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Bartpflege? Nein danke!

Bartpflege? Nein, danke!

Hannes Kropik

Fünfmal! Fünfmal ist mir alleine in der vergangenen Woche ein Bartpflegeprodukt angeboten worden. Wie kommt ihr auf diese irrsinnige Idee?

Ich verstehe ja, dass Menschen irgendwann irgendwo begonnen haben, so lange Tiere abzulecken, bis sie bei einem auf ein Sekret gestoßen sind, das sie high macht. Und dann so: mhm, Coloradokröte, yeah, kickt super! Aber wer hat damit begonnen, sich Cremen oder Lotions in den Bart zu schmieren, damit dieser schön weich wird? Und warum?

Ernsthaft: Was soll das? Die einzig gültigen Gründe, einen Bart zu tragen, nämlich einen richtigen, den Vollbart, sind: Faulheit. Und: Fatalismus! Wenn du irgendwann erkennst, dass Barthaare automatisch weiterwachsen, hörst du halt einfach auf mit dem Rasieren. Es bringt ja doch nix. Und hin und wieder kann man ihn auch stutzen, wenn man nicht komplett verwahrlosen will.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Körperpflege. Im Gegenteil. Gerade als Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel weiß ich nur allzu gut Bescheid über die Nachteile mangelnder Hygiene. Aber beim Bart muss es doch reichen, ihn beim Duschen mitzusäubern. Und schön weich und wohlriechend wird er eh automatisch, wenn man ihn regelmäßig mit Leberknödelsuppe, Bierschaum, Spiegeleidotter, Spaghettisauce oder Krapfenmarmelade einspeichelt.

Nicht böse sein: Wer sich um 25 Euro irgendein an kuriosen Ingredienzen reiches Öl andrehen lässt, das seinem Bart geschmeidigen Glanz verspricht, ist selber Schuld. Und muss sich auch diese Memes gefallen lassen, in denen er gefragt wird, ob er, der Vollbartträger, denn überhaupt einen Baum fällen könne. Sehr lustig übrigens. Die Wahrheit ist: Ja, klar. Und jede glattrasierte Yuppie-Schnauze ist ein erfolgreicher Wallstreet-Banker, der in seiner Freizeit Operationen am offenen Herzen durchführt.

Und wenn wir schon so gemütlich und friedvoll zusammensitzen: Wenn die Natur gewollt hätte, dass menschliches Deckhaar glatt frisiert ist, wären uns mehr als vier Finger und ein Daumen pro Hand gewachsen!

Um zum Schluss eine schöne wienerische Redewendung zu bemühen: Das kannst du dir in die Haare schmieren, dieses Zeug. Nämlich du. Nicht ich.