AKUT

Pictorial: Es knistert

© Martin Wieland

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Interview mit Martin Wieland

Der richtige Zeitpunkt

Technische Perfektion uns Spaß am Set: Martin Wieland über seinen Zugang zur Aktfotografie.

Wann war Ihr erster Berührungspunkt mit dem Genre Aktfotografie? Wir haben damals in der Graphischen unter anderem auch das Thema Akt behandelt, das war mein erster Kontakt mit dem Genre. Erst Jahre danach begann ich, regelmäßig Aktaufnahmen zu machen. Dazu inspirierten mich Bücher wie „Pictures“ von Herb Ritts oder jene von Ellen von Unwerth, Peter Lindbergh, Helmut Newton, Andreas Bites­ nich, Guido Argentini und Matthew Rolston. Spannend finde ich auch die hohe Qualität der Verarbeitung dieser Bücher.


Auf welchem Grundsatz basieren Ihre Fotoarbeiten? Mit einem Minimum an technischem Aufwand ein Maximum an Wirkung zu erzielen. Die Kamera ist ledig­lich mein Werkzeug, das mich bei der Um­setzung meiner Ideen unterstützen soll. Viel wichtiger ist die Kommunikation mit dem Model. Ich kann mit dem besten Equipment arbeiten, wenn ich mit dem Model nicht klarkomme, werden die Fotos nicht dieselbe Wirkung haben. Deshalb lege ich viel mehr Wert auf den Spaß am Set als auf technische Perfektion. Ein technisch perfektes Bild kann viel langweiliger wirken als eines, bei dem man gerade zum richtigen Zeitpunkt aufs Knopferl drückt.

Wie legen Sie den Fotoprozess an: Haben Sie vorab ein Konzept oder passiert alles spontan? Da bin ich eher typisch österreichisch – schau ma mal, was sich ergibt. Das gilt aber nur für meine freien Arbeiten. Ein gewisses Grundkonzept habe ich schon, weil ja einiges im Voraus geplant werden muss, die Location etwa.

Empfinden Sie das Arbeiten am Set als sexuellen Akt? Nein. Es darf zwar schon knistern – das aber nur während des Shoo­tings. Ich nehme die Models als gleich­ berechtigte Partner wahr, die auch gerne ihre Vorschläge einbringen können. Ob ich die Ideen dann umsetze oder nicht, liegt allerdings bei mir.

Gibt es Tabus? Jeder Fotograf muss seine eigenen Grenzen ausloten. Meine fangen in etwa dort an, wo ich mir als Betrachter den­ke, dass ich diese Fotos auch komplett ohne Ausbildung machen hätte können, also ohne jeglichen Anspruch auf Ästhetik – nur drauf­ halten, wie man so schön sagt. Ich habe schon viele Fotos gesehen, die ziemlich explizit waren, aber trotzdem nicht billig gewirkt haben. Umgekehrt waren da Aufnahmen, die stilistisch wesentlich softer waren, mich aber wegen der komplett fehlenden fotografischen Grundkenntnisse schmerzten.

Was wollen Sie mit den Fotos beim Betrachter auslösen? Optimal ist es dann, wenn der Betrachter der Fotos das Gefühl hat, dass er beim Shooting dabei war. Besonders freut es mich, wenn Frauen meine Bilder gefallen.

Ihr Resümee zu Ihrem ersten Bildband?

Mein Team und ich haben aus ca. 60.000 Bildern um die 1.000 Fotos ausgewählt, davon retuschierte ich 700 und aus diesem Material haben wir die finalen Bilder herausgefiltert. Es sind 13 verschiedene Kapitel in dem Buch, jedes Kapitel zeigt eine andere Art der Akt­fotografie, aber im Ganzen betrachtet ist es immer meine Handschrift.