AKUT

Baba, Leopold!

Sarah Wetzlmayr

Die Diagnose „Clubsterben“, die Wien bereits Anfang des Jahres attestiert wurde geht in die Verlängerung: Das Leopold macht zu. 

von Sarah Wetzlmayr

Wenn irgendwo zu irgendeinem Zeitpunkt in Wien der Satz „Gehma ins Leopold?“ gefallen ist, hatte das meistens eher weniger mit Schiele und noch weniger mit Klimt zu tun, sondern meistens mit Spritzer und Bier. Gemeint war damit nämlich in 9 von 10 Fällen nicht das Museum, sondern das Café. Touristengruppen mal ausgenommen. Wenn dieser Satz in Zukunft fällt, kann damit leider nur noch das Museum gemeint sein, denn das Café Leopold verkündete heute auf seiner Facebook-Seite, dass es in Zukunft kein Café Leopold mehr geben wird. Der Pachtvertrag mit dem Museum ist ausgelaufen und es gibt im Moment keine Aussicht auf eine Einigung, die zu einer Verlängerung des Vertrags führen könnte. Nach genau 15 Jahren Café Leopold war es das also mit gepflegtem Spritzertrinken inmitten des kulturellen Zentrums der Wiener Innenstadt.


Mit dem Leopold verliert auch die Tindersphäre einen ihrer Fixsterne. Dabei war man mit dem Leopold beim ersten Date immer auf der sicheren Seite – lichttechnisch genau der richtige Grad der Dimmung, die Getränkepreise in einem normalen Spektrum, so dass man, je nachdem wie gut oder schlecht das Date gelaufen ist, sich schon einige Drinks reinstellen konnte. Auch die Clubformate im unteren Bereich des Leopold schafften es sich in Wiens Clublandschaft zu etablieren. Natürlich ist jetzt sofort wieder von der Fortsetzung des Wiener Clubsterbens die Rede – „Stirb Langsam, Vienna Club Edition Teil 2“. Ganz so dramatisch sollte man das vielleicht nicht sehen, schade um das Café Leopold ist es aber so oder so, ob als Teil eines gewaltigen Massengrabs oder nicht. Bis Ende des Jahres kann man im Leopold noch Spritzer trinken, Kuchen essen und Party machen – dann könnte man mal ins Museum schauen.Foto © Raphael Skrepek