GENUSS

Mix-Vorlagen: Sommerzeit ist Cocktail-Zeit

Die Heim-Bar öffnet im Freien. Denn Sommer ist Cocktail-Zeit. Wie man selbst zur Misch-Maschine werden kann, weiß der WIENER: Tipps und Handbücher für den tropischen Trinkspaß.

Text: Roland Graf

Die Wahrheit ist ganz einfach: „Es gibt nur eines, was einen Gin Tonic vermiesen kann – schlechtes Eis“. Dementsprechend verpasste der Frankfurter Barchef Thomas Lang seiner Version einen faustgroßen Eisball. Dass er mittels Rotationsverdampfer auch alle Aromen des Gins ins Gefrorene brachte, übergehen wir jetzt einmal. Denn die wichtige Botschaft für alle Heim-Barmänner, die einmal im Jahr erwachen, lautet: Je größer die Oberfläche, desto weniger schnell schmilzt das Eis. Auch wenn es schön aussieht, „crushed ice“ erreicht genau den gegenteiligen Effekt. Für starke Rum-Drinks passt das, da mildert das Schmelzwasser den alkoholischen Aufprall. Die paar Euro für einen Eisball-Bereiter sind also gut investiert, zur Not kann man zudem auch mit der Spirituose selbst nachhelfen.


Summertime-Blues? Dagegen hi8lft vielleicht Daniel Richters maskuliner „John Lee Hooker“. Foto: (c) Jörn Rynio / Gräfe und Unzer Verlag

Denn alles über 40 Volumsprozent Alkohol hält auch zwei Stunden im Gefrier­fach aus. Und kommt dann schön kalt ins Glas, wie man das im Sommer erwartet. Selbst beim zweiten Erfrischungsspender, der Kohlensäure der so genannten ­Filler – von Tonic über Bitter ­Lemon bis zum angesagten Ginger Beer – kann man als Laie Fehler machen. Denn betont wildes Einschenken (damit alle glauben, es wird jeden Tag gemixt im Haushalt) ­erreicht das schnelle Verpuffen der Säure – und damit schale Drinks.

Klassiker „Old Fashioned Whisky Cocktail“: wann, wenn nicht jetzt? Foto: (c) Getty Images

Elegant wäre die spanische ­Servierart, bei der man Tonic und Co. langsam über den vor die Flaschenöffnung gehaltenen Barlöffel ins Glas „gleiten“ lässt. Der Profi-Trick braucht Übung, langsames Einschenken geht aber auch. In der Theorie wird dann nicht mehr umgerührt, um keine Kohlensäure zu entbinden. Ein schnelles Anheben der Eiswürfel sorgt aber für zusätzliches Verbinden der Aromen bei nicht geshakten Drinks.

Wer es noch genauer wissen will oder von den ewigen Mojitos genug hat, hier drei Cocktailbücher für den sommerlichen Dauereinsatz.

 

Foto: (c) Jörn Rynio / Gräfe und Unzer Verlag

Grundausstattung

Kompakt ist nicht nur Daniel Richters Salon Irkutsk in München, auch im Cocktailbuch geht es gleich zur Sache. Die Auswahl von Lieblingsspirituose und Anlass führt via Inhaltsverzeichnis schnell zu einem Rezept, das passt. ­Eigenkreationen und moderne Klassiker wie der „Gin Basil Smash“ ergeben ­einen im wahrsten Sinne guten Mix.
Daniel Richter, „Cocktails selbst gemixt. Über 80 klassische und moderne Drinks von spritzig bis sour“, 13,40 Euro, Gräfe&Unzer, gu.de
WIENER-Favoriten: „Old Cuban“ und „John Lee Hooker“, die Eigenkreation mit Bourbon und India Pale-Ale.

 

 

 

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Leichte Welle

Der Mann, der neben Ex-Hangar-7-Chef Roland Trettl die TV-Sendung „First Dates“ auf VOX bestreitet, hat mehr drauf. Als Bar-Caterer widmet er sich einem Trendthema, nämlich Mocktails, alkoholfreien Drinks, die ­besser schmecken als Soda-Zitron. Sein erstes Buch bringt auf 192 Seiten aber auch die Klassiker mit.
Nic Shanker, „Shake it easy. Perfekte Drinks – mit und ohne Alkohol“, 22,70 Euro, Becker Joest Volk, bjvv.de
WIENER-Favoriten: „Kölsch Sour“ und der alkoholfreie Maracuja-Ginger Ale-Mix „Ipanema“.

 

 

 

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Erfahrungsschatz

Heuer wird der Münchner Bigger-than-Life-Barchef Charles Schumann 77 Jahre und sein marsalafarbener ­Baldessarini-Anzug (natürlich ohne ­Socken getragen!) ist ebenso zeitlos wie das Barbuch der Legende. Neben unzähligen Rezepten, etliche aus der „Likör-Hochzeit“ der 1980er, besticht das Artwork von Günter Mattei.
Charles Schuman, „Schumann’s Bar“, 35 Euro, Zabert-Sandmann, zsverlag.de
WIENER-Favoriten: „Tom Collins“ und der süße, aber tropische „Swimming Pool“, den Charles 1979 ersann.