ACTION

Er liest, sie bläst

Manfred Sax

Ein orales Superdoppel liefert das Breitenseer Kino: Literat Georg Biron liest aus seinen Werken zum Thema Pubertät im Kino. Zum Beispiel über den Tag, als er ”Deep Throat“ sah. Der 1970er Kultfilm mit Linda Lovelace kommt dann gleich nach Biron auf die Leinwand. 

Boomers sind sich einig: Nie gab es ein besseres Jahrzehnt, um in die Pubertät zu erwachen, als die 1970er Jahre. Als Sex war, was heute das Handy ist; fummeln ist eben wichtig. Auch im Kino dominierte der Sex, herausragend der bahnbrechende Softporno Deep Throat (1972), Trigger einer ”Porno Chic“-Welle, bis heute erfolgreichster Streifen des Genres. Bahnbrechend, weil der erste Porno mit Plot: Ms Lovelace kommt nie zum Orgasmus, sie geht zum Psychiater, der untersucht sie und findet schließlich ihre Klitoris, nur halt leider nicht unten in ihrem Süden sondern oben im Rachen; dort, wo du normaler Weise die Mandeln hast. Tja, und dann führte einschlägige Forschung zu einer Technik, die heute noch den Filmtitel zum Namen hat. So geht Plot.

Beim Wiener Schriftsteller Georg Biron prallten Pubertät und Deep Throat perfekt auf einander. Pubertät dauert, er sah viel Sex auf der Leinwand. Das führte letztlich unter anderem wiederholt zu verbalen Ergüssen – die Biron im März präsentiert. Deep Throat, the movie, ergänzt dieses fein gesponnene Programm. Im historischen Saal der 1905 eröffneten Breitenseer Lichtspiele.


Foto: Funke / Wikipedia

Der Film DEEP THROAT

DEEP THROAT ist ein US-Porno von Gerard Damiano (Buch und Regie) mit Linda Lovelace und Harry Reems aus dem Jahr 1972, und einer der einflussreichsten Filme der letzten Jahrzehnte, da er die Sex-Filme aus den „Schmuddelecken“ der Bahnhofkinos holte und ein breites Publikum damit begann, sich mit diesem Genre zu beschäftigen. Das Movie startete den sogenannten „Porno-Chic-Boom“ der 1970er-Jahre, als es in Mode kam, dass Erwachsenenfilme in normalen Kinos gezeigt wurden und sich die Leute das ansahen, um darüber zu diskutieren. Prominente wie Truman Capote, Jack Nicholson oder Frank Sinatra bekannten sich offen dazu, den Film gesehen zu haben.

DEEP THROAT ist der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Produziert für ein Budget von 50.000 US-Dollar, spielte der Film an den Kinokassen mehr als 600 Millionen Dollar ein und wurde zum Kultfilm rund um den weiblichen Orgasmus, zum Hassobjekt, zum Fanal für Meinungsfreiheit und zum Auftakt einer industriellen Pornoindustrie und war ein Ausdruck von künstlerischer und sexueller Freiheit gegen Zensur und Prüderie.

Sex ist Leinwand. Eine Pubertät im Kino. Samstag, 7. März ab 20h, danach (21h): Deep Throat – das Original. Breitenseer Kino

Tickets: (01) 982 21 73 // kino.bsl@gmx.at