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KC Streichel im Interview

Sarah Wetzlmayr

Satire nimmt ja oft seltsame Farben und Formen an. Im Fall von KC Streichel die einer grauen Katze mit stechend blauen Augen. Seit mittlerweile mehr als einem Jahr ist er ein Garant für rau-züngige Analysen und Statements zu unserer „Katzion“ sowie eher mehr als weniger offensichtlichen satirischen Attacken gegen eine bestimmte Partei.

von Sarah Wetzlmayr

KC Streichel verwirrt und verstört seit mittlerweile mehr als einem Jahr auf seiner Facebook-Seite mit seinen Ansagen zur Lage der Katzion, Katrioten, Einhundung, Verkotung und der klaren Auskunft, dass er der einzige Kater sei, den man am nächsten Tag nicht bereut. Mehr als 34.000 Menschen verfolgen mittlerweile seine, leider oft nur scheinbar satirisch überspitzten, populistischen Parolen. Mit seiner Partei der „HRAÖ“ („Hunde raus aus Österreich“) kämpft er gegen die Verhundung des Landes und die Rüdenpresse an. Wir haben uns mit dem blauäugigen Kater, bei einer Katzenmilch und Brekkies zusammengesetzt und ihn zu einem Jahr KC Streichel befragt.


Ein wenig mehr als ein Jahr KC Streichel in den sozialen Medien – wie hat sich die Linie der HRAÖ in dieser Zeit verändert? Hat sie sich verhärtet oder eher ein wenig aufgeweicht?

Wir haben ja endlich ein Idol. Und das ist unser Parteiobmann KC Streichel. Endlich hat unser Land wieder eine Utopie – eine Perspektive. Die Plutokratie muss überwunden werden. Unsere Zukunft ist ganz und gar hundefrei. Ich freue mich auf das Gefühl, endlich über grüne Wiesen zu spazieren, ohne Angst haben zu müssen, schon wieder in ein Hundstrümmerl zu steigen. Mag ja sein, dass einige unserer Katrioten im Vollrausch und aus lauter Gift über die Überhundung schon mal versehentlich eine Hundehütte angezündet haben, doch solche Ausrutscher kehren wir wie gewohnt einfach unter dem Teppich. Nach zwei Tagen sind sie nicht mehr passiert. Was über bleibt ist ein Kater am Morgen.

Stichwort „Verkotung“ und „Einhundung“ – konnte die HRAÖ in diesem Jahr etwas dagegen bewirken?

Wie ist eure Bilanz nach diesem Jahr? Ich denke, die Zeit wird uns Recht geben. Man liest ja in den Medien immer wieder, dass ein Hund eine Frau wahllos besprungen hat oder einem unbescholtenen aufrechten Österreicher in den Knöchel gebissen hat. Dagegen muss was getan haben. „Der will ja nur spielen“ ist keine Ausrede mehr. Es ist, dank unseres Propagandabüros nun auch statistisch nachweislich bewiesen, dass 100% aller kriminellen Drogenhunde kriminell sind, und Drogen nehmen. Das sind doppelt soviel, wie beispielsweise 50% nichtkriminelle Katzen. Erst letztes Wochenende konnten wir eine Meute wildernder Zwergchihuahuas in der Nähe von Leopoldsdorf aufgreifen und erfolgreich abschieben. Derzeit befinden wir uns in Verhandlung mit dem Bundesheer, um Hunde wirkungsvoll mit Herculesmaschinen in sichere Herkunftsländer, wie Bellgarien, Neuhundland oder Hunduras abzuschieben. Da können die sich dann anurinieren und so laut bellen, wie sie wollen, da stört sie keiner.

Soll eine Obergrenze für Hunde eingeführt werden?

Wir sind für eine Obergrenze von 0,01% +-x. Das wäre dann ein Hund auf 10.000 Österreicher. Das ist eine gerechte Statistik. Es gibt sicherlich auch den ein oder anderen Gassilanten, der sich integrieren kann. Nicht jeder Hund setzt ein Hundstrümmerl auf unsere Wiesen. Aber jedes Hundstrümmerl kommt von einem Hund.

Würde KC Streichel Bundespräsident, oder eben Hundespräsident, werden, wie würde seine Rede an die „Katzion“ beginnen? Wie enden?

Miau!

Hasskommentare, etwas wovon viele in diesem „Katerland“ betroffen sind. Welches war der schlimmste Hasskommentar gegen KC Streichel?

Von den vielen? Da führe ich keine Bestenliste. Manche waren ganz witzig. Ein User wollte einmal den „Krater kastrieren“. Einer wollte meine Katzenmutter begatten. Ich denke aber, der für mich schlimmste Kommentar war wohl, als man mir androhte, sämtliche Katzenmilch aus unserem Land zu verbannen. Wenn Sie wirklich was Schlimmes sehen wollen, sehen Sie sich auf sogenannten „Tierschutzsseiten“ um, wo man scheinbar nichts dagegen hat, Menschen, die Tiere quälen auf grausamste Art und Weise zu foltern oder zu töten. Interessanterweise geht auch Facebook gegen solche Hetzseiten nicht vor. Das ist in meinen blauen Katzenaugen genauso schlimm, wie die Hasstiraden gegen Flüchtlinge. Menschen sind manchmal schon sehr komisch. Riechen sie Blut, brauchen sie etwas, das sie zerfleischen können. Das macht zweifelsohne der hündische Einfluss.

„Hunde die bellen beißen nicht“, stimmt dieses bekannte Sprichwort? Und wie steht KC Streichel eigentlich zu Alexander van der Bellen?

Ich habe Herrn VdB ja bereits angeboten, seinen Namen zu ändern. Ich hätte einen „Van der Miauen“ unterstützt, wenn er seinen Hund abgeschoben hätte. Die Katze des Gegenkandidaten hält sich für einen Hund, und nun hat sich Herr Hofer auch noch einen Gassilanten zu sich ins Haus geholt. Im Moment geht dieses Land in jedweder Hinsicht vor die Hunde. Ich glaube, ich wandere aus nach Katzachstan.

Glaubt ihr nach den vergangenen Monaten noch an ein besseres Österreich? Wie könnte das aussehen?

Wir haben zunehmend vergessen, was eigentlich passieren musste, dass es uns so gut geht, wie jetzt. Wir leben doch eigentlich in einem Land, wie unsere Großeltern es sich erträumt haben. Wir leben in einer Demokratie, kein Österreicher, und auch kein Gast muss verhungern, wir haben ein soziales Netz, das jeden auffangen kann und machen grundsätzlich auch keinen Unterschied mehr zwischen Mann und Frau. Was will man daran dann ändern? Der Gedanke, dass ein Mensch mehr wert ist als der andere, hat noch nie etwas Gutes mit sich gebracht. So verhält es sich auch mit dem Nationalismus. Wenn wir „Österreicher zuerst“ schreien, dann darf man sich fragen, wo denn die Grenze zwischen Österreicher und Nicht-Österreicher gezogen wird. Wir wollen uns hinter Grenzzäunen verstecken, sperren uns ein unter dem Vorwand, dass wir frei sein wollen. Für mich ist dieser Gedankengang in jeder Hinsicht falsch. Da und dort gibt es Ungerechtigkeiten und Probleme. Aber man kann ein System ja auch verbessern. Warum also wollen wir unsere Werte über Bord werfen unter dem Vorwand, dass unsere Großeltern dieses Land aufgebaut haben? Unsere Urgroßeltern haben es im Grunde wegen solchen Gedankenguts erst kaputtgemacht. Manchmal denke ich, dass scheinbar die Leute wieder a „g’scheite Watsch’n“ wollen, damit sie sich dran erinnern, was wir eigentlich haben. Aber so einfach ist das nicht. Aus dieser Verantwortung können wir uns nicht so einfach rausreden. Am Ende will es wieder keiner gewesen sein. Ein besseres Österreich kann es nur dann geben, wenn wir die Fehler von damals nicht wiederholen. Wir sind oftmals einfache Leute, nicht besser, nicht schlechter. Aber wir können versuchen, es besser zu machen. Und aus diesem Gedanken heraus kann man auch ein besseres Land schaffen.

Ok, nun zu etwas ganz anderem: Sollen auch die Pokémon die Katzion verlassen oder dürfen sie bleiben?

Die Mauzis dürfen natürlich bleiben. Fukano, Arkani, Hunduster, Hundemon, Terribark, Bissbark, Aquana, Blitza, Flamara, Psiana, Nachtara, Folipurba, Glaziola, Magnayen, Voltenso, Zoroark, Wie-Shu und wie die alle heißen, die können sich in Hundestaaten besser austoben.