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Billigfliegen: die demütigendste Art des Reisens

Der Rummel um den CO2-Ausstoß, dazu der Trend, den Fluggast wie Fastfood mit Kreditkarte und Puls zu behandeln: Man möchte meinen, die Billigfluglinien sind dem Absturz nahe. Aber nein, sie werden immer frecher. Ein Update.

Foto: Getty Images

Es geht ihnen gut. Muss so sein, Ryanair-CEO Michael O’Leary hat sich neulich einen Bonus von 99 Millionen Euro ausgehandelt. Fällig, sobald der jährliche Profit (derzeit 1.45 Mrd. Euro) die Zweimilliardenlatte überquert. Das schafft er. Mit den üblichen Methoden: Der Fluggast möge bluten.


Stammkunden dieser Linien (Ryanair, Eurowings, Wizz, Easyjet etc.) sind es gewohnt: 40 Euro für den Europaflug klingen okay, nur kommt dann der Rest – Flugtaxe und Verwaltungsgebühr, das Gepäck teurer als das Ticket; dann der Zehner für die Sitzreservierung, das Web-Check-in, der Boardingpass, den du selber basteln musst; das auf zehn Kilo reduzierte Handgepäck mit der erlaubten Dimension 55 x 40 x 20 cm … aber Moment mal, da hat sich was getan: Laudamotion hat Dimension und Gewicht halbiert, bei ­Eurowings dürfen es nur mehr acht Kilo sein. Was du natürlich verschwitzt hast. Macht weitere 40 Euro. Der Preis für das Ticket hat sich verdreifacht, und du sitzt noch nicht einmal im Flieger. Die Frage nun: Wann geht’s los? Die Verspätungen, you know. Fünf Stunden sind keine Seltenheit, und vergiss die dafür versprochenen 300 Euro Kompensation, die kosten mächtig Nerven und Zeit, weil die Fluglinie und der Vermittler, bei dem du gebucht hast, einander habituell die Verantwortung zuschieben. Sitzt du endlich im Flieger, bleibt einiges beim Alten, etwa die Muskelkrämpfe, weil die Sitze für Zwerge maßgeschneidert sind. Neu allerdings bei Wizz Air: Die Dimension fürs Handgepäck wurde auf 55 x 40 x 23 erweitert. Cool, denkst du. Allerdings passt das nicht mehr unter den Sitz, es muss in den Overhead-Kasten, macht weitere zehn Euro. Reicht das? Leider nein, denn da ist auch noch der Rückflug. Und solltest du mit Easyjet nach Italien gereist sein, wirst du informiert, dass der ursprüngliche Gratistrolley nun plötzlich 70 Euro kostet. Tja, Billigfliegen: die demütigendste Art des Reisens.

Video: das legendäre Interview mit Ryanair-CEO Michael O’Leary, der eine Business Class mit „Bett und Blowjobs“ in Aussicht stellte. https://www.youtube.com/watch?v=UfIY24BErBE