AKUT

Coro-Nation

Franz J. Sauer

Corona hat uns fest im Griff. Ich fühle mich beinah schon ein wenig gewürgt… und ich leide definitiv nicht unter einem derartigen Fetisch. Die Frage „Wie wird unser Leben nach Corona?“ drängt sich mir aber durchaus auf.

Von Alexandra Pisecker

Vielleicht etwas zu früh. Beleuchten wir doch mal den Status Quo. Unsere größte Sorge scheint im Moment nicht eine Ansteckung per se zu sein. Viel mehr bewegt uns die Fäkal-Hygiene. Gibt es dieses Wort überhaupt?


Tatsache ist, dass wir Österreicher von einer immensen Angst vor einer häuslichen Toilettenpapier-Knappheit besessen zu sein scheinen. Wie soll man sich sonst die Hamsterkäufe erklären? Schwenken wir in höchster Not doch einfach auf Küchenrolle um.

Auf „willhaben.at“ sprang mir eine Anzeige ins Auge: „Tausche eine Rolle Premium Clopapier gegen einen Porsche 911, für ein Fläschchen Desinfektionsmittel lege ich noch eine Birkin-Bag drauf“. Da sollte man eigentlich zuschlagen. Oder?

Die Vorstellung, uns den Arsch nicht mit Cosy 4-lagig auswischen zu können, scheint uns in eine psychotische Panik (sollte es eine solche geben) zu versetzen. Zusätzlich sind wir aber auch von der Paranoia geplagt, keine Nudeln mehr kaufen zu können. Das Volk ist irritiert und verwirrt.

Abgesehen davon sollten wir dankbar sein, dass es sich hier um eine einigermaßen „cleane“ Seuche handelt. Nicht vorzustellen, wir müssten mit einem Seuchentyp à la Typhus oder Cholera dealen. Die ganze Speiberei und Scheißerei – einfach widerlich!

Seit Tagen versuche ich nun im Supermarkt meines Vertrauens Penne, Fussili, Capellini, Fettucine, Maccharoni, Cavatappi oder Stringozzi zu erstehen, ich wäre auch mit Ziti oder Vermicelli zufrieden – aber nein, selbst die ordinären Recheis-Hörnchen sind ausverkauft.

Ich mein, wie sollen wir „First World Kids“ mit unseren „First World Problems“ da zurecht kommen? Kann mir das bitte mal wer erklären? Ich bin nur beruhigt, dass ich vor dem Shut Down noch Mascara und Make Up aufgestockt habe.

Es ist mir auch ein Anliegen zu erwähnen, dass ich ein Basis Kontingent von vier Stangen Philip Morris Supreme und mehre Kisten La Gioiosa Prosecco angelegt habe. Man will mich nicht ertragen müssen, sollte die Trafik nicht mehr liefern können, ganz zu schweigen davon, wenn der Alk-Support zusammen bricht. „Covid 19 Trend“: Day Time Drinking.

Täglich blicke ich nun aus dem Fenster im 4. Stock auf den Fleischmarkt hinunter und frage: „Was macht das Volk denn so?“ Blöde Frage, da unten ist kein Volk mehr. Das ist jetzt zu Hause und säuft.

Allerdings hab ich mir die Apokalypse ein wenig spannender vorgestellt – nicht so langweilig. Mein inneres Auge inszenierte Hollywood inspirierte Set-Ups, in denen ich leicht verletzt (Streifschuss oder so) in einem knapp sitzenden super-sexy Lara-Croft-Outfit mit meinem Laserschwert (Leihgabe meiner Söhne) Aliens und Zombies kille.

Das sehe ich im Moment nicht so. Vor lauter „Outdoor Shaming“ traue ich mich kaum noch den Mist runter zu tragen. Social Distancing bei der Mülltonne. Für diese Tätigkeit ziehe ich nun meinen neuen schicken „Bio-Hazard-Anzug“ an – und nein er ist nicht von Louis Vuitton. Von LV beziehe ich ausschließlich Desinfektionsmittel.

Die Modechefin des WIENER auf Telearbeit (Foto © privat)

So – seien wir uns ehrlich – diese Woche tun wir Österreicher noch  als hätten wir was zu arbeiten. Bis spätestens Mittwoch nächster Woche faken wir Arbeit, danach werden wir uns – und das sage ich in aller Deutlichkeit – nur mehr dem Suff hingeben.

An dieser Stelle möchte ich Heimito von Doderer frei zitieren (ich bin schon betrunken und zu faul es zu googeln): „Wer in schwierigen Zeiten nicht heftig säuft, setzt eine freiwillige Mehrleistung am Leben.“ Ja – und so dämlich sind wir Österreicher nun wirklich nicht.

Aber wie werden wir nach Corona aussehen? Dann – wenn wir erstmals wieder unsere blitz-blank geputzten Behausungen verlassen? Ok – die sind dann vielleicht wegen dem Saufen und komatösem Herumknotzen doch schon ein bissl abgesifft. Alles was „Luxus“ ist hat ja geschlossen. Dazu gehören Friseure, Kosmetik + Nagelstudios, aber auch Bekleidungsfirmen.

Ich prophezeie Folgendes: Männer mit zerzausten Bärten, überlangem Haar, Finger- und Zehennägeln, die sich bereits zum Einringeln beginnen und zerfransten Jogginghosen werden vom gleißenden Sonnenlicht geblendet, aus ihren Behausungen treten.

Dahinter kriechen schutzsuchend, mit splissigem Haar, acht Zentimeter Nachwuchs, fahler Haut und durchgescheuerten Leggings deren Gattinnen her. Kinder regenerieren sich schneller – die muss man nur waschen (30 Grad Vollwaschmittel – Schleudern mit 800 Touren – 20 min Trockner – keine chemische Reinigung). Was passieren wird, ist ein Ansturm auf oben angeführte Etablissements. Auch die Fitness Center und Ernährungsberater brauchen dann nicht mehr um ihr Einkommen zu bangen. Wir werden alle fett sein. Ich sag nur: Geöffnete Supermärkte – keine Bewegung.

So – let`s see what happens – oder wie man auf wienerisch zu jammern pflegt – schau ma amoi!