Essen

Katerknurren

Sarah Wetzlmayr

Wien hat einiges zu bieten. In der Nacht, genauso wie am heiligen Sonntag, wird es allerdings mit der Nahrungsaufnahme etwas schwierig. 

von Sarah Wetzlmayr

Jeder der sich ab und an einmal nach der Stunde Null durch die Straßen Wien und sich dabei möglicherweise auch von einem Beisl zum nächsten bewegt kennt es, das böse Katerknurren, das entsteht wenn sich der bevorstehende Kater am nächsten Tag schon in der gleichen Nacht noch, nicht nur mit Brummschädel, sondern auch knurrend ankündigt. Abdrehen lässt sich das, der Natur dieses Raubtiers gemäß, am besten mit Fressen. Je gehaltvoller, desto besser. Jeder Tropfen Fett ist einer gegen den Platzregen an Hochprozentigem der zuvor noch die Kehle hinunterfloss. Naheliegend – meist ebenso räumlich, wie gedanklich – ist dabei der Würstelstand. Aber weil in diesem Zustand, oft schon so einiges, aber doch nicht alles wurscht ist, braucht man dann doch auch hin und wieder mal etwas anderes als die obligatorische Käsekrainer.

Und damit ist die Katze auch schon aus dem Sack, denn in Wien bewegt an sich mit diesem Gedanken schwankend durch ein eher dürres Gebiet, denn viele Möglichkeiten zur Bändigung des knurrenden Katers gibt es nicht. Nachdem das Café Drechsler keine Nachtschichten mehr einlegt, das nicht weit davon entfernte Salz und Pfeffer in der Joanelligasse seine Küche bereits schließt, bevor der Kater zu knurren beginnt und auch das Café Rundfunk einem Irish Pub weichen musste, bleibt nicht viel.  Und trotzdem gibt es mehr, als die McDonalds Filiale am Schwarzenbergplatz und dem wohl kleinsten Mäci-Drive-Through am Hernalser Gürtel, bei der wohl so gut wie jeder schon mal probiert hat ein Auto imitierend zu Fuß durchzugehen.

_Mozart’s. Früher hieß dieser Laden in Rudolfsheim-Fünfhaus mal „Mozartstube“. Und genauso verstaubt wie der Name klingt, war es dort auch. Nun ist das anders – das Motto lautet – „Eat better all night“, was gleich zwei wichtige Komponenten umfasst: Erstens gibt es hier rund um die Uhr was zu essen und zweitens ist das was hier nächtens serviert wird auch noch gut. Die Burger sollen die besten der Stadt sein und auch die Hausmannskost ist empfehlenswert. Wer also seinen Kater pflegen und deshalb auch ein gepflegtes spätes Dinner/Frühstück einnehmen möchte, sollte das hier tun.

www.mozartsvienna.com_Gräfin am Naschmarkt. Der Klassiker. Entweder man kommt aus Überzeugung hierher, oder eben aus Überzeugung nicht. Viele finden es hier überteuert und das Essen eine Schande. Dennoch muss sich die Gräfin nicht schämen, denn der entscheidende Vorteil, dieser mit bescheidener Qualität ausgestatteten Küche ist eben nun, dass sie durchgehend geöffnet ist. Schämen muss sich auch der nicht, der um 5.30 hier hereinwankt, denn er passt sich chamäleongleich automatisch an das hier herrschende Ambiente an. Und das ist gut und richtig so.

Zur Gräfin geht es hier. 

 

_Café Europa. Das Café Europa versucht alles zu sein – Café, Restaurant, Bar und Veranstaltungslocation – und schafft das eigentlich auch ganz gut. Vor allem weil es uhrzeitbedingte Grenzen einfach aushebelt und bis 4 Uhr morgens Frühstück serviert. Man kann hier also den ganzen Tag Kaffee schlürfen und das alles dann nahtlos in einen White Russian übergehen lassen um dann zu vorgerückter Stunde wieder zu Kaffee und Croissant zurückzukehren. Es kann also passieren, dass das Café Europa nicht nur dein zweites, sondern möglicherweise dein erstes Wohnzimmer wird. Dann sollte man möglicherweise seine Wohnsituation einmal überdenken.

http://www.europa-lager.at/

 

_Wolke. Die Wolke ist eigentlich eine Cocktailbar. Es ist auch nicht besonders schön dort. Wenn man ganz ehrlich ist, ist es sogar ausgesprochen schirch in der Wolke. Der große Vorteil dieser Lokalität ist aber eindeutig die Lage, denn sie befindet sich beinahe unmittelbar am Karlsplatz. Es gibt durchgehend warme Küche, die etwas überteuert daherkommt, aber solide ist. Kann man hinschauen, wenn man sehr ausgehungert und angetrunken ist. Falls man aber noch nicht auf allen Vieren unterwegs ist, könnte es sich aber durchaus bezahlt machen, circa 200 Meter weiter zum McDonalds am Schwarzenbergplatz zu wanken.

Zur Wolke hier.