KULTUR

WIENER des Monats: Klaus Totzler – Intelligenter Punk mit Sinn fürs Entertainment

Es ist dies eine recht umfassende wie stimmige ­Charakterisierung des 66-jährigen Journalisten, ­Fotografen und Mastermind des Blue Bird Festival, das heuer im November bereits zum 15. Mal im ­Wiener Porgy & Bess über die Bühne geht.

Text: Franz J. Sauer

Die Zugänge zu Klaus Totzler sind mannigfaltig. Er und seine zahlreichen Betätigungsfelder lassen sich nämlich – so wie das bei den meisten kreativen Menschen der Fall ist – schwer in Ordner ab­legen, oder in einer Schublade. Der Autor dieser Zeilen begegnete dem damals 41-Jährigen vor gut 25 Jahren hintem DJ-Pult des U4. Dort legte dieser Musiken auf, die so gar nicht zu seinem punkigen Outfit (das sich bis heute übrigens null verändert hat) passten, zumal beim damals wie heute angesagten Tuesday4Club durchaus jüngere, durchaus musikgeschichtlich weniger gebildete Tanzwütige in Bewegung gesetzt zu werden hatten. Etwas unnachgiebiger, was die geschmackliche Einteilung betrifft, gibt sich ­Totzler da schon bei der Programmierung des Blue Bird Festival im Wiener Porgy & Bess. „Mir muss gefallen, wer dort spielt“, gilt hier als musikalischer Leitfaden. Doch dazu später, wir wollen nichts überstürzen in der Vita des Klaus Totzler.


Klaus Totzler, Mastermind des Blue Bird Festivals, fotografiert in der Festivallocation Porgy & Bess. Foto: (c) Maximilian Lottmann

1973 beginnt die DJ-Karriere des jungen Wieners, der gerade „erfolgreich“ sein Biologiestudium abgebrochen hat. „Sir Winston Club“ und „Steckenpferd“ heißen die längst in Vergessenheit geratenen Lokale, die Totzler damals mit Beat und Soul beschallt, auch zur Frühbesetzung des U4-DJ-Pults gehört er, „sogar als das Lokal noch Copacabana hieß“ war er schon dabei. So verdingt er sich in den legendären Seventies als Reise­leiter und Plattendreher, beginnt ab den 1980er-Jahren zu fotografieren, „hauptsächlich Bands und Musiker, die mich interessiert haben. Von Sonic Youth bis Sisters of Mercy, damals, und viele mehr“. Die entspannte Atmosphäre in den Spielstätten jener Tage führt zu ­regem Direktkontakt mit den ­Musikern, Klaus Totzler lernt, mit Künstlern in ihrer Sprache zu kommunizieren, was sich später auch beruflich rentieren wird.

Viele Bands, österreichische und auch internationale, jede drei Songs, einer davon ein Nick-Drake-­Cover. Schön wäre das …

Den Erstkontakt zum ORF sucht der Jungjournalist, der ab 1980 auch für politische und studentische Magazine zu schreiben beginnt und parallel eine Rhetorikausbildung absolviert, bei Ö3 ab etwa 1984, wird dort aber eher außen vor gehalten. Der Einstieg ins ­elektronische Medium gelingt etwa zehn Jahre später, anders als urprünglich geplant beim Fernsehen. Über Redaktionsstationen bei „X-Large“, „Audimax“ und „Montevideo“ landet Totzler schnell in der Kulturabteilung und wird Ressortleiter für U-Musik. Eine Tätigkeit, der er bis zu seiner kürzlichen Pensionierung mit Lust und Leidenschaft nachging. Zur besseren Verortung: Nahezu immer, wenn sie in ZiB und Konsorten Berichte von Konzerten oder sonstigen musikalischen Ereignissen konsumierten, steckte in den letzten 20 Jahren ­irgendwo Klaus Totzler dahinter.

Good bye, Klaus!

Er war mit den Stars der Musikwelt auf Du und Du: Klaus TotzlerUnser legendärer Musik-Journalist Klaus Totzler geht nach über 20 Jahren Musikberichterstattung in ORF-Ruhestand. Ruhe wird er aber noch lange nicht geben: Das von ihm mitaufgebaute Blue Bird Festival uvm. werden wohl eher den Un-Ruhestand bedeuten. Schaut euch an, was den Musikstars zum Abschied unseres Klaus alles einfällt. Lieber Klaus, Danke für die schöne Zeit mit dir und alles Gute für deine Zukunf! Keep on rockin´!#duwirstunsfehlenklaus

Gepostet von ORF Kultur am Freitag, 3. Februar 2017

Im Jahr 2004 entsteht im totzlerschen Innenstadtgarten – wie immer bei solchen Geschehnissen höchst spontan und quasi aus einer Laune heraus – die Vienna Songwriting Association, kurz: VSA. Beim angeregten Fachsimpeln über Folkmusik und ihre Protagonisten einigt sich das anwesende Quartett („ich, meine Freundin und zwei ­befreundete Musiker“) auf eine gewisse Verehrung des Nick Drake als einflussreichsten Songwriter seiner Zeit und beschließt voller Enthu­siasmus, ein Tribute-Konzert zu veranstalten. Viele Bands, jeder drei Songs, einer davon ein Nick-Drake-Cover. Schön wäre das …

Zumeist versiegen derartige ­Beschlüsse im Kater des nächsten Morgens. „Bei uns spielten schließlich 17 Bands vor ausverkauftem Porgy und vor der Tür stand ein FM4-Übertragungswagen.“ Aus der „einmaligen“ Charity für ­„Warchild“ entstand ein jährliches Festival, dessen Leitung und ­Programmierung Totzler sei 2007 praktisch alleine überhat. „Ab 2008 war das Blue Bird dann ­extrem gut besucht, oft sogar ­ausverkauft“, ein Zustand, der bis heute anhält. Parallel entwickelte die VSA weitere Veranstaltungsschienen, etwa „VSA Special“ im Haus der Musik oder „Michaela singt“, eine Open-Stage-Reihe im B72 (mehr Infos unter songwriting.at). Fad wird dem Neo-Pensionär jedenfalls nicht …

Blue Bird Festival

Termin: 22. bis 24.11.2018 im Porgy & Bess, Riemergasse 11, Wien 1
Info: songwriting.at