Essen

Einkochen: Gehst du zum Weibe, vergiss die Pfanne nicht

Franz J. Sauer

Dass Männer, die kochen können, es leichter bei Frauen haben, ist mittlerweile weithin bekannt. Die Ursachen hierfür liegen möglicherweise sehr weit zurück.

Von Franz J. Sauer

Das Wortkonstrukt „Sich jemanden Einkochen“ wird im Österreichischen Wörterbuch nicht zufällig mit dem Zeitwort „Anbandeln“ erklärt. Einer Umfrage des deutschen Emnid-Institutes zufolge wünschen sich 90 Prozent der Frauen in Deutschland bei ihren (zukünftigen) Partnern Kochkünste als Serienausstattung. Folgerichtig gilt ein hausgemachtes Candlelight-Dinner als der gangbarste Weg, das weibliche Objekt der Begierde auf unverfängliche Weise in die eigenen vier Wände zu locken. Wer anno 2016 hingegen in stolzer Macho-Manier damit protzt, „nicht mal Spiegeleier hinzukriegen“, wird sich immer öfter mit einem soliden Laufpass anfreunden müssen.

Jäger und Sammler

Überhaupt ist die sinnentleerte Parabel, ein Mann, der kochen kann, sei in jedem Fall ein Softie, nichts als hausbackener Mumpitz. Im Gegenteil: Der steinzeitliche Jäger und Sammler, der sich in der Wildnis dem Säbelzahntiger stellte, während seine zarte Frau die Systemerhalterin gab, finden im Hobbykoch von heute seinen legitimen Nachfolger. Nirgendswo sonst als in einer vollausgestatteten Küche kann sich ein Mann intimer dem brandheißen Überlebenskampf stellen. Fest steht nämlich: Wer kein Multitasking kann, schwebt in einer Küche voller Herdplatten, Heißluftöfen, Dampfgarern, Mikrowellenherden und Geschirrspülmaschinen permanent in Lebensgefahr, so wie weiland vorm Säbelzahntiger. Genau das aber, nämlich keine zwei Dinge gleichzeitig bewerkstelligen zu können, werfen uns die Vertreterinnen des schwachen Geschlechts gar so gerne vor.

Ofen vorwärmen

So pflegt der Candlelight-Dinner-Veranstalter aus dem ersten Absatz bewusst zu spät den Kochvorgang einzuleiten, um erst in Anwesenheit der Angebeteten damit zu beginnen. Also vor ihren Augen gleichzeitig das Fleisch anzubraten, die Nudeln einzusalzen, das Sugo aufzukochen, den Ofen vorzuwärmen, den Salat anzumachen, Gurken zu schneiden, die Tomaten rund um den Büffelmozzarella zu drapieren und ganz nebenbei auch noch gekonnt Smalltalk zu führen, inklusive netter Worte für ihr neues Kleid und die ach so passenden Pumps dazu. Besser kann man Multitasking-Skills nicht zur Schau stellen – jene, welche die gelernte Sie dem minderentwickelten Er in jener Form ja nie zugetraut hätte. Das Ergebnis ist verblüffte Bewunderung für sein Engagement. Und in ihrem Unterbewusstsein bekommt er automatisch die gleiche Punkteanzahl, wie der Jäger aus dem Pleistozän für den herangeschleppten, toten Tiger. Im Sinne von: Wenn er dem Tier schon nicht den Garaus macht, so kann er es wenigstens gar machen.

Fachmann

Ebenfalls aus der Urzeit stammt die weibliche Anerkennung für unser Talent zur Spezialisation. Frauen mögen es, wenn sich Männer wo auskennen. Dessen eingedenk haben wir schlauen Jungs die eher simple Notwendigkeit, rohes Essbares unter Zuhilfenahme von Küchengerätschaft genießbar zu machen, in den Adelsstand des Afficionadotums erhoben. Niemand kann sich so inbrünstig über Garzeiten, Knoblauchpressen oder spezialbeschichtete Superpfannen unterhalten wie im Grunde ahnungslose Hobbyköche. Man referiert wortreich über Begriffe wie „Fusion-Küche“, „Wokrezept“ oder „Vollwertkost“ und das ähnlich kompetent wie sonst über Sportautos, Börsenkurse oder das letzte Champions League-Spiel. Geheimste Tricks aus der Küchenlade werden im kleinen Kreis preisgegeben, unabhängig davon übrigens, ob es irgendjemanden interessiert. Und über das private Gesamtrepertoire von gerade mal drei Gerichten kann nachgerade stundenlang philosophiert werden. Bis auch die letzte der anwesenden Damen sehnsüchtig danach lechzt, vom lautesten der Topf-Dilettanten irgendwann einmal bekocht zu werden.

Würzig bis pfeffrig

Wir lernen also: ein Mann, der kochen kann, bricht bei Frauen alteingesessene Vorurteile auf – was letzteren gefällt. Und er zieht ihre Gunst umso mehr in seinen Bann, je eingehender er sich – egal ob geheuchelt oder echt – mit der Materie beschäftigt. Die Fähigkeit, zu garen, lässt scheinbar allerlei Rückschlüsse darauf zu, wie geschickt man als Adamsnachfahre sein restliches Leben meistert: zartrosa gebraten, vollmundig in der Blüte und angenehm würzig bis pfeffrig im Nachgeschmack. Derlei will die Frau von Welt bevorzugt täglich am Speiseplan stehen haben.

Männer lassen nichts anbrennen

Dabei sollten die Damen der Schöpfung gerade diesbezüglich lieber vorsichtig agieren: Jener geschickte Kerl nämlich, der stets am Herd die richtigen Kochzeiten antizipiert, lässt ja möglicherweise auch sonstwo nichts anbrennen.

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