiläumstournee zum 50-jährigen Bestehen unter dem blau-weißen Chapiteau zwischen Rathaus und Burgtheater, ehe es weiter nach Innsbruck und Linz geht.
Wien, 1975. Ein junger Grafiker und Art Director sitzt in der Redaktion des Nachrichtenmagazins „profil“ und kündigt seinen gut bezahlten Job. Bernhard Paul hat einen Kindheitstraum, den er jetzt verwirklichen will: einen „Circus zum Hinschauen“, poetisch und theatral, mit blattgoldverzierten Wagen statt Blech und Neonlicht. Schon ein Jahr später, am 18. Mai 1976, steht auf der Bonner Hofgartenwiese die Welturaufführung. „Was Woodstock für die Siebzigerjahre war, könnte Circus Roncalli für unser Jahrzehnt werden“, schreibt später der „stern“.
Die Legende begann in Köln
Den endgültigen Ruhm bringt erst die Kölner Premiere von „Die Reise zum Regenbogen“ am 4. Juni 1980. Bernhard Paul wird als Erneuerer der Circuskunst gefeiert, sein Roncalli als Gesamtinszenierung aus Musik, Licht, Kostüm und Artistik gedacht, nicht als Nummernrevue. Der Circus-Sonderzug, der den Tross heuer über Nacht ins Wiener Güterzentrum Süd brachte, ist die logistische Fußnote zu einer Geschichte, die längst als Kulturexport gilt: Moskau, Sevilla, New York, alle zwei Jahre auch der Rathausplatz. Für Bernhard Paul und sein Roncalli ist Wien dabei nie irgendeine Stationsstadt gewesen – hier fing 1976 alles an, hier steht heuer die Jubiläumsgala.
Lili kehrt in die Manege zurück
Vor ausverkauftem Haus und minutenlangen Standing Ovations feierte Bernhard Paul am 16. September mit Artisten und Familie den Auftakt der Österreich-Tournee. Höhepunkt des Abends: die Rückkehr von Lili Paul-Roncalli in die Manege mit einer neu choreografierten Kontorsionsnummer, einer Hommage an ihren Vater. „Ich freue mich sehr, dass ich diesmal bei der gesamten Österreich-Tournee dabei sein werde. Ich freue mich schon sehr auf Innsbruck und Linz“, sagte sie nach der Vorstellung. Mit Vivian, Adrian und Lili steht längst die nächste Generation der Familie Paul-Roncalli in den Startlöchern – das Jubiläumsjahr wird für sie auch zur Bühne für die eigene Vision der „Traum-Manufaktur“.

Vivian, Lili, Bernhard und Eliana Paul bei der Premierenfeier am Rathausplatz. © Jürgen Hammerschmid
Was kostet der Zauber heuer?
Tickets für die Wien-Termine gibt es ab 39 Euro für Vorstellungen unter der Woche, an Wochenenden liegen die Einstiegspreise bei rund 41 Euro (Stand September 2026, roncalli.de, wien-ticket.at). Verkauft wird an allen bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.roncalli.at sowie über die Ticket-Hotline 01/3 555 666. Die Tourneedaten: Wien, Rathausplatz, bis 11. Oktober 2026; Innsbruck, Freigelände Olympiahalle, 17. Oktober bis 8. November 2026; Linz, Urfahraner Markt, 13. November bis 6. Dezember 2026.
Wohltätigkeit unterm Chapiteau
Zur Premiere lud Familie Paul auch mehr als 500 Klientinnen, Klienten und Ehrenamtliche der Österreichischen Krebshilfe, der Roten Nasen und der Make-A-Wish Foundation. „Es erfüllt mich und meine Familie mit großer Freude, diesen wunderbaren Personen zwei Stunden unbeschwerte Freude und ein wenig Magie schenken zu können“, sagte Bernhard Paul dazu. Zwischen Society-Publikum und Sozialprojekt hat sich das für Roncalli in Wien so eingespielt wie das Blattgold an den Wagen.
Fünfzig Jahre, nachdem ein Grafiker seinen Bürojob hinschmiss, steht derselbe Rathausplatz wieder im Schein der Zeltlichter – nur dass diesmal die nächste Generation mit in der Manege steht.




