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Mehr als nur Like

Sarah Wetzlmayr

Falls es euch selbst noch nicht aufgefallen ist…

FACEBOOK GIBT UNS UNSERE GEFÜHLE ZURÜCK

Wer weiß noch was es außer Like und indifferenter Ignoranz noch alles so für Emotionen gibt? Alle die es durch Facebook vergessen haben, können es jetzt gemeinsam mit Facebook wieder lernen. Mut zur Emotion.

von Sarah Wetzlmayr

 

Was für manche wie fünf Gesichter und ein Herz aussieht ist für Facebook eine Mini-Revolution – von nun an kann nämlich nicht mehr nur „geliked“ werden, sondern Facebook gibt ihrer großgezogenen Generation das Gefühlsspektrum zwischen like und indifferenter Ignoranz zurück. Von nun an kann geloved, geyayed, haha-ed, ge-angried, ge-sadded und ge-wowed werden. Somit wird dem jüngsten aller jungen Gerichte, dem „Like-Button“ ein wenig von seiner Übermacht genommen. Es ist fast so als hätte Red Bull sein Rezept verändert oder VW sein Logo umdesigned.


Dsa Wort „liken“ ist längst von der digitalen Facebook-Parallelwelt in unseren ganz normalen Sprachgebrauch übergegangen. Wir messen damit auch Parameter aus die unere Persönlichkeit bestimmen – wie aufregend, cool und mitteilenswert unser Leben tatasächlich ist. Es ist eine Kulturtechnik die uns nicht nur persönlich sondern eine ganze Industrie beeinflusst, im täglichen Bestreben Inhalte zu erstellen die da draußen ebenfalls gemocht werden. Dennoch kennt wohl jeder das beklemmende Gefühl, wenn es sich einfahc nicht ganz richtig anfühlt auf „Like“ zu drücken, wie etwa bei einer Todesnachricht. Dafür gibt es jetzt das weinende Emoji, ganz klar. In jedem Fall ist es ein weiterer Schritt in Richtung eines noch stärker visuell dominierten Sprachgebrauchs.  Nachdem im vergangenen Jahr das Oxford English Dictionary ja bereits das vor Lachen weinende Smiley zum Wort des Jahres gewählt hat, ist diese Entwicklung ja eigentlich ganz logisch nachvollziehbar. Was dieses differenzierte Emotionenspektrum aber bestimmt auch mit sich bringen wird sind Ironie und Schadenfreude, vermutlich auch Hate. Das pure Like lässt einem da nicht ganz so viel Spielraum.

Danke Facebook, dass du uns unser Ausdrucksvermögen und den Zugang zu der stark differenzierten menschlichen Gefühlswelt zurückgegeben hast. Es wird ein wenig dauern bis wir diese abseits vom gewohnten „Like“ wieder erkundet und ausgeforscht haben und wieder in der Lage sind uns dementsprechend auszudrücken.