AKUT

Pariserspitz

Sarah Wetzlmayr

Die Konditoreikette Aida setzt den Sexismusvorwürfen der vergangenen Woche ziemlich was entgegen: Striezis, Pariserspitze und Verlängerte. 

von Sarah Wetzlmayr

Die in Wien heimische, rosafarbene Konditoreikette Aida reagiert nun doch auf die Sexismusvorwürfe, die sie in den vergangenen Woche wegen ihrer neuen Uniformen für weibliche Aida-Mitarbeiter kassierten. Die Shirts mit den Aufschriften „Zimtschnecke“ oder „Punschkrapferl“ werden zwar nicht von der Bildfläche verschwinden, aber um eine „männliche“ Variante ergänzt. Männliche Aida-Mitarbeiter werden nämlich künftig Kaffee und Kuchen als „Striezi“, „Pariserspitz“, Gustostückerl“ und seltsamerweise auch als „Verlängerter“ servieren. Vor allem über letzteres lässt sich in einem Sexismus-Kontext bestimmt diskutieren. Gleicher Sexismus für alle, scheint also die Strategie der traditionsreichen Wiener Konditoreikette zu sein.


Wie dem auch sei. Juniorchef der Konditorei Dominik Prousek erklärte diesen Schritt gegenüber dem ORF wie folgt: „Es war so eine Anfrage nach den medialen Reporten, dass unsere Kellner gesagt haben, sie wollen auch solche T-Shirts haben.“ Ob sie da schon wussten, dass eines der Shirts die Aufschrift „Verlängerter“ tragen würde, ist ein wenig fraglich. Vermutlich nicht. In der Aida-Filiale am Stephansplatz konnten die „Striezis“, „Verlängerten“ und „Pariserspitze“ schon bewundert werden. Auch die Bezeichnung „Pariserspitz“ ist, angesichts der Tatsache, dass „Pariser“ eine nicht mehr ganz so weit verbreitete Bezeichnung für Kondom ist und man das kleine Wörtchen „spitz“ ja eh nicht näher erklären muss, eine etwas seltsame Wahl. Für alle die es nicht wissen: Ein Pariserspitz ist eine Konfektart, die hauptsächlich aus Parisercreme besteht und mit einer Schicht aus dunkler Schokolade ummantelt ist. Nur so zur Info, und ganz aus dem sexuellen Kontext herausgelöst. Fast.

Ausgelöst wurde die mediale Debatte durch ein Facebook-Posting von Josef Schartner, der eine Aida-Mitarbeiterin mit einem „Punschkrapferl“-Shirt fotografierte und das Foto dann auf seiner Facebook-Seite hochlud. Uns hat er im Interview erzählt, wie er darauf reagierte.

Der Anfang vom Ende des Punschkrapferls – Interview mit Josef Schartner

Als Du da abgedrückt hast, war das mit einem lachenden oder einem besorgten Auge?
Zwei Herzen schlugen in meiner Brust – natürlich ist es sexistisch, lustig fand ich es, so ehrlich bin ich, trotzdem. Wenn die Mitarbeiterinnen selbst entscheiden können, ob sie die Shirts tragen wollen, wäre ist für mich schon ok. Eine erste Recherche, so teilte mir ein Ö 3-Mitarbeiter mit, ergab aber, dass sie es tragen MÜSSEN. Aida hat dann aber zurückgerudert und gesagt, so habe ich es zumindest den Medien entnommen, dass das Tragen freiwillig sei.

 Wie lang hat es gedauert, bis sich die Medien auf das Foto gestürzt haben?
Das ging schnell. Eine facebookbefreundete Krone/City4you-Mitarbeiterin hat gefragt, ob sie das Foto verwenden dürfen. Und dann ging es ruck-zuck – Ö3, Heute, und viele andere haben das Thema aufgegriffen.

Gab es von Aida selbst auch einen Kommentar, eine Stellungnahme zu dem Foto?
Nein, mir gegenüber bis jetzt noch nicht. Bis auf einzelne Filialen habe ich aber weder Aida als gesamte Firma noch deren Pressesprecher auf Facebook nicht gefunden…

Hast Du beim Hochladen des Fotos damit gerechnet, dass es eine Sexismusdebatte lostreten würde?
Nicht in dem Ausmaß. Aber gespannt war ich schon wie drauf reagiert wird.

Was hältst Du von der Strategie mit den Männer-Shirts? Gleicht das das “Punschkrapferl” wieder aus?
Dass sie so reagieren, lag auf der Hand. Und wieder gilt: wenn das Tragen freiwillig erfolgt, finde ich es total ok. Und wenn alle drüber lachen können, ist es super, weil es gibt ohne genug ernstere und wichtigere Themen als die Shirts.

Im Endeffekt ist das jetzt ziemlich gute PR für Aida, oder?
Stimmt! Ich finde auch, dass ich dafür zumindest Gutscheine bekommen sollte. Oder eine Aida-Kreuzfahrt. Ein PR-Auftrag würde es aber auch tun.

Was wären deine Vorschläge für Männershirts?
Damit es ein bisserl unkorrekt bleibt vielleicht „Kleiner Brauner“? Oder „Schinkenstangerl“? Wenn sie das nicht auf der Karte haben, würde ich es an deren Stelle extra raufnehmen. Salzstangerl finde ich weniger prickelnd, das könnte man mit salzig-verschwitzt assoziieren.

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