KULTUR

Plattentipp der Woche: Und aus den Wolken tropft die Zeit

Sarah Wetzlmayr

Deutschrock der ohne Bussis und übertrieben viel Amore auskommt. Die Berliner Band Isolation Berlin stellt ihr Album „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ vor. 

von Sarah WetzlmayrEs gibt Menschen – und davon gar nicht wenige – denen Wanda zu schnulzig und Bilderbuch zu abgefreakt sind, die Seiler und Speer nicht verstehen und die Sportfreunde Stiller schon längst vergessen haben. Für die, und alle anderen selbstverständlich auch, gibt es jetzt ein wenig neuen musikalischen Wind aus dem Norden. Isolation Berlin haben Ende vergangener Woche ihr Debütalbum veröffentlicht und das rotzt ziemlich fröhlich vor sich hin, ohne dabei gegenüber anderen deutschsprachigen Bands abzustinken. Ganz im Gegenteil, vom Musikexpress hochgelobt und direkt aufs Cover befördert sind diese Berliner Jungs das nächste große Ding der deutschsprachigen Musik. So richtig einordnen lassen sie sich nicht, nämlich nicht aufgrund ihres übergroßen Egos, das sie in keine einzige Schachtel passen lässt, sondern eher wegen der großen Formenvielfalt die sich da auf ihrem Album wiederfindet.

Und genau deshalb sollte sich auch jeder irgendwo auf „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ wiederfinden. Irgendwo zwischen lyrisch melancholischer Sehnsucht, geschickt verpackt in poppige Gitarrenarrangements und großem Potential eine Liebeskummer-Kur gut zu unterstützen, wie „Der Garten deiner Seele“, „Schlachtensee“ und „In manchen Nächten“. Auf vielen ihrer anderen Nummern sind sie stark Rio Reiser verpflichtet, schlagen ehere rauere Töne an und ihre Zelte in eher noiserockigen Gefilden auf. Wer bislang gedacht hat, dass es in der deutschsprachigen Musik zwischen Diskurs und Dumpfheit nichts gibt, der sollte sich Isolation Berlin anhören und feststellen, dass da doch etwas ist, eine Band nämlich die an einem verkaterten Sonntag genauso gut funktioniert wie an einem sonnigen Nachmittag oder auf einer Zugreise ins Ungewisse, wo aus den Wolken die Zeit tropft.


Das Album ist am 19. Februar via Staatsakt erschienen. Streamen kann man es zum Beispiel hier.

Foto: Facebook