KULTUR

Girl Power

Jakob Stantejsky

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, sagt man – und es ist auch nicht verwunderlich, wenn die Kinder von knallharten Helden ebenso kompromisslos den Bösen einschenken. So auch die Töchter von Legende B.J. Blazkowicz, dem Actionhelden schlechthin.

Text: Markus Höller / Fotos: Hersteller

Wir schreiben das Jahr 1980, und trotz aller Bemühungen haben die Nazis den Großteil des Planeten fest im Griff. Wobei: Nazi darf man ja wie gehabt in den deutschsprachigen Versionen aller Spiele der Wolfenstein-Reihe nicht sagen, das Verbotsgesetz hat die Inhalte nach wie vor fest im Griff. Und so dürfen sich Zocker aus der DACH-Region weiterhin über komische Quasi-Runen und ähnlichen Quatsch statt der hinlängliche bekannten Symbolik wundern. Doch zurück zum Spiel. 19 Jahre sind also seit den Ereignissen von The New Colossus vergangen, B.J. Blazkowiczs Zwillingstöchter Jess und Soph sind mittlerweile erwachsen, doch der Papa ist verschollen. Selbst ist die Tochter also, und so machen sich die beiden im besetzten Paris auf, um als helfende Hände der Resistance Hans, Franz und Fritz den Garaus zu machen und ihren Vater zu suchen.


Das ist eine bemerkenswerte Abkehr von der bisherigen Spielroutine, erstmals steht nicht der stiernackige harte Knochen B.J. als Protagonist im Mittelpunkt, sondern ein Coop-Spielprinzip. Dass es sich hier um junge Frauen handelt, ist da nur konsequent. Die Entwicklern von MachineGames schaffen es eindrucksvoll, die bisher nur testosterongeladene Actionsaga in ihrem 39. Jahr(!) durch ein nicht minder schlagkräftiges Haudrauf mit eben Östrogen-Power aufzufrischen. Dies gelingt nicht nur mittels spezieller Tag-Team-Manöver (alleine mit KI oder mit einem echtem Partner), sondern auch in einer Open World, die ein noch freieres Gameplay als in den letzten Teilen ermöglicht.

Als besonders reizvoll stellt sich bei Wolfenstein: Youngblood der Stilmix im Gamesetting heraus: reichsdeutsche Symbolik und Steampunk im Paris der 80er Jahre ergeben eine völlig neue Welt, die so bisher nicht zu sehen war. Angefeuert wird das ganze von einem synthlastigen Soundtrack, wie man ihn noch von den Actionkrachern aus der Blütezeit von Schwarzenegger und Stallone kennt.

Der jüngste Ableger der legendären Wolfenstein-Reihe glänzt dank der id Tech 6 Engine spektakulär und ist nicht nur eine weitere würdige Fortsetzung des Franchises, sondern auch ein guilty pleasure für alle Fans der 80er Popkultur.

Wolfenstein: Youngblood

Entwickler: MachineGames
Publisher: Bethesda
Erschienen für: PS4, Xbox One, PC, Switch
Spieler: Single/Multiplayer
Engine: id Tech 6