Als Mahler klatschte und Wien zischte
Das Nova Orchester Wien spielt am 16. November im Wiener Konzerthaus Mahlers Vierte und Schönbergs Kammersymphonie. Beginn im Mozart-Saal ist um 19:30 Uhr.

Als Schönbergs Kammersymphonie 1907 in Wien uraufgeführt wurde, zischte das Publikum und ein Teil verließ den Saal. Gustav Mahler dagegen stand in seiner Loge und applaudierte weiter, wie sich Alma Mahler später erinnerte. Knapp 120 Jahre später führt das Orchester die Musik beider in jener Stadt zusammen, die sie einst herausforderten.
Zwei Komponisten, ein Verlag
Anlass ist das 125-Jahr-Jubiläum der Universal Edition, die mit dem Konzert und dem Arnold Schönberg Center als Partner an Bord ist. Bereits 1909 nahm der Verlag unter Direktor Emil Hertzka Werke von Mahler und Schönberg ins Programm. Dazu passt das Jahr: Mahlers Vierte wurde 1901 uraufgeführt, Schönberg starb vor 75 Jahren. Ergänzt wird der Abend von Anna Skrylevas Impromptu, einer zeitgenössischen Stimme aus dem Kreis der Universal Edition. Wie Chefdirigent William Garfield Walker ist sie beim Verlag als Komponistin vertreten und zugleich selbst als Dirigentin tätig.

Aufbruch in beide Richtungen
Schönbergs 1906 komponierte Kammersymphonie ist tonal, melodienreich und voller ungestümer Energie, der Klang eines Komponisten auf der Suche nach einer neuen Sprache. Gespielt wird sie in der Fassung für großes Orchester op. 9b. Nach der Pause folgt Mahlers Vierte in G-Dur, seine kammermusikalischste Symphonie, die ohne Posaunen und Tuba auskommt. Im Finale „Das himmlische Leben“ singt die französische Sopranistin Mélissa Petit, die regelmäßig bei den Salzburger Festspielen zu hören ist. Beide Werke sollen nicht als Gegensätze, sondern als zwei Stimmen desselben Aufbruchs erfahrbar werden. Im intimen Mozart-Saal tritt die Transparenz der Partituren besonders deutlich hervor.

Ehrengast Marina Mahler
Als Ehrengast kommt Marina Mahler, Enkelin des Komponisten und Gründerin der Mahler Foundation. Sie verbindet den Abend mit dem Manifest, das Schönberg und andere Komponisten 1920 beim ersten Mahler-Festival in Amsterdam verfassten und das Musiker aufrief, zerbrochene geistige Brücken zwischen den Völkern wieder aufzubauen. „Wie aktuell sind diese Worte in einer Welt in Aufruhr“, sagt Marina Mahler. Das Konzert gehört zur Reihe „small hall. BIG ORCHESTRA.“, die die volle Orchesterbesetzung in einen intimen Rahmen bringt. Als Kulturpartner von UNICEF Österreich widmet das Nova Orchester Wien den Abend zudem dem Weltkindertag am 20. November.
Termin und Karten
Montag, 16. November 2026, 19:30 Uhr, Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses, Lothringerstraße 20, 1030 Wien. Das Ende ist für etwa 21:45 Uhr angesetzt, eine Pause ist eingeplant. Karten gibt es im Konzerthaus, laut Plakat zu 15, 29, 39, 49, 59 und 69 Euro, Telefon +43 1 242 002, online über die Konzerthaus-Seite. Das Nova Orchester Wien vereint Musikerinnen und Musiker aus mehr als 40 Nationen und wurde 2020 gegründet, sein Leitgedanke lautet „Humanity through music“.
Wer 1907 zischte, saß im falschen Saal. Wer klatschte, hatte Mahler neben sich. Am 16. November darf man sich wieder aussuchen, wo man sitzen will.
