AKUT

Woran Frauen denken, während sie Sex haben

Manfred Sax

Stell dir vor, er ist von Kopf bis Fuß auf reinundraus und sie beginnt plötzlich laut zu denken.

Text: Manfred Sax

Zum Beispiel: „Gott, wie meine Schenkel aussehen, ich muss wieder mal ins Fitness-Studio.“ – Oder: „Sieht irgendwie komisch aus.“ – Oder auch: „Verdammt, wo schaut er jetzt schon wieder hin?“ – Worauf ihr dies einfällt: „Sieht mein Arsch fett aus in dieser Stellung?“


Und dann wird es langsam lauwarm: „Nein, nicht der Daumen!“ – Oder: „Autsch, nicht diese Stellung, Alter, ich bin nicht so beweglich!“ –

Man ahnt, die beiden Turteltauben sind erst am Anfang. Beim Orientieren. Beim Suchen nach einer beiderseits gefälligen Lage. Beim Finden von Zonen, die sich eventuell lohnen. Und ganz sicher ist das, was sie denkt, nicht etwas, das er sich vorstellen könnte, dass sie denkt. Da ist was Lost in Translation, wo zum Teufel bleibt etwa die Romantik?

Immerhin sind die Gedanken noch präzis, sie haben ein Thema, das Girl zu den Gedanken ist beim Akt, wenn auch anders als ihr Lover sich das vorstellt, wie gesagt. Die Gedanken haben Koordinaten, wären daher für ihn durchdrückbar, sie setzen ihn ins Bild, theoretisch halt, er kennt sie ja nicht (und hätte er Tau davon, würde er keinen Heller dafür geben, geschweige denn ein Königreich).

Mysteriöser (für ihn) wird es, wenn sie in eine Art leeren Raum gerät, vielleicht ist es auch eine Sackgasse, wenn die Worte zu spärlich werden, um daraus einen Reim zu machen. Stell dir vor, du bist von Kopf bis Fuß auf reinundraus und das Girl dazu beginnt laut zu denken.

Zum Beispiel: „What the fuck?“ – Oder: „Meinst du das ernst?“ – Oder simply: „O nein!“ – Oder, der Killer:

„Warum?“ –

Noch ein paar Worte weniger und du hast jenes berühmte Schweigen, das die Ohren betäubt.

Zum Glück hat auch jeder linkische Akt einmal ein Ende – das sich allerdings zum Leidwesen des Girls bisweilen in die Länge zieht. Was wiederum für Bewegung zwischen ihren Ohren sorgt.

Der Trigger kann olfaktorisch sein: „Iih, ich kann deinen Eiersack riechen, das ganze Zimmer riecht schon nach Eiersack.“ – Oder ästhetisch: „Du schwitzt wie Sau.“ – Oder terminlich: „Kannst du dich ein wenig beeilen?“ – Oder prohibitiv: „Nein, nicht den Nervensäbel!“ –

Allmählich reifen gewisse Erkenntnisse: „Heut komm ich sicher nicht.“ – Worauf sie, während sie den Kerl reitet, langsam die Zeit danach ins Auge fasst: „Ich hab Hunger, was soll ich heute kochen, Spaghetti? Nein, da müsste ich einkaufen gehn.“ –

Und so kommt es denn zur Klimax. Seiner Klimax, naturally. Was in ihr nicht immer wohlwollende Gefühle hochkommen lässt, in Wahrheit eigentlich nie, es kann einer Frau ordentlich auf die Titten gehen, wenn er habituell kommt und sie nicht. Zu seinem Glück spricht sie das selten aus (es sei denn, sie ist Britin, Anm.), aber sie denkt sich ihren Teil. Etwa: „Gott, ist der Typ öd, wie krieg ich ihn los, soll ich einen faken?“ – Schließlich: „Jetzt hat er mich angespritzt, ekelhaft.“ – Worauf ihr nach Befreiung ist: „Geh runter von meinen Haaren!“ – Ehe sie ihn böse, wenn auch wortlos anstarrt: „Untersteh dich und schmier mir das in die Haare, ich hab sie grad gewaschen!“ –

Last, but not least, gönnt sie sich an Stelle der Zigarette danach ein paar Reflexionen. Die können Erleichterung signalisieren: „Bin ich froh, dass es vorbei ist.“ –Oder Introspektion: „Die Vagina schaut mich an, als würd sie mich auslachen.“ – Mitunter spiegeln sie auch den Stand der Dinge: „Ein Gefühl ist das, wie nach einem Termin beim Gynäkologen.“ – Was nur zu einer Conclusio führen kann: „Ich muss unter die Dusche.“ –

Gestatten: Jenna

Foto: Gage Skidmore, Lizenz: CC Attr.-SA 2.0

Der Großteil obiger Gedanken kommt übrigens von Miss Marbles. Jenna Marbles. Jenna ist 31 Jahre alt und Amerikanerin und ausgebildete Sportpsychologin, heute aber vor allem Social Media Personality (SMP). In Zahlen: 17+ Millionen Abonnenten, 2.5 Milliarden Zugriffe. Eine Super-SMP, die mit Gedanken wie obigen einen Markt entdeckte. Vielleicht auch nur einen allgemeinen Beziehungszustand transparent machte. Ms Marbles spricht von schlechtem Sex, ohne es so zu nennen. Und triggert millionenfaches Echo, überwältigend mehrheitlich von Girls, denen sie aus der Seele spricht. Allerhand.

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