Meinung

Elvira Trevira: Celebrity goes Discounter

Warum das Modejahr 2017 unter dem Motto „Celebrity goes Discounter“ zu stehen scheint, weiß WIENER Modekolumnistin Elvira Trevira.

Schon im März hat die Fußballergattin/­Designerin Victoria Beckham eine Kinderkollektion für den zweitgrößten Discounter der USA, nämlich Target, umgesetzt. Gefolgt vom deutschen Hausfrauen-­Modell Heidi Klum, die ihr Designtalent via Lidl niemandem vorenthalten will. Zeitgleich hat sich die mittlerweile etwas abgetakelte Sängerin ­Anastacia bemüßigt gefühlt, für Aldi Süd (in Österreich für Hofer) die „Music Loves ­Fashion“-Kollektion zu kreieren.

Die Preise der Kollektionsteile von Klum und Anastacia liegen zwischen 7,99 und 59,99 Euro. Letzteres bezieht sich auf eine Lederjacke der Klum-Kollektion „Esmara“ – anscheinend inspiriert von Escada und Max Mara –, aber diesmal für Arme. Ähnlich die Kosten der Beckham-Kollektion bei Target. Bekanntlich sind Discounter wenig zimperlich in der Auswahl ihrer Produktionsstandorte und bezüglich der dort herrschenden human-ökologischen Bedingungen. Ihre Umsätze kratzen am dreistelligen Milliarden­bereich. Kooperationen mit solchen Konzernen scheinen für Celebrities sehr lukrativ zu sein – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Bis auf die, die irgendwo in Südostasien an den Maschinen sitzen und die Design-Ergüsse von Klum und Konsorten nähen. Im Interview erklärt Anastacia, sie finde den „destroyed look so awesome“: Sie sollte sich mal darüber informieren, unter welchen Umständen diese Jeans hergestellt werden und was für Auswirkungen das auf die Gesundheit der Arbeiter hat.


Ich verstehe wirklich nicht, wie Frauen, die auch Mütter sind, und obendrein noch Multimillionärinnen, die Zustände, die in den Produktionsländern ihrer Kollektionen herrschen, ignorieren können. Es muss wohl die Gier sein, denn sonst würden sie doch ihre Bekanntheit nutzen, um der Situation entgegenzuwirken. Naiv – ich weiß!

Foto – Header: © Hofer